Immobilien

Höherer Zins bremst Verbraucher: Baukreditgeschäft stagniert

Wer eine Wohnung kauft oder ein Haus baut, schaut auf die Zinsen - und hier herrscht Ernüchterung. Zwar ist die Nachfrage nach den eigenen vier Wänden hoch, doch ein neuer Immobilienboom ist nicht zu erwarten.
04.02.2026 14:03
Lesezeit: 2 min

Höherer Zins bremst Verbraucher: Baukreditgeschäft stagniert

Gestiegene Zinsen lassen Immobilienkäufer und Bauherren vor neuen Krediten zurückschrecken. Hatten Verbraucher Anfang 2025 noch deutlich mehr Immobilienkredite aufgenommen, ebbt die Erholung inzwischen ab. Das zeigen Zahlen der Analysefirma Barkow Consulting, die auf Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) beruhen.

Demnach vergaben deutsche Banken im vierten Quartal 2025 neue Kredite in Höhe von 59,2 Milliarden Euro an Privathaushalte und Selbstständige. Das sei das schwächste Quartal im vergangenen Jahr. Die sich schon im Frühjahr abzeichnende Abschwächung habe sich fortgesetzt und das Neugeschäft das dritte Quartal in Folge stagniert, schrieb Geschäftsführer Peter Barkow.

«Zeit für Schnäppchenjäger ist vorbei»

Aus seiner Sicht finden sich Verbraucher in einer Zange: Einerseits haben die Bauzinsen angezogen. Sie hätten Ende 2025 mit im Schnitt 3,9 Prozent für Kredite mit zehn Jahren Laufzeit den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren erreicht. Zugleich seien die Immobilienpreise stabil bis leicht steigend. «Die Zeit für Schnäppchenjäger am Wohnungsmarkt ist vorbei.»

Die Frankfurter FMH-Finanzberatung sieht die Bauzinsen derzeit in einer Spanne zwischen 3,75 und 4 Prozent - im Sommer 2025 waren es demnach 3,6 Prozent. Da Immobilienkäufer und Bauherren oft Hunderttausende Euro Kredit aufnehmen, werden schon kleine Zinsbewegungen teuer. Aktuell sei nicht von großen Änderungen auszugehen, schrieb FMH-Experte Max Herbst.

Das Neugeschäft mit privaten Baufinanzierungen hatte bis ins Frühjahr 2022 geboomt, dann beendete ein starker Zinsanstieg im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine den Höhenflug. Da auch die Baukosten kräftig stiegen, gaben viele Menschen ihre Pläne für den Hausbau oder Immobilienkauf auf. Anschließend erholte sich der Markt. Das hilft auch dem Neugeschäft mit Baukrediten: Dieses wuchs 2025 dank des starken Jahresbeginns um gut ein Fünftel zum Vorjahr auf 241 Milliarden Euro, so Barkow Consulting. Alte Rekorde sind aber außer Reichweite.

Zwar liegen die Leitzinsen der EZB auf einem moderaten Niveau. Doch die Aussicht auf Milliarden-Schulden des Bundes hat die Kapitalmarktzinsen steigen lassen, was sich auf die Zinsen für private Hausbauer und große Investoren auswirkt. Ein neuer Immobilienboom wie in den Jahren bis 2022 ist aus Sicht vieler Experten daher nicht zu erwarten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Weltbekannter Professor sieht gefährliche Veränderung bei Trump
25.05.2026

Francis Fukuyama sieht Trump politisch geschwächt, aber gerade deshalb gefährlich. Für Dänemark und Grönland könnte die nächste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Arbeitsmarkt: Wer durch KI ersetzt wird, zahlt jahrelang
25.05.2026

KI soll Unternehmen schneller, schlanker und profitabler machen. Doch für Beschäftigte, die durch neue Technologien ihren Job verlieren,...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienempfehlungen: Günstige Aktien trotz KI-Hype, Zinsrisiko und Rüstungsboom
25.05.2026

Viele Anleger jagen weiter den teuersten KI-Gewinnern hinterher, doch Morningstar sieht die spannendere Chance woanders. Zehn globale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
25.05.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimarisiken in Europa: Warum der Mittelstand besser vorsorgen muss
25.05.2026

Klimarisiken und Nachhaltigkeit werden für Europas Mittelstand zu entscheidenden Faktoren für Finanzierung, Wettbewerbsfähigkeit und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Veggie-Burger-Boom verliert an Tempo: Fleischersatz in Deutschland erstmals rückläufig
25.05.2026

Pflanzliche Fleischalternativen haben den Lebensmittelmarkt in Deutschland stark verändert. Doch nach Jahren kräftigen Wachstums sinkt...

DWN
Technologie
Technologie Meta: WhatsApp-Inkognito-Modus kommt für KI-Unterhaltungen
25.05.2026

Meta erweitert WhatsApp um neue KI-Funktionen und verspricht dabei mehr Datenschutz. Nutzer sollen künftig inkognito mit der Meta AI...

DWN
Politik
Politik US-Politikwissenschaftler: Der Schwerpunkt der NATO verlagert sich nach Osten, nur Europa hat das noch nicht begriffen
24.05.2026

Die NATO verändert ihre innere Geografie und Polen rückt ins Zentrum der europäischen Sicherheit. Dahinter steht das Ende eines...