Finanzen

EZB-Zinsentscheid: Zinsen bleiben bei 2 Prozent bei sinkender Inflation im Euroraum

Die EZB bleibt ruhig - doch neue Herausforderungen warten - beispielsweise der Dollarkurs. Während Energie billiger wird, ziehen andere Preise weiter an. Was bedeutet das für die Geldpolitik der EZB, Unternehmen und Verbraucher in den kommenden Monaten? Der EZB-Zinsentscheid im Kontext.
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avtor
05.02.2026 14:19
Aktualisiert: 05.02.2026 14:19
Lesezeit: 4 min
EZB-Zinsentscheid: Zinsen bleiben bei 2 Prozent bei sinkender Inflation im Euroraum
Sinkende Inflationsraten im Euroraum sorgen für Erleichterung. Doch hinter den Zahlen verbergen sich neue Risiken für Geldpolitik und Wachstum. (Foto: iStockphoto.com/Stadtratte) Foto: Stadtratte

EZB-Zinsentscheid: 2 Prozent bleiben

Die Leitzinsen im Euroraum bleiben auch im neuen Jahr vorerst unverändert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins zum fünften Mal in Folge bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte.

Inflation im Euroraum fällt im Januar deutlich auf 1,7 Prozent

Die aktuelle Inflationsrate in Deutschland – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) gegenüber dem Vorjahresmonat – liegt für Januar 2026 bei etwa 2,1 Prozent. Das geht aus vorläufigen Schätzungen und Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervor. Damit liegt die Inflation in Deutschland deutlich über dem Durchschnitt des Euroraums.

Nach der Schnellschätzung von Eurostat lag die Gesamtinflationsrate im Euroraum im Januar bei 1,7 Prozent. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Dezember des Vorjahres, als die Inflationsrate noch 2,0 Prozent betrug. Einen derart starken Rückgang hatten Analysten allerdings erwartet – nicht zuletzt aufgrund des starken Euro im Vergleich zum US-Dollar, wodurch sich die Importpreise verringern.

Handlungsdruck bei der EZB: Trumps Politik schwächt Dollar

Für Handlungsdruck bei der EZB könnte das Erstarken des Euro sorgen, der jüngst zeitweise die Marke von 1,20 Dollar übersprang - erstmals seit 2021. Mit der unberechenbaren Politik von US-Präsident Donald Trump hat das Vertrauen in den Dollar an den Finanzmärkten gelitten, was den Dollar-Kurs sinken und den Euro aufwerten lässt.

Die Aufwertung des Euro belastet Europas Exporteure, nicht zuletzt deutsche Firmen, da ihre Waren auf den Weltmärkten teurer werden. Zugleich verbilligt der starke Euro Importe, die in Dollar gehandelt werden. Das dämpft die Inflation, die 2026 das mittelfristige EZB-Ziel von 2,0 Prozent ohnehin leicht unterschreiten könnte. Manche Notenbanker wie das österreichische EZB-Ratsmitglied Martin Kocher sehen bei einem weiteren Aufwerten des Euro Handlungsdruck für eine Zinssenkung. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte einen Euro-Kurs von 1,20 zum Dollar als kritische Marke dargestellt.

EZB und der Wechselkurs

„Die EZB orientiert sich weiterhin an der stabilen Preisentwicklung im Euroraum. Das ist grundsätzlich richtig. Aufgrund der noch immer hohen geopolitischen Unsicherheit und der anhaltenden Abwertung des US-Dollars dürfte jedoch der Wechselkurs stärker ins Blickfeld der Geldpolitik geraten", ordnet DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier die Entscheidung der EZB ein. Schwer zu beantworten sei die Frage, ob der Wertverlust des Dollar Teil einer politischen Rückzugsstrategie bei der Rolle des Dollars als weltweite Leitwährung sei.

"Das würde dem Euro die Chance eröffnen, als Währung eine stärkere Rolle in der Finanzwelt einzunehmen. Davon sind wir aber noch weit entfernt. Die Hausaufgaben der nationalen Wirtschaftspolitik bleiben klar: Wir müssen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland durch strukturelle Reformen verbessern und durch mehr private Investitionen wieder ein deutlich höheres Wachstum erreichen“, so Treider.

Was teurer wurde – und was günstiger

Die stärksten Preissteigerungen verzeichneten weiterhin Dienstleistungen. Diese verteuerten sich im Euroraum innerhalb eines Jahres bis Januar um 3,2 Prozent (Dezember: 2,4 Prozent). Unmittelbar dahinter folgen Nahrungsmittel, Alkohol und Tabakwaren, deren Preise im Jahresvergleich um 2,7 Prozent anzogen.

Im Gegensatz zu den Dienstleistungen fiel die Inflation bei nicht-energetischen Industriegütern deutlich geringer aus: Diese verteuerten sich binnen Jahresfrist lediglich um 0,4 Prozent. Offenbar agieren Unternehmen weiterhin zurückhaltend bei Preiserhöhungen, auch wenn Eurostat-Daten zeigen, dass das reale BIP des Euroraums im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent gewachsen ist. Das dürfte die Unternehmen leicht ermutigt haben – im Dezember lag die Industrieinflation noch bei 0,3 Prozent.

Die Energiepreise hingegen sanken im Jahresvergleich bis Januar um 4,1 Prozent (im Dezember des Vorjahres betrug der Rückgang 1,9 Prozent). Wie Ökonomen betonen, ist ein erheblicher Teil dieses Rückgangs auf Basiseffekte zurückzuführen, da die Energiepreise vor einem Jahr außergewöhnlich hoch lagen. Das erklärt auch, warum Verbraucher dies aktuell kaum spüren – an den Tankstellen ziehen die Kraftstoffpreise zuletzt wieder an.

Inflationsentwicklung in den einzelnen Mitgliedstaaten

Im Vergleich der Mitgliedstaaten des Euroraums – dieser umfasst seit Januar 21 Länder, da auch Bulgarien den Euro eingeführt hat – verzeichneten nach der ersten Schnellschätzung von Eurostat die Slowakei mit 4,2 Prozent die höchste Inflationsrate. Es folgten Kroatien mit 3,6 Prozent und Griechenland mit 2,8 Prozent.

Die niedrigste Inflationsrate wies Frankreich mit 0,4 Prozent auf, gefolgt von Italien und Finnland mit jeweils 1,0 Prozent. Slowenien lag im Januar mit einer geschätzten Gesamtinflation von 2,4 Prozent deutlich über dem Durchschnitt des Euroraums.

EZB-Zinsentscheid

Zwar befindet sich die EZB weiterhin in einem geldpolitischen Lockerungszyklus, allerdings derzeit in einer Pause, nachdem der letzte Zinsschritt im Juni des vergangenen Jahres beschlossen wurde. Die allgemeine Markterwartung wurde nun bestätigt: Die EZB hat die Leitzinsen vorerst unverändert gelassen.

Seit nunmehr fünf Sitzungen in Folge hat der EZB-Rat die Leitzinsen unverändert gelassen. Bis Juni hatte es eine Serie von Senkungen gegeben: Noch im Frühjahr 2024 lag der Einlagenzins, den Banken erhalten, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, doppelt so hoch bei 4,0 Prozent.

Ziel der EZB bleibt es, die Inflation im Euroraum mittelfristig auf rund 2 Prozent pro Jahr zu stabilisieren – ein Niveau, das die Notenbank als gesund und wachstumsverträglich einstuft.

Etwas mehr Zinsen für Sparer

Von der verlängerten Zinspause und gestiegenen Kapitalmarktzinsen profitieren Sparer etwas, wie eine Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt (Stand 2.2.2026). Demnach stiegen die Zinsen bei Festgeld mit zehn Jahren Laufzeit auf im Schnitt 2,49 Prozent. Das ist ein Viertelprozent mehr als vor einem Jahr. Auch beim Tagesgeld bekommen Sparer etwas bessere Konditionen. In den ersten Wochen des Jahres seien die Sparzinsen über alle Laufzeiten gestiegen.

Das Ratgeberportal "Finanztip" berichtet ebenfalls über verbesserte Konditionen für Tagesgeld: 2,92 Prozent Zinsen seien im besten Fall für die kommenden sechs Monate für Sparerinnen und Sparer drin, kurzfristig sogar 3,2 Prozent. Mit solchen Angeboten wollen Anbieter im hart umkämpften deutschen Markt neue Kundschaft locken. Experten raten jedoch, vor allem darauf zu achten, ob das Geld bei der jeweiligen Bank wirklich sicher ist.

Inflation im Griff

Die EZB hat gute Gründe abzuwarten. Die Inflation, die nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine 2022 nach oben geschnellt war, ist eingedämmt. Und der Wirtschaft tun niedrigere Leitzinsen gut: Kredite für Firmen und Verbraucher werden tendenziell günstiger, was bei größeren Anschaffungen helfen und das Wachstum anschieben kann.

Im Januar ging die Teuerungsrate im Euroraum weiter zurück und erreichte einer ersten Eurostat-Schätzung zufolge mit 1,7 Prozent den tiefsten Stand seit September 2024. Die EZB strebt stabile Preise für den Währungsraum bei mittelfristig 2,0 Prozent Inflation an. Auch die Konjunktur in der Eurozone hält sich trotz des Zollstreits mit den USA robust, sodass es vorerst keinen Druck für die EZB gibt, die Wirtschaft mit weiteren Zinssenkungen zu stützen.

EZB sieht sich bislang in komfortabler Lage

Zuletzt sah sich die EZB in einer "komfortablen" Situation, wie Präsidentin Christine Lagarde wiederholt betonte. Dies gilt als Hinweis, dass die Leitzinsen vorerst stabil bleiben. Die EZB will zu stark steigende Preise vermeiden, aber auch dauerhaft sinkende Preise: Rechnen Verbraucher und Unternehmen mit Nachlässen, könnten sie Anschaffungen verschieben, was die Wirtschaft bremst.

EZB-Zinsentscheid: Geldpolitik vor neuer Bewährungsprobe

Die sinkende Inflationsrate im Euroraum signalisiert zunächst eine Entspannung nach Jahren hoher Teuerung. Doch der Rückgang ist ungleich verteilt und beruht stark auf Energiepreisen und Basiseffekten. Dienstleistungen und Konsumgüter bleiben teuer, während Verbraucher die Entlastung kaum spüren. Für die Europäische Zentralbank entsteht daraus ein Dilemma: Zu frühe Zinssenkungen könnten neue Preisrisiken schüren, zu langes Abwarten das Wachstum bremsen. Die kommenden Prognosen zur Inflation und Konjunktur werden daher entscheidend sein. Klar ist: Die Phase einfacher geldpolitischer Entscheidungen ist noch lange nicht erreicht.

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Albina Kenda

Zum Autor:

Albina Kenda ist eine erfahrene Journalistin, die sich auf die Berichterstattung über Geldpolitik und EU-Themen für die slowenische Wirtschaftszeitung Casnik Finance spezialisiert hat. Sie arbeitet sich regelmäßig durch endlose Stapel von Berichten, Vorschlägen, Reden und Diskussionen, um so klar wie möglich darzustellen, wie internationale und insbesondere europäische Themen uns alle betreffen, auch wenn wir uns nicht dafür interessieren.

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