Politik

Arbeitspflicht beim Bürgergeld? Bundesarbeitsministerium reagiert skeptisch auf CDU-Vorstoß

Die Debatte um strengere Regeln beim Bürgergeld nimmt wieder Fahrt auf. Ein Vorstoß aus Sachsen-Anhalt für eine mögliche Arbeitspflicht sorgt nun im Bundesarbeitsministerium für deutliche Zurückhaltung.
09.02.2026 09:20
Lesezeit: 1 min
Arbeitspflicht beim Bürgergeld? Bundesarbeitsministerium reagiert skeptisch auf CDU-Vorstoß
Das Bundesarbeitsministerium reagiert skeptisch auf Schulzes Vorschlag zur Arbeitspflicht für Bürgergeldempfänger. Der CDU-Politiker will dennoch einen Zeitplan vorlegen (Foto: dpa). Foto: Helge Toben

Was der Vorschlag beinhaltet

Soll es eine Arbeitspflicht für Bürgergeldempfänger geben? Dieser Vorstoß von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) stößt im SPD-geführten Bundesarbeitsministerium auf Skepsis. Gemeinnützige Arbeitsgelegenheiten zu schaffen, das sei mit hohen Kosten und einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden - zum Beispiel, weil dies organisiert und beaufsichtigt werden müsse, sagte eine Sprecherin der "Bild" (Montag). Es entstünden also Kosten, und zwar zusätzlich zu den weiterlaufenden staatlichen Geldleistungen. Vorrangiges Ziel müsse deswegen sein, Bürgergeldempfänger in reguläre Beschäftigung zu bekommen.

Schulze widersprach prompt. "Arbeitspflicht - das geht, und das muss sein. Und der bürokratische Aufwand wird verhältnismäßig klein sein." Weiter sagte er der "Bild": "Wenn man es will, kriegt man es hin. Wenn man es nicht will, erfindet man Ausreden, so wie das Bundesarbeitsministerium."

Schulze sagte, er werde in Sachsen-Anhalt vormachen, dass eine Arbeitspflicht möglich ist und dafür "in den nächsten Tagen" einen Zeitplan vorlegen. "Der Staat darf sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen, der Sozialstaat schon gar nicht."

Gemeinnützige Arbeit nicht verboten

Die Ministeriumssprecherin räumte ein, Arbeitsgelegenheiten könnten dazu beitragen, Tagesstrukturen zu stabilisieren und Mitwirkungsbereitschaft zu fördern. Entscheidend sei aber, "dass sie zeitlich befristet, individuell begründet und in eine weiterführende Integrationsstrategie eingebettet sind". Die operative Ausgestaltung liege im Ermessen der Jobcenter vor Ort.

Konkret hatte Schulze in der "Bild am Sonntag" kommunale Aufgaben genannt: "Zum Beispiel in einer Kommune mitzuarbeiten, Laub zu fegen oder jetzt im Winter, wenn Schnee liegt." Er fragte: "Warum können das nicht auch Menschen machen, die gesund sind, zu Hause sind und gerade keine Arbeit haben?" Gemeinnützige Arbeit sei nicht verboten in Deutschland, betonte der Ministerpräsident

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Heidelberger-Druck-Aktie: Druckmaschinenhersteller steigt in Drohnenabwehr ein
15.04.2026

Das für Druckmaschinen bekannte Unternehmen Heidelberg steigt ins Rüstungsgeschäft ein. Die Traditionsfirma will ihren Standort in...

DWN
Finanzen
Finanzen Riester-Reform: Lohnt sich der alte Vertrag zur Riester-Rente noch?
15.04.2026

Der neu beschlossene Riester-Nachfolger für eine bessere Altersvorsorge bringt höhere Rendite-Chancen als die klassische Riester-Rente,...

DWN
Politik
Politik YouGov-Umfrage: AfD klar stärkste Kraft - Union stürzt auf schlechtesten Wert seit vier Jahren
15.04.2026

In einer YouGov-Umfrage kann sich die AfD deutlich von den anderen Parteien absetzen. Auch Grüne und Linke legen zu. Die einzigen, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Kaufkraft-Ranking in Krisenzeiten: Wo die regionalen Einkommen am meisten wert sind
15.04.2026

Das Verhältnis aus Einkommen und Lebenserhaltungskosten entscheidet über die reale Kaufkraft der Haushalte: Wo viel verdient wird, ist es...

DWN
Politik
Politik Tabaksteuer-Erhöhung finanziert Entlastungsprämie 2026: Doch nicht nur Raucher gehen bei der Ausgleichprämie leer aus
15.04.2026

Günstigeres Tanken und eine 1.000-Euro-Prämie: Doch die Entlastungen kommen noch längst nicht bei den Bürgern an. Auch werden viele...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ifo: Iran-Krieg verstärkt wirtschaftliche Unsicherheit deutscher Unternehmen
15.04.2026

Steigende Energiepreise, wackelige Lieferketten: Deutsche Unternehmen blicken immer skeptischer in die Zukunft. Welche Branchen besonders...

DWN
Politik
Politik Sparpläne Krankenkassen: Warnungen vor zusätzlichen Belastungen der Beitragszahler
15.04.2026

Die Koalition will die steigenden Ausgaben der Krankenkassen unter Kontrolle bringen, um neue Beitragserhöhungen zu vermeiden - mit einer...

DWN
Politik
Politik Migration in Deutschland: Jeder Vierte hat eine Einwanderungsgeschichte
15.04.2026

In den vergangenen 20 Jahren ist der Anteil der Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund um zwei Drittel in Deutschland gewachsen....