Politik

Nachfolge und Machtkämpfe: Wer führt künftig den Iran?

Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei muss das iranische Machtgefüge klären, wer ihm nachfolgt. Doch in Kriegszeiten wird auch die Wahl des neuen Revolutionsführers zum Risiko. Welche fünf Kandidaten für die Nachfolge des getöteten Revolutionsführers gehandelt werden.
04.03.2026 15:19
Aktualisiert: 04.03.2026 16:00
Lesezeit: 3 min
Nachfolge und Machtkämpfe: Wer führt künftig den Iran?
Der Enkel des iranischen Revolutionsführers, Hassan Chomeini (M) gilt als moderat und positioniert sich regelmäßig zugunsten des Reformlagers. (Foto: dpa)

Nachfolge und Machtkämpfe: Wer führt künftig den Iran?

Der Tod von Ajatollah Ali Chamenei hat ein Machtvakuum im Zentrum des Iran hinterlassen. Jahrzehntelang lief im System der Islamischen Republik alles auf den Revolutionsführer hinaus. Er bündelte politische, militärische und religiöse Macht. Die Nachfolge muss nun ausgerechnet in einer Phase geregelt werden, in der das Land im Krieg steht. Offiziell bestimmt der Expertenrat den neuen Revolutionsführer. In der Praxis dürfte sich entscheiden, welches Lager im Machtgefüge die Oberhand gewinnt.

Das System steht unter Zugzwang. In der Übergangsphase muss rasch geklärt werden, wer Chamenei nachfolgt. Der Posten ist in der aktuellen Lage mit einem hohen Risiko verbunden: Ein neuer Revolutionsführer würde sofort zum wichtigsten Ziel der israelisch-amerikanischen Militärkampagne. Sucht der Machtapparat jetzt einen starken Mann oder einen Kompromisskandidaten, der die rivalisierenden Lager zusammenhält? Ein Überblick über die kursierenden Namen:

Modschtaba Chamenei - Sohn des getöteten Ajatollahs

Modschtaba Chamenei, der Sohn des getöteten Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei, gilt als aussichtsreichster Kandidat. Seit Jahren hat er seinen Einfluss ausgebaut, trat öffentlich jedoch kaum in Erscheinung. Viele Insider im Iran spekulieren, dass er im Schatten seines Vaters großen Einfluss ausgeübt hat. So soll er im Hintergrund unter anderem Angelegenheiten im Büro des Revolutionsführers gesteuert haben.

Falls er gewählt wird, dürfte der 56-Jährige den kompromisslosen Kurs seines Vaters zunächst fortsetzen. Er gilt als bekannter Akteur staatlicher Unterdrückung. So soll er während der Grünen Bewegung 2009, die nach Vorwürfen der Wahlfälschung bei der Präsidentschaftswahl entstand, eine Schlüsselrolle bei der Niederschlagung der Proteste gespielt haben. Gut informierten Kreisen in Teheran zufolge könnte er aber auch mit Unterstützung der mächtigen Revolutionsgarden einen Kurswechsel vornehmen, um das Land aus den Dauerkrisen zu führen.

Sadegh Laridschani - Gegner der Reformbewegung

Sadegh Amoli Laridschani ist ein einflussreicher schiitischer Geistlicher und der Bruder von Ali Laridschani, dem Generalsekretär des mächtigen Sicherheitsrats. Seit sechs Jahren steht er an der Spitze des sogenannten Schlichtungsrats, eines wichtigen Schiedsorgans im iranischen Machtapparat. Zuvor leitete der 62-Jährige zehn Jahre lang die Justiz. Seine religiöse Ausbildung absolvierte er wie viele schiitische Geistliche in der Pilgerstadt Ghom.

Laridschani gilt als Hardliner mit erzkonservativem Weltbild und als entschiedener Gegner der Reformbewegung. Im Laufe seiner politischen Karriere wurden ihm wiederholt Korruption und persönliche Bereicherung vorgeworfen. Die Europäische Union und die USA belegten ihn mit Sanktionen, unter anderem wegen seiner Verantwortung für schwere Menschenrechtsverletzungen. Laridschani gehört zum konservativen Establishment der Islamischen Republik und ist eng mit den Machtzentren von Klerus und Justiz verbunden.

Hassan Ruhani - Ex-Präsident und einflussreicher Reformist

Als Präsident bemühte sich Hassan Ruhani (77) in zwei Amtszeiten um eine Annäherung an den Westen und stellte vorsichtige Reformen in Aussicht. Sein größter politischer Erfolg war der Wiener Atomdeal von 2015, der dem Iran eine Lockerung der internationalen Sanktionen bringen sollte. Doch US-Präsident Donald Trump kündigte das Abkommen später auf. Damit verlor Ruhanis Kurs der Öffnung entscheidend an Rückhalt.

In der Folge wurde der Geistliche von Hardlinern zunehmend an den Rand gedrängt. Ruhani galt lange als einflussreichster Vertreter des Reformlagers an der Staatsspitze. Gleichzeitig wuchs auch innerhalb der iranischen Gesellschaft die Enttäuschung über ausbleibende Veränderungen. Besonders junge Iraner setzen inzwischen kaum noch Hoffnung auf Reformen und fordern offen das Ende des autoritären Herrschaftssystems.

Hassan Chomeini - Enkel des Revolutionsgründers

Hassan Chomeini ist der Enkel des Revolutionsführers Ruhollah Chomeini. Der 53-jährige Geistliche gilt als moderat und positioniert sich regelmäßig zugunsten des Reformlagers. Im Präsidentschaftswahlkampf 2024, aus dem der gemäßigte Massud Peseschkian als Sieger hervorging, unterstützte er offen dessen Lager. Sein politisches Gewicht bezieht Chomeini vor allem aus seinem Familiennamen, der im Iran weiterhin symbolische Autorität besitzt.

Als Kandidat gilt er dennoch als Außenseiter. In den konservativen Machtzentren dürften seine Positionen vielen als zu moderat gelten.

Außenseiter mit geringen Chancen auf das Amt

Als Außenseiter gelten der Kleriker Aliresa Arafi sowie Haschem Hosseini Buschehri, beide einflussreiche Geistliche mit guten Verbindungen in den religiösen Machtapparat. Arafi gehört neben Präsident Peseschkian und Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi zu jenem Trio, das in der Übergangszeit den Staatsbetrieb führt. Dennoch gelten die Chancen beider Kleriker auf den Posten derzeit als gering.

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