ACC stoppt Batteriefabrik in Kaiserslautern endgültig
Das Gemeinschaftsunternehmen ACC hat die Pläne für eine ACC-Batteriefabrik in Kaiserslautern aufgegeben. Die vorgesehene Großanlage für Autobatterien wird nicht weiterverfolgt. Bereits 2024 wurden die Standorte in Deutschland und Italien auf Eis gelegt, da sie sich wirtschaftlich nicht mehr tragen, wie aus einer Erklärung des Joint Ventures von Stellantis (ISIN: NL00150001Q9), Mercedes-Benz (ISIN: DE0007100000) und Total Energies hervorgeht. Das Batteriewerk in Billy-Bercleau/Douvrin in Frankreich soll dagegen als "primärer Innovationshub" erhalten bleiben.
Grund dafür ist die weiterhin schwache Nachfrage nach Elektroautos in Europa sowie der starke Kursrückgang der Stellantis-Aktie. Der VW-Konkurrent (ISIN: DE0007664039) hatte in der vergangenen Woche Abschreibungen von 22,2 Milliarden Euro gemeldet und anschließend an der Börse einen deutlichen Kurssturz erlebt.
Hohe Subventionen
Am Standort der Stellantis-Tochter Opel in Kaiserslautern sollten rund 2000 neue Arbeitsplätze entstehen. Deutschland und Frankreich hatten der Automotive Cell Company (ACC) Fördermittel von 1,3 Milliarden Euro zugesagt. Allein das deutsche Batteriewerk sollte mit Steuergeld in Höhe von rund 437 Millionen Euro unterstützt werden. Einen entsprechenden Förderbescheid hatten der damalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) überreicht.
"Wir bedauern sehr, dass ACC vorhat, seine Pläne für den Bau von Gigafactories in Deutschland und Italien aufzugeben", sagte der jetzige Regierungschef Alexander Schweitzer (SPD) am Montag. Der Konzern treffe damit eine strategische Unternehmensentscheidung. "Bund, Land und EU hatten für die Realisierung dieser Fabrik erhebliche Mittel in Aussicht gestellt", sagte der Ministerpräsident.
Nach dem Aus der ACC-Batteriefabrik: Streit um Verantwortung und Zukunft des Standorts
Die Abwicklung und Überwachung aller rechtlichen und fördertechnischen Regelungen des Vorhabens liege jedoch beim Bund, da er die fördernde Stelle sei. Das Land stehe dazu mit dem Bund im engen Austausch. Ziel aller Beteiligten in Stadt, Bund und Land sei es, den Standort zu stärken. Die Landesregierung, so Schweitzer, unterstütze Kaiserslautern bei der Suche nach einer neuen Nutzung des Geländes, nachdem die ACC-Batteriefabrik nicht gebaut wird.
Wie beim Partnerprojekt im italienischen Termoli will ACC nun mit den Gewerkschaften über die Beendigung der Projekte sprechen. Der Frankfurter IG-Metall-Bezirkschef Jörg Köhlinger bezeichnete das Vorgehen als "irrational und verantwortungslos." Widerstandsfähige Lieferketten entstünden so nicht. Jahrelang hätten sich Betriebsräte und IG Metall für die Ansiedlung der ACC-Batteriefabrik eingesetzt, sagte der Gewerkschafter. "Wir haben innovative tarifliche Regelungen getroffen, mit denen wir dem Unternehmen weit entgegengekommen sind. Und jetzt will ACC den Abgesang einleiten."
Stopp der ACC-Batteriefabrik Kaiserslautern: Rückschlag für Batterie-Industrie und Standortpolitik
Das Ende der ACC-Batteriefabrik in Kaiserslautern ist ein schwerer Rückschlag für die deutsche Batterie-Strategie. Trotz hoher Förderzusagen und großer Erwartungen rechnet sich das Batteriewerk für Automotive Cell Company (ACC) offenbar nicht mehr. Die Entscheidung zeigt, wie stark Europas Industrie von der Nachfrage nach Elektroautos und von Konzernstrategien abhängt. Politik und Gewerkschaften stehen nun vor der Aufgabe, neue Perspektiven für den Standort zu schaffen. Gleichzeitig wirft der Rückzug Fragen auf: Wie stabil sind die Pläne für eine unabhängige europäische Batterieversorgung?


