Finanzen

Amundi verringert Dollar-Exponierung: Europa im Zentrum der Anlagestrategie

Amundi reduziert gezielt Dollar-Engagements und richtet seine Portfolios stärker auf Europa und Schwellenmärkte aus. Signalisiert dieser Strategiewechsel eine tiefere Verschiebung der globalen Kapitalströme?
22.02.2026 11:00
Lesezeit: 2 min
Amundi verringert Dollar-Exponierung: Europa im Zentrum der Anlagestrategie
Amundi reduziert seine US-Dollar-Positionen und setzt verstärkt auf Europa sowie Schwellenmärkte, da das Unternehmen von einer weiteren Schwäche des US-Dollars ausgeht (Foto: iStock.com, Rmcarvalho) Foto: Rmcarvalho

Europas größter Vermögensverwalter empfiehlt Rückzug von US-Anlagen

Europas größter Vermögensverwalter Amundi reduziert seine Risiken bei US-Dollar-Anlagen und richtet den Fokus stärker auf Europa sowie auf Schwellenmärkte. Das von Valerie Baudson geführte Unternehmen verwaltet Vermögen in Höhe von 2,4 Billionen Euro.

Wie die Financial Times berichtet, empfiehlt Amundi seinen Kunden, sich in diesem Jahr schrittweise von Dollar-Positionen zu trennen. Sollte die aktuelle US-Wirtschaftspolitik fortgesetzt werden, dürfte die Schwäche des Dollars anhalten, erklärte Baudson.

Strategiewechsel vor dem Hintergrund politischer Unsicherheit

In einem Interview am Dienstag betonte Baudson, sie habe die Portfolios im vergangenen Jahr breiter ausgerichtet und auch ihren Kunden zu stärkerer Diversifizierung geraten. Diese Empfehlung zur weiteren Streuung der Anlagen gelte auch für das laufende Jahr.

Amundi zählt zu den größten Investoren, die ihre Abhängigkeit von US-Vermögenswerten verringern. Auslöser sind zunehmende Zweifel an der Berechenbarkeit der Wirtschaftspolitik von Präsident Donald Trump. Die Zeitung verweist darauf, dass der US-Dollar seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres deutlich an Wert verloren hat. Damals hatte Trump neue Zölle angekündigt, was an den Märkten spürbare Verunsicherung auslöste.

Gold profitiert von der Dollarschwäche

Nach Angaben von Baudson suchten internationale Investoren zunächst Zuflucht im Gold, um sich gegen die Abwertung des Dollars abzusichern. Der Goldpreis legte daraufhin deutlich zu. Als der Dollar im Januar dieses Jahres gegenüber dem Euro auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren fiel und binnen zwölf Monaten mehr als zehn Prozent verlor, stieg der Goldpreis zeitgleich auf ein Rekordniveau von 5500 US-Dollar je Unze. Innerhalb eines Jahres hatte sich der Preis nahezu verdoppelt.

Weitere Vermögensverwalter reduzieren Dollar-Engagement

Auch andere große Marktakteure haben ihr Engagement in US-Anlagen zuletzt reduziert. So erklärte das US-Investmenthaus Pimco im Januar, die schwer kalkulierbare Politik Trumps spreche für eine mehrjährige Verringerung von US-Vermögenswerten.

Natasha Brook-Walters von Wellington Management, die ein Team mit einem verwalteten Vermögen von 70 Milliarden US-Dollar leitet, äußerte ebenfalls Bedenken mit Blick auf den Dollar. Sie kaufte unter anderem Euro und australische Dollar und erklärte, man bevorzuge Schwellenmärkte und habe zu Jahresbeginn die entsprechenden Long-Positionen ausgebaut. Auch Becky Qin, Fondsmanagerin bei Fidelity Management, senkte in ihrem Portfolio im Umfang von sieben Milliarden US-Dollar die Abhängigkeit von der US-Währung deutlich. Sie rechnet weiterhin mit einer anhaltend schwachen Entwicklung des Dollars.

Verschiebung globaler Kapitalströme

Die zunehmende Distanz großer Vermögensverwalter zu US-Anlagen deutet auf eine mögliche Neuordnung globaler Kapitalströme hin. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte Europa als Anlageziel an Bedeutung gewinnen, während die Stellung des US-Dollars weiter unter Druck gerät.

Für Deutschland ist diese Entwicklung von erheblicher Relevanz. Als größte Volkswirtschaft der Eurozone könnte das Land von verstärkten Kapitalzuflüssen profitieren, zugleich jedoch Wechselkursrisiken im Außenhandel ausgesetzt sein. Eine anhaltende Dollarschwäche würde sowohl deutsche Exporteure als auch institutionelle Investoren betreffen, die ihre internationale Allokation neu justieren müssen.

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