Goldpreis unter 5.000 Dollar: Edelmetallmarkt reagiert auf Fed und geopolitische Entspannung
Der Goldpreis hat am Dienstag etwas nachgegeben und ist erneut unter die Marke von 5.000 US-Dollar gerutscht. Eine Feinunze Gold (etwa 31,1 Gramm) kostete zuletzt 4.925 US-Dollar. Am Vortag hatte der Goldpreis noch zeitweise über 5.000 Dollar notiert. Damit bewegt sich der Goldpreis aktuell weiter in einer Phase der Konsolidierung nach den starken Ausschlägen der vergangenen Wochen.
Der am aktivsten gehandelte Future auf Gold (April) fiel bereits im frühen Dienstagshandel um annähernd 1,5 Prozent auf unter 4.900 Dollar pro Feinunze. Marktbeobachter führen die Verluste vor allem auf nachlassende geopolitische Spannungen sowie einen stärkeren US-Dollar zurück. Auch am Edelmetallmarkt insgesamt zeigt sich damit eine gewisse Nervosität, denn die Investoren suchen nach neuen Impulsen für den weiteren Trend beim Goldpreis aktuell.
Goldpreis: Rekordhoch und heftige Korrektur
Der Goldpreis hatte im Januar spektakulär zugelegt und war Ende Januar auf einen Rekordstand von knapp 5.600 Dollar gestiegen. Innerhalb eines Jahres hatte sich der Preis sogar verdoppelt. Doch danach kam eine unerwartete Wende: Anfang Februar folgte der Sturz bis auf fast 4.400 Dollar. 20 Prozent ging es innerhalb weniger Tage nach unten. Die Korrektur galt als überfällig, nachdem Gold zuvor rasant in die Höhe geschossen war. Besonders geopolitische Risiken hatten Investoren weltweit verschreckt.
Der Eingriff von US-Präsident Donald Trump in die Regierung Venezuelas und seine Pläne, Grönland übernehmen zu wollen, lösten eine Flucht in vermeintliche Sicherheit aus – und Gold gilt traditionell als sicherer Hafen. Damit zeigt sich erneut, wie sensibel der Goldpreis auf politische Unsicherheiten reagiert.
Designierter Fed-Chef Kevin Warsh als Auslöser für den Goldpreis-Einbruch
Ein weiterer Faktor war die Sorge um die Unabhängigkeit der US-Notenbank. Donald Trump hatte mehrfach versucht, die Fed zu Zinssenkungen zu bewegen und Fed-Chef Jerome Powell mit Rauswurf gedroht. Dessen Vertrag endet im Mai. Wird die Notenbankpolitik politisch, reagieren Investoren alarmiert. Historische Parallelen reichen bis in die 1970er-Jahre zurück, als Präsident Richard Nixon Druck auf die Fed ausübte, die Zinsen niedrig zu halten. Hohe Inflation und Arbeitslosigkeit waren die Folge. Auch diesmal spielte die Geldpolitik eine zentrale Rolle für den Goldpreis aktuell.
Ende Januar endete die Rally abrupt. Der Goldpreis rutschte zeitweise auf 4.400 Dollar ab. Auslöser war erneut das Weiße Haus: Donald Trump hatte seine Wahl des künftigen Notenbank-Chefs kundgetan. Kevin Warsh, ein ehemaliger Notenbanker, soll künftig die Fed führen. Warsh hatte sich in der Vergangenheit häufig für eine kleinere Bilanz der Notenbank ausgesprochen. Eine Verkleinerung bedeutet, dass die Fed weniger Anleihen kauft und dem Finanzsystem Liquidität entzieht.
Ein solcher Liquiditätsentzug macht Banken vorsichtiger bei Krediten, die Risikobereitschaft sinkt, und Investitionen werden knapper oder teurer. Weniger Liquidität drückt zudem auf Aktienkurse und beeinflusst auch den Goldpreis. Gold wird in US-Dollar gehandelt. Steigt der Dollar, fällt der Goldpreis, weil Gold für Investoren aus anderen Währungen teurer wird.
Anleger blicken auf Fed-Protokoll und Zinssenkungen
Anleger warten nun auf das Protokoll der Fed-Sitzung vom Januar, das am Mittwoch veröffentlicht werden soll. Neue Impulse für den Goldhandel könnten daraus entstehen. Das FedWatch-Tool der CME Group zeigt aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 52 Prozent an, dass bis Ende des Jahres mindestens drei Zinssenkungen um 25 Basispunkte erfolgen könnten.
Zinssenkungen würden das Umfeld für Edelmetalle verbessern, da sie selbst keine Zinsen abwerfen. Banken wie die Deutsche Bank und Goldman Sachs prognostizieren zudem, dass die Preise ihren Aufwärtstrend wieder aufnehmen werden.
Silberpreis ebenfalls schwächer – Chartbild eingetrübt
Nicht nur der Goldpreis, auch der Silberpreis gab am Dienstag nach. Für eine Feinunze Silber wurden 74,43 Dollar bezahlt. Am Montag hatte der Preis noch bei rund 77 Dollar gelegen. Für Silber hat sich das Chartbild zuletzt eingetrübt. Das Edelmetall hat es nicht geschafft, die Marke von 80 Dollar zu überwinden. Etwas über dieser Schwelle verläuft die 50-Tage-Durchschnittslinie.
Mit einem dreiteiligen Verkaufsimpuls wurde die Aufwärtsrally beim Silberpreis Ende Januar beendet. Der Kurs des zweitwichtigsten Edelmetalls fiel vom Rekordhoch bei 121,65 US-Dollar bis zum Crash-Tief bei 63,90 US-Dollar. Damit wurden wichtige Unterstützungen gebrochen. Die Verkaufswelle setzt sich heute mit dem Bruch der Unterstützungen bei 75,32 Dollar und 73,62 Dollar fort. Charttechnisch könnte Silber zunächst bis an die Unterstützung bei 69,55 Dollar gedrückt werden. Silber bleibt zudem ein wichtiges Industriemetall für Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz, Robotik und Energie.
Nachfrage aus China und Indien stützt den Edelmetallmarkt – Goldpreis bleibt Gradmesser
Trotz der aktuellen Schwäche bleibt die robuste Nachfrage von Privatkunden in China und Indien eine wichtige Stütze. Indische Importdaten zeigen für Januar sehr hohe Gold- und Silberimporte. Das Land importierte Gold im Wert von mehr als zwölf Milliarden Dollar – der dritthöchste monatliche Gesamtwert seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Silberimporte stiegen auf über zwei Milliarden Dollar. Damit bleibt der Edelmetallmarkt insgesamt spannend: Während der Goldpreis aktuell kurzfristig unter Druck steht, könnten Zinssenkungen und Krisen weltweit den sicheren Hafen Gold bald wieder stärken. Der Goldpreis bleibt damit ein zentraler Gradmesser für Unsicherheit, Geldpolitik und geopolitische Entwicklungen.
Der Goldpreis zeigt sich aktuell schwächer und rutscht erneut unter 5.000 Dollar, doch die Hintergründe reichen weit über kurzfristige Marktbewegungen hinaus. Geldpolitik, die Rolle der Fed und ein stärkerer US-Dollar beeinflussen den Edelmetallmarkt ebenso wie geopolitische Entspannungssignale. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage aus China und Indien ein wichtiger Stabilitätsfaktor. Auch der Silberpreis steht unter Druck, was charttechnische Risiken verstärkt. Für Anleger bleibt entscheidend, wie sich Zinssenkungserwartungen und globale Krisen weiter entwickeln – denn der Goldpreis bleibt ein zentraler Indikator.

