Immobilien

Trendwende im Bausektor: Die europäische Branche nimmt Fahrt auf

Der europäische Bau befindet sich laut einer Analyse einer Forschergruppe um das Ifo-Institut im Aufschwung. Für das Jahr 2026 wird ein realer Zuwachs von 2,4 Prozent erwartet, im kommenden Jahr 2,2 und 2028 noch ‌1,9 Prozent, wie die am Freitag veröffentlichte Prognose der Forschergruppe Euroconstruct zeigt. Welche Projekte jetzt in Angriff genommen werden.
02.03.2026 05:47
Lesezeit: 3 min

2025 hat bereits die Trendwende im Bausektor eingeläutet

Nach einer Phase der Stagnation im vergangenen Jahr (+0,3 Prozent) steht der europäische Bausektor vor einer deutlichen Erholung, laut den Forschungsergebnissen von Euroconstruct. Ab 2026 wird ein kräftiger Zuwachs von 2,4 Prozent erwartet, der sich bis 2028 auf einem stabilen Niveau von durchschnittlich über 2 Prozent pro Jahr einpendeln dürfte. Insgesamt wird für diesen Dreijahreszeitraum mit einer Steigerung der Bauleistung um 6,7 Prozent gerechnet. Während der Wohnungs- und Tiefbau mit jeweils rund 7,5 Prozent die stärksten Impulse liefern, hinkt der Nichtwohnhochbau mit einem Plus von 4,7 Prozent hinterher. Getragen wird diese Entwicklung durch hohen Investitionsbedarf und ein moderates Wirtschaftswachstum von etwa 1,5 Prozent.

Die Talsohle ist durchschritten: Nachdem die Bauleistungen zwei Jahre lang rückläufig waren, kehrte der Sektor 2025 mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent auf einen stabilen Pfad zurück (Volumen: ca. 2,28 Bio. Euro). Im Jahr 2026 nimmt die Dynamik mit dem prognostizierten Wachstum nun deutlich an Fahrt auf. Trotz leicht abnehmender Wachstumsraten in den Folgejahren steuert der Markt damit bis 2028 auf ein Gesamtvolumen von über 2,4 Billionen Euro zu.

Die seit 2024 anhaltende wirtschaftliche Erholung stärkt die Investitionsbereitschaft von Haushalten, Unternehmen und Staat gleichermaßen und stützt so den Bausektor. Dennoch bleibt die Prognose unsicher: Zwar sind die Handelskonflikte mit den USA vorerst entschärft, doch politische Unwägbarkeiten – wie etwa rechtliche Anfechtungen von US-Präsidentenentscheidungen – bergen Rückschlagspotenzial. Zu den globalen Risikofaktoren zählen neben kriegerischen Konflikten auch Rohstoffengpässe, spekulative Übertreibungen im KI-Sektor sowie die wachsende Staatsverschuldung. In Deutschland ist nach Aussagen der Studie zudem fraglich, wie effektiv die Infrastruktur- und Verteidigungsmittel wirken. Aktuelle Haushaltspläne deuten darauf hin, dass ein signifikanter Teil dieser schuldenfinanzierten Gelder konsumtiv statt investiv genutzt wird, was den ursprünglichen Zielen der Verfassungsänderung widerspricht.

In Deutschland sollen die Baugenehmigungen bis 2028 um 15 Prozent steigen

Trotz verbesserter Rahmenbedingungen bleibt die Wohnungsbauaktivität in Deutschland im europäischen Vergleich verhalten. Mit maximal 2,6 Fertigstellungen pro 1.000 Einwohner (2025–2028) liegt die Bundesrepublik deutlich hinter dem EU-Schnitt (bis zu 3,4), wenn auch vor Schlusslichtern wie Italien. Zwar setzen Impulse wie der „Bau-Turbo“, EH55-Förderungen und steigende Mieten positive Anreize, doch die Kluft zwischen hohen Baukosten und der Zahlungsbereitschaft bleibt bestehen. Die Prognose von 215.000 Fertigstellungen für 2028 gilt als vorsichtig optimistisch. Zwar steigen die Genehmigungszahlen um ca. 15 Prozent (plus 35.000 Einheiten bis 2028), doch regulatorische Hürden, Arbeitskräftemangel und Unsicherheiten beim „Gebäudetyp E“ wirken weiterhin als Bremsklötze.

Ifo-Geschäftsklimaindex im Baugewerbe stieg zuletzt leicht an

Die Stimmung im deutschen Wohnungsbau hellt sich zu Beginn des Jahres 2026 moderat auf. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Januar von minus 22,7 auf minus 20,9 Punkte, was auf eine leicht verbesserte Lagebeurteilung und optimistischere Erwartungen der Unternehmen hindeutet. Laut Klaus Wohlrabe (ifo Institut) schlagen sich die gestiegenen Genehmigungszahlen der letzten Monate jedoch erst verzögert in den Auftragsbüchern nieder.

Trotz der Hoffnung auf das Ende der Krise bleibt die Lage angespannt: Knapp die Hälfte der Betriebe klagt weiterhin über Auftragsmangel, und witterungsbedingte Ausfälle im Januar bremsten die Aktivitäten zusätzlich. Hoffnungsträger sind vor allem die staatlichen Infrastrukturprogramme. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) prognostiziert für 2026 ein Umsatzplus von 2,5 Prozent.

Im Wohnungsbau 2026 klafft die Schere zwischen Bedarf und Realität trotzdem weiter auseinander. Während die Bundesregierung einst 400.000 neue Wohnungen pro Jahr anstrebte, markiert 2026 mit voraussichtlich nur 185.000 bis 215.000 Einheiten den vorläufigen Tiefpunkt. Die Immobilienweisen warnen vor einer sozialen Belastungsprobe, da die mangelnde Neubautätigkeit Mieten und Preise in Ballungsräumen weiter antreibt. Zwar hellen sich die Genehmigungszahlen für die Folgejahre langsam auf, doch das operative Geschäft leidet aktuell unter einer Stornierungswelle und mangelnder Rentabilität. Erst für 2027 stellen die Institute eine leichte Erholung in Aussicht.

In der Wohnungsbauförderung liegen Milliarden brach

Trotz massiver staatlicher Budgetzusagen bleiben die Investitionen im Wohnungsbau weit hinter den Erwartungen zurück. Besonders deutlich wird dies am EH55-Programm: Von den im Dezember 2025 bereitgestellten 800 Millionen Euro wurden bis Ende Januar 2026 lediglich 150 Millionen Euro abgerufen. Experten führen die zögerliche Haltung von Investoren und Kommunen auf die Kombination aus hohen Materialkosten und Fachkräftemangel zurück, die selbst durch günstige KfW-Kredite nicht kompensiert werden kann. Damit gerät das Ziel von 100.000 neuen Sozialwohnungen pro Jahr massiv unter Druck, da die aktuellen Gestehungskosten preisgebundene Mieten (6,50 € bis 8,00 €) kaum noch zulassen.

Die bürokratischen Hürden, insbesondere die komplexen Anforderungen für das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG), entwickeln sich 2026 zum massiven Hemmschuh für kleinere Wohnungsgenossenschaften. In der Folge liegen zahlreiche Projekte auf Eis, da die Wirtschaftlichkeit unter diesen Auflagen nicht mehr darstellbar ist. Ein deutlicher Trend verschärft die Situation: Unternehmen priorisieren die energetische Sanierung ihres Bestands gegenüber dem Neubau, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen und steigende CO2-Abgaben zu vermeiden. Dies führt dazu, dass der soziale Wohnungsbau 2026 faktisch ins Hintertreffen gerät.

Deutschland fehlen 1,4 Millionen bezahlbare Wohnungen im sozialen Wohnungsbau

Der „Soziale Wohn-Monitor 2026“ des Pestel-Instituts konstatiert für Deutschland ein Rekorddefizit von 1,4 Millionen bezahlbaren Wohnungen. Bei nur noch rund einer Million verbliebenen Sozialwohnungen konkurrieren rechnerisch elf anspruchsberechtigte Haushalte um eine einzige Einheit. Mit einer prognostizierten Fertigstellungsrate von lediglich 200.000 Wohnungen wird das Regierungsziel (400.000 Einheiten) zur Hälfte verfehlt. Dieses Angebot-Nachfrage-Gap entwickelt sich zunehmend zur Mobilitätsbremse für Fachkräfte und verschärft das Risiko der Altersarmut, da Senioren aus den Städten verdrängt werden. Trotz der auf neun Milliarden Euro aufgestockten Bundesmittel fordern Verbände eine Verdopplung des Bestands auf zwei Millionen Sozialwohnungen.

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