Die Praxen selbst finden keine Nachfolger und in Kliniken bleibt jede vierte Stelle im ärztlichen Dienst nicht besetzt. Diese Veränderungen sind kein plötzliches Phänomen, sondern lassen sich mit strukturellen und gesellschaftlichen Fakten begründen. Für die Gesellschaft ist diese Veränderung in Qualität und Geschwindigkeit der medizinischen Hilfe besonders bitter.
Demografischer Wandel begünstigt Ärztemangel
Zu den Haupttreibern der Veränderung gehört die Altersstruktur unter den Ärzten. Eine große Anzahl der niedergelassenen Fach- und Hausärzte gehört zur Generation der Babyboomer und wird in naher Zukunft in den Ruhestand gehen. Wenn ein großer Teil der medizinischen Hilfe in Deutschland aus dem aktiven Dienst ausscheidet, fehlen am Ende junge Kollegen, die diese Lücke auffangen können.
Das Problem verschärft sich dadurch, dass die junge Generation oft andere Vorstellungen von der Work-Life-Balance hat. Anstatt eine eigene Praxis mit hohem wirtschaftlichem Risiko zu führen, bevorzugen viele junge Ärzte eine Anstellung in Teilzeit oder in medizinischen Versorgungszentren. Das berichten auch Experten in tiefgehenden Analysen zur Ärztestruktur in Deutschland.
Gleichzeitig altert die Gesamtbevölkerung in Deutschland. Eine ältere Gesellschaft benötigt naturgemäß mehr medizinische Aufmerksamkeit, da chronische Erkrankungen und Multimorbidität zunehmen. Der Bedarf an ärztlichen Leistungen steigt also genau in dem Moment an, in dem die Zahl der behandelnden Mediziner abnimmt. Diese Schere zwischen Angebot und Nachfrage führt zu einer dauerhaften Belastung des verbleibenden Personals und verlängert die Wartezeiten für die Patienten.
Zu wenig Bereitschaft zur Digitalisierung in der Medizin
Die Digitalisierung bietet wertvolle Chancen zur Veränderung, allerdings wird sie weiterhin nicht intensiv genug genutzt. Das führt dazu, dass manuelle Dokumentationen und bürokratische Arbeiten einen Teil der Arbeitszeit von Ärzten rauben
Wenn Schnittstellen zwischen Krankenhäusern und Praxen fehlen, werden Befunde doppelt erhoben oder Informationen fehlen. Einführungen der E-Rezepte und der elektronischen Patientenakte funktionieren oft nur mit Hürden oder machen Probleme, was das Vertrauen der Patienten schmälert.
Die Digitalisierung könnte viele Routineaufgaben übernehmen und den Fokus wieder auf die eigentliche Behandlung lenken. Telemedizinische Angebote oder die elektronische Patientenakte werden zwar schrittweise eingeführt, stoßen aber oft auf technische Hürden oder eine mangelnde Akzeptanz in der täglichen Anwendung.
Solange die technologische Unterstützung nicht nahtlos in den Praxisalltag integriert wird, bleibt wertvolle Zeit für die Patientenversorgung ungenutzt.
Ländliche Regionen besonders betroffen
Besonders deutlich zeigt sich der Ärztemangel in ländlichen Gebieten. Die Attraktivität einer Tätigkeit auf dem Land ist für viele Nachwuchsmediziner geringer als in den Metropolregionen. Fehlende Infrastruktur für Familien, schlechtere Karrieremöglichkeiten für Partner und die oft hohen Bereitschaftsdienstzeiten schrecken viele ab. Das führt dazu, dass Patienten in ländlichen Regionen oft weite Wege auf sich nehmen müssen, um einen Facharzt aufzusuchen. Das Ärzteblatt fordert weitreichende Änderungen, um die medizinische Versorgung auch in ländlichen Regionen sicherzustellen.

