Wirtschaft

Verdi-Streik legt bundesweit Busse und Bahnen lahm – was noch drohen könnte

Der Verdi-Streik legt erneut große Teile des öffentlichen Nahverkehrs lahm. Millionen Pendler stehen vor massiven Einschränkungen, während sich der Tarifkonflikt weiter zuspitzt. Busse und Bahnen bleiben vielerorts im Depot – doch wie weit reichen die Folgen dieses ÖPNV-Warnstreiks, was plant Verdi noch und was sollten Sie unbedingt wissen?
24.02.2026 10:59
Lesezeit: 4 min
Verdi-Streik legt bundesweit Busse und Bahnen lahm – was noch drohen könnte
Beim bundesweiten ÖPNV-Warnstreik bleiben vielerorts Busse und Bahnen stehen. (Foto: dpa)

Verdi-Streik legt bundesweit den Nahverkehr lahm

Der Tarifkonflikt im öffentlichen Personennahverkehr spitzt sich weiter zu: Mit einem erneuten Verdi-Streik legt die Gewerkschaft am Freitag und in manchen Regionen auch am Samstag bundesweit Busse und Bahnen lahm. Der Verdi-Warnstreik im ÖPNV trifft zahlreiche Städte und Regionen – darunter auch Hessen, wo parallel ein weiterer Verdi-Streik im Nahverkehr angekündigt wurde.

Nach Angaben der Gewerkschaft sind an der aktuellen Tarifrunde 150 öffentliche Verkehrsunternehmen und Busbetriebe mit rund 100.000 Beschäftigten in allen Bundesländern sowie den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen beteiligt. Der ÖPNV-Warnstreik soll am Freitag in den frühen Morgenstunden beginnen und je nach Region bis in die Nacht auf Samstag oder Sonntag andauern. In fast allen Bundesländern sollen Beschäftigte die Arbeit niederlegen. Ausgenommen ist Niedersachsen, dort gilt noch bis Ende März eine Friedenspflicht. Ob in Baden-Württemberg, bei der Hamburger Hochbahn und den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein gestreikt wird, ist noch offen.

Verdi-Streik in Hessen: Frankfurt, Kassel und Wiesbaden betroffen

Besonders deutlich sind die Auswirkungen des Verdi-Streiks in Hessen. Dort sind am Freitag und Samstag vor allem Kassel, Frankfurt und Wiesbaden betroffen. In Frankfurt dürften Straßenbahnen und U-Bahnen erneut stillstehen, in Wiesbaden die meisten Buslinien ausfallen. In Kassel bleiben voraussichtlich die Trams sowie die Busse 1 bis 29 in den Depots. Für Marburg und Gießen gilt der Streikaufruf ebenfalls, die Auswirkungen waren dort bislang jedoch gering. In Offenbach soll zumindest am Freitag gestreikt werden.

Insgesamt sind gut 5.200 Beschäftigte folgender Unternehmen aufgerufen: Verkehrsgesellschaft Frankfurt VGF, ESWE Verkehrsgesellschaft Wiesbaden, Kasseler Verkehrsgesellschaft KVG, Stadtwerke Gießen, Marburger Verkehrsgesellschaft MVG und Offenbacher Verkehrsbetriebe OVB. Da der Verdi-Warnstreik bundesweit stattfindet, könnten auch Busverbindungen zwischen Mainz und Wiesbaden sowie Busse im Kreis Groß Gerau ausfallen. Für Hessen ist es bereits der sechste Streikaufruf seit Anfang Februar.

Kürzere Arbeitszeiten und höhere Zuschläge gefordert

Die Gewerkschaft erhöht mit dem erneuten Verdi-Streik den Druck in den seit November laufenden Verhandlungen über den Tarifvertrag Nahverkehr TV-N, die in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden. Verdi fordert deutlich bessere Arbeitsbedingungen, darunter eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit und der Schichtzeiten, eine Verlängerung der Ruhezeiten sowie höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit.

"Offenbar verstehen die Arbeitgeber immer noch nicht, dass es auf Dauer keine funktionierende ÖPNV-Daseinsvorsorge mehr geben kann, wenn wir jetzt nicht entscheidend die Arbeitsbedingungen verbessern", sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle. "Die Kolleginnen und Kollegen brauchen dringend Entlastung – und die Arbeitgeber brauchen ein klares Signal, dass wir entschlossen sind, für unsere Forderungen zu kämpfen." Zudem erklärte sie: "Die Verhandlungen kommen insgesamt kaum voran, obwohl es in einzelnen Bereichen schon vier Runden gab." Das sei "mehr als enttäuschend".

Keine Einigung in Sicht: Drohen weitere ÖPNV-Warnstreiks?

Bereits am 2. Februar hatte ein bundesweiter ÖPNV-Streik massive Folgen. In weiten Teilen Deutschlands kam der öffentliche Nahverkehr nahezu komplett zum Erliegen. Der damalige ÖPNV-Warnstreik führte auch zu mehr Autoverkehr. Laut ADAC gab es bundesweit einen leichten Anstieg bei Länge und Dauer der Staus, zudem verzeichnete der Fahrdienstvermittler Freenow in den Morgenstunden eine stark gestiegene Taxinachfrage.

Für Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Schülerinnen und Schüler dürfte der aktuelle Verdi-Streik erneut erhebliche Auswirkungen haben. Ein Ende der Auseinandersetzung ist bislang nicht in Sicht – und weitere Verdi-Warnstreiks im ÖPNV erscheinen wahrscheinlich.

ÖPNV-Warnstreiks: Was Sie wissen müssen

Am Freitag und teils auch am Samstag will die Gewerkschaft Verdi den öffentlichen Personennahverkehr zwei Tage lang lahmlegen. Am Freitag dürfte das vor allem Arbeitnehmer auf dem Weg zur Arbeit und Schüler auf dem Weg zur Schule treffen, am Samstag dann alle, die das absehbar frühlingshafte Wetter bei einem Ausflug genießen wollen. Was fährt, was nicht? Was mache ich, wenn mein Bus zur Arbeit nicht kommt? Und worum geht es bei den Tarifverhandlungen im ÖPNV überhaupt? Die Antworten auf die drängendsten Fragen:

Von wann bis wann wird gestreikt?

Die Warnstreiks beginnen am Freitag in den frühen Morgenstunden und enden je nach Region in der Nacht auf Samstag oder in der Nacht auf Sonntag. Die genauen Uhrzeiten variieren je nach Betriebsbeginn und Betriebsende der jeweiligen Verkehrsunternehmen.

Wer wird bestreikt – und wer nicht?

Zum Warnstreik aufgerufen sind die Beschäftigten von Nahverkehrsunternehmen - das sind in der Regel die Betreiber von Bussen, Tram- und U-Bahnen. Von den Warnstreiks nicht betroffen ist die Deutsche Bahn. Regionalzüge, der Fernverkehr und vor allem auch die S-Bahnen sollten am Freitag und Samstag also wie gewohnt fahren.

Noch offen ist laut Verdi, ob in Baden-Württemberg, bei der Hamburger Hochbahn und den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein gestreikt wird. Dazu sollen am Dienstag und Donnerstag Entscheidungen getroffen werden. Insgesamt betrifft die Tarifrunde laut Verdi bundesweit etwa 100.000 Beschäftigte.

Mit welchen Auswirkungen ist beim ÖPNV-Streik zu rechnen?

In großen Teilen Deutschlands dürfte der öffentliche Nahverkehr nahezu komplett zum Erliegen kommen - so passierte es jedenfalls am 2. Februar beim ersten bundesweiten ÖPNV-Warnstreik der laufenden Tarifrunde. An einigen Orten wird es voraussichtlich wieder Notfahrpläne geben mit dann entsprechend vollen Fahrzeugen. Kurzum: Fahrten mit Bus und Bahn sind am Freitag und Samstag, sofern sie angeboten werden, eher nicht zu empfehlen.

Der Warnstreik Anfang Februar (an einem Montag) hatte entsprechend auch Auswirkungen auf den restlichen Verkehr, da viele Menschen zum Beispiel aufs Auto umstiegen. Nach Einschätzung des ADAC war bundesweit ein leichter Anstieg bei Länge und Dauer der Staus zu erkennen. Der Fahrdienstvermittler Freenow beobachtete zudem in den Morgenstunden eine größere Nachfrage nach Taxis.

Neben dem bundesweiten Warnstreik am 2. Februar gab es zuletzt auch viele regionale Arbeitsniederlegungen, etwa Ende vergangener Woche in Hessen und Bayern.

Worum geht es bei den Tarifverhandlungen?

In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen – etwa durch kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten, aber auch durch höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt.

Nach Ansicht von Verdi kamen die Gespräche zuletzt kaum voran. Auch die Arbeitgeber beklagten zuletzt fehlenden Fortschritt bei den Verhandlungen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das größte ÖPNV-Unternehmen in Deutschland, kritisierte beispielsweise, dass Verdi bisher nicht klargemacht habe, welche Forderungen die Gewerkschaft am wichtigsten findet.

Wann ist mit einem Ende der Tarifrunde und damit der Warnstreiks zu rechnen?

Das ist im Moment völlig offen. Die Verhandlungen sind regional sehr unterschiedlich – sowohl mit Blick auf die Forderungen, als auch mit Blick auf den Fortschritt der Verhandlungen. Auf der Zielgeraden schienen die Gespräche zuletzt aber nirgends zu sein.

Verdi-Streik als Belastungsprobe für den Nahverkehr

Der aktuelle Verdi-Streik zeigt, wie angespannt die Lage im öffentlichen Nahverkehr ist. Mit bundesweiten Warnstreiks erhöht die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeber deutlich. Für Pendlerinnen und Pendler, Schülerinnen und Schüler sowie Unternehmen bedeutet der ÖPNV-Warnstreik erneut erhebliche Einschränkungen. Bereits der ÖPNV-Streik am 2. Februar hatte gezeigt, welche Folgen Arbeitsniederlegungen für Verkehr und Wirtschaft haben können. Solange in der Tarifrunde TV-N keine Annäherung gelingt, bleibt das Risiko weiterer Verdi-Warnstreiks hoch. Damit wird der Tarifkonflikt zunehmend zur Belastungsprobe für Städte, Betriebe und Millionen Fahrgäste.

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