Finanzen

Netflix-Aktie hebt ab: Netflix gibt Bieterstreit um Warner Bros verloren – was heißt das für Paramount?

Die Netflix-Aktie reagiert mit einem Kurssprung auf das Aus im milliardenschweren Bieterstreit um Warner Brothers. Während Paramount zum Zug kommt, stellen sich Investoren neue Fragen zur Strategie des Streaming-Giganten. War der Rückzug klug – oder wurde eine historische Chance verpasst?
27.02.2026 15:31
Lesezeit: 3 min
Netflix-Aktie hebt ab: Netflix gibt Bieterstreit um Warner Bros verloren – was heißt das für Paramount?
Milliardenpoker um Warner Brothers entschieden: Paramount gewinnt den Bieterstreit, die Netflix-Aktie reagiert. (Foto: dpa). Foto: Fernando Gutierrez-Juarez

Netflix-Aktie: Streaming-Riese verliert Bieterstreit um Warner Bros

Netflix (ISIN: US64110L1061) hat den Bieterstreit um Warner Brothers (ISIN: US9344231041) aufgegeben und damit den Weg für eine Übernahme durch den Konkurrenten Paramount freigemacht. Für die Netflix-Aktie bedeutet das eine strategische Zäsur im Ringen um das traditionsreiche Hollywood-Studio. Damit dürfte auch der Nachrichtensender CNN unter die Kontrolle der Familie des als Trump-Unterstützer geltenden Tech-Milliardärs Larry Ellison geraten.

Paramount (ISIN: US69932A2042), das im vergangenen Jahr von den Ellisons übernommen wurde, erhöhte zuletzt sein Angebot für Warner Bros. Discovery von 30 auf 31 Dollar pro Aktie. Der Verwaltungsrat von Warner kam zu dem Schluss, dass diese Offerte der zuvor akzeptierten Netflix-Offerte überlegen sei. Netflix hätte danach vier Tage Zeit gehabt, mit einem besseren Vorschlag zu reagieren. Doch der Konzern erklärte, eine weitere Aufstockung würde die Netflix-Übernahme wirtschaftlich unattraktiv machen. Für die Netflix-Aktie und den Netflix-Aktienkurs wäre ein Überbieten mit zusätzlichen Risiken verbunden gewesen.

Da Warner das neue Angebot von Paramount als vorteilhafter bewertet, dürfte nun der Rivalen den Zuschlag erhalten. Paramount hatte bereits zugesagt, die Vertragsstrafe von 2,8 Milliarden Dollar zu tragen, die Warner in diesem Fall an Netflix zahlen müsste.

Paramount forciert Expansion

Netflix hatte rund 83 Milliarden Dollar ausschließlich für das Studio- und Streaming-Geschäft von Warner Brothers geboten. Die TV-Sender sollten in eine eigenständige Gesellschaft ausgelagert werden. Paramount bietet nach der Anhebung etwa 111 Milliarden Dollar für den kompletten Konzern inklusive Fernsehsparte. Damit scheitert die geplante Netflix-Übernahme in einem intensiven Bieterstreit endgültig.

Paramount wird von David Ellison, dem Sohn von Larry Ellison, geleitet. Mit der Übernahme von Warner Bros. Discovery will er den Einfluss seines Unternehmens in Hollywood deutlich ausbauen. Paramount zählt bislang zu den kleineren Akteuren der Branche. Zu Warner gehören unter anderem das DC-Superhelden-Universum mit Superman und Batman, Filmreihen wie "Harry Potter" sowie ein starkes Streaming-Geschäft rund um den Bezahlsender HBO. Für die Netflix-Aktie wäre der Zugriff auf diese Marken ein bedeutender Wachstumstreiber gewesen.

Wettbewerbsprüfung rückt in den Fokus

Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta warnte die beteiligten Unternehmen, dass eine umfassende Wettbewerbsprüfung erfolgen werde – und eine Übernahme von Warner durch Paramount keineswegs sicher sei. Auch die Wettbewerbshüter in Washington dürften den Deal angesichts seiner Größenordnung genau prüfen. Medienberichten zufolge setzen die Ellisons wegen ihrer Nähe zu Trump auf eine positive Entscheidung.

Paramount sagte zudem zu, im Falle eines Scheiterns des Deals sieben Milliarden Dollar zu zahlen. Große Teile des Kaufpreises werden von Larry Ellison persönlich garantiert. Der 81-jährige Tech-Unternehmer verfügt laut Bloomberg über ein Vermögen von mehr als 200 Milliarden Dollar.

Sorge vor Jobverlusten in Hollywood

In Hollywood war die Stimmung im Bieterstreit zwischen Netflix und Paramount gespalten. Netflix wurde häufig vorgehalten, sich stark auf Streaming zu fokussieren und dem klassischen Kinogeschäft skeptisch gegenüberzustehen. Zusagen von Co-Chef Ted Sarandos, Warner-Filme weiterhin regulär in die Kinos zu bringen, konnten die Bedenken nicht vollständig ausräumen.

Gleichzeitig galt als wahrscheinlich, dass sich das Studio-Geschäft von Warner und die bestehenden Aktivitäten von Netflix gut ergänzt hätten. Bei einer Übernahme durch Paramount hingegen dürften sich zahlreiche Strukturen überschneiden, was einen umfangreicheren Stellenabbau nach sich ziehen könnte.

Netflix-Aktie legt deutlich zu

Aus Anlegersicht steht die Netflix-Aktie ohne Warner Brothers offenbar besser da. Die Netflix-Aktie gewann im nachbörslichen Handel zeitweise mehr als zehn Prozent. Und auch im Handel an der Frankfurter Börse klettert der Netflix-Aktienkurs am Freitag kräftig nach oben – zeitweise mehr als 12 Prozent auf 80 Euro.

Der Netflix-Aktienkurs profitierte davon, dass das Unternehmen keine weiteren Milliarden in die gescheiterte Netflix-Übernahme investieren muss. Netflix kündigte an, weiterhin in hochwertige Filme, Serien und Unterhaltung zu investieren sowie ein Aktienrückkaufprogramm wieder aufzunehmen. Zuvor hatte der Netflix-Aktienkurs im Zuge der kostspieligen Übernahmepläne spürbar nachgegeben.

Zukunft von CNN im Mittelpunkt

Im Bieterstreit spielte auch die Zukunft des Nachrichtensenders CNN eine zentrale Rolle. Der Sender berichtet regelmäßig kritisch über US-Präsident Donald Trump. Trump erklärte im Dezember, es müsse sichergestellt werden, dass CNN bei einem Deal in jedem Fall den Eigentümer wechsle.

Trump-Kritiker in den USA befürchten, dass CNN unter dem Dach von Paramount an redaktioneller Unabhängigkeit verlieren könnte. Die Sorge erscheint nicht unbegründet: Die Nachrichtenredaktion des Paramount-Senders CBS schlug nach der Übernahme durch die Ellisons teilweise einen freundlichere Ton gegenüber der Trump-Regierung an. Der von Larry Ellison kontrollierte Technologie-Konzern Oracle (ISIN: US68389X1054) übernimmt zudem eine Schlüsselrolle im US-Geschäft von Tiktok als technischer Dienstleister. Das Unternehmen ist unter anderem für die Datenspeicherung sowie den Algorithmus verantwortlich, der Nutzern die jeweils nächsten Videos empfiehlt.

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