Wirtschaft

Verdi-Warnstreik im Nahverkehr vielerorts gestartet: Busse und Bahnen stehen still – Tarifkonflikt spitzt sich zu

Der Verdi-Warnstreik legt den Nahverkehr in weiten Teilen Deutschlands lahm und trifft Millionen Pendler. Busse und Bahnen stehen still, Tarifverhandlungen stocken, der Druck steigt. Doch wie lange hält der ÖPNV-Streik noch an – und wer bewegt sich zuerst?
27.02.2026 08:32
Lesezeit: 3 min
Verdi-Warnstreik im Nahverkehr vielerorts gestartet: Busse und Bahnen stehen still – Tarifkonflikt spitzt sich zu
Straßenbahnen stehen während des Verdi-Warnstreiks auf einem Betriebshof des Nahverkehrs. (Foto: dpa) Foto: Jens Büttner

Verdi-Warnstreik trifft Metropolen und Regionen

Der Verdi-Warnstreik im öffentlichen Personennahverkehr sorgt seit den frühen Morgenstunden in fast allen Bundesländern für massive Einschränkungen bei Bussen und Bahnen. Hintergrund ist ein flächendeckender Nahverkehr-Streik, der vielerorts den Betrieb lahmlegt. Beim größten deutschen Nahverkehrsunternehmen, den Berliner Verkehrsbetrieben, läuft der Verdi-Warnstreik nach Angaben der Gewerkschaft bereits seit 3.00 Uhr. "Der Streik hat begonnen", bestätigte Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt der Deutschen Presse-Agentur in der Nacht. Für 48 Stunden sollen Busse, Tram- und U-Bahnen in den Depots bleiben. Erst zum regulären Betriebsbeginn am Sonntagmorgen soll der Verkehr wieder anlaufen. Der aktuelle Verdi-Warnstreik trifft damit hunderttausende Fahrgäste.

Auch im hessischen Nahverkehr ist der Verdi-Warnstreik inzwischen angelaufen. Das bestätigte ein Verdi-Sprecher am Morgen. Demnach sind rund 5.200 Beschäftigte in den Städten Frankfurt, Wiesbaden, Gießen, Marburg, Offenbach und Kassel dazu aufgerufen, im Rahmen des Nahverkehr-Streiks ihre Arbeit niederzulegen. Heute und am Samstag stehen zudem in Bayern viele Busse, Trams und U-Bahnen still. In 13 Städten hat der von Verdi organisierte zweitägige Verdi-Warnstreik begonnen. Betroffen sind unter anderem die fünf größten bayerischen Städte München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt. Der ÖPNV-Streik bringt damit auch im Süden Deutschlands den urbanen Verkehr weitgehend zum Erliegen.

Verdi-Warnstreik legt NRW und Sachsen lahm

Darüber hinaus wird Nordrhein-Westfalens Nahverkehr bestreikt. Der Arbeitskampf im Rahmen des Verdi-Warnstreik sei wie geplant gestartet, sagte der Branchenkoordinator von Verdi NRW, Lukas Frew, am Freitagmorgen. "Es ist überall losgegangen." Erneut werden mehr als 30 kommunale Verkehrsunternehmen bestreikt, die den größten Teil von NRW abdecken. Die Liste der Städte, die vom ÖPNV-Streik betroffen sind, ist lang. Unter ihnen befinden sich Bonn, Köln, Düsseldorf, Essen und Münster. Der Verdi-Warnstreik hat damit auch in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland erhebliche Auswirkungen.

In den fünf größten Städten Sachsens stehen Busse und Bahnen heute ebenfalls weitgehend still. Verdi hat die Mitarbeiter der kommunalen Verkehrsbetriebe in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Zwickau und Plauen zum ganztägigen Ausstand im Zuge des Verdi-Warnstreik aufgerufen. In Leipzig gilt dieser Aufruf zusätzlich für Samstag. Auch hier sorgt der Nahverkehr-Streik für deutliche Einschränkungen im Berufs- und Schülerverkehr.

In den allermeisten Regionen dürften heute durch den Verdi-Warnstreik kaum Busse, Tram- und U-Bahnen unterwegs sein. Vor allem Pendlerinnen und Pendler sowie Kinder und Jugendliche auf dem Weg zur Schule müssen sich vielfach Alternativen suchen, um rechtzeitig ans Ziel zu kommen. Einige Verkehrsunternehmen haben bereits angekündigt, Notfahrpläne eingerichtet zu haben, um die Folgen des ÖPNV-Streik zumindest teilweise abzufedern.

Niedersachsen und Deutsche Bahn nicht vom Verdi-Warnstreik erfasst

In Niedersachsen gilt noch bis Ende März eine Friedenspflicht, Arbeitskämpfe im ÖPNV sind dort bis dahin ausgeschlossen. Deshalb bleibt das Bundesland vom aktuellen Verdi-Warnstreik verschont. Auch die Deutsche Bahn und damit die S-Bahnen sind nicht Teil des Ausstands, da sich die laufende Tarifrunde nicht auf den Konzern bezieht. Die Bahn hat mancherorts angekündigt, ihr S-Bahn-Angebot wegen der Warnstreiks auszuweiten, um die Auswirkungen des Nahverkehr-Streik zu begrenzen.

Ob es in Baden-Württemberg zu weiteren Aktionen im öffentlichen Personennahverkehr kommt, hatte Verdi zunächst offengelassen. Laut einer Pressemitteilung wird sich am Montag entscheiden, ob die Gewerkschaft angesichts der laufenden Gespräche mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband erneut zu einem Verdi-Warnstreik im ÖPNV aufrufen wird.

Zweite bundesweite Welle im ÖPNV-Streik in diesem Monat

In den meisten Regionen dauern die Warnstreiks laut den Ankündigungen von Verdi bis in die Nacht auf Sonntag. Mancherorts wurde bereits am Donnerstag die Arbeit niedergelegt, und auch am Sonntag könnten einzelne Verkehrsunternehmen weiterhin vom Verdi-Warnstreik betroffen sein.

So sind etwa in Bremen Warnstreiks bis in die Nacht auf Montag angekündigt, in Mecklenburg-Vorpommern hingegen nur am Freitag. In einem Landkreis in Sachsen-Anhalt wiederum soll der Ausstand von Donnerstag bis einschließlich Sonntag andauern, also vier Tage lang. Der aktuelle ÖPNV-Streik ist damit regional unterschiedlich ausgestaltet.

Die Warnstreiks markieren die zweite großangelegte Aktion in der laufenden ÖPNV-Tarifrunde. Bereits bei der ersten landesweiten Aktion am 2. Februar kam der öffentliche Personennahverkehr in weiten Teilen Deutschlands nahezu vollständig zum Stillstand. Auch damals hatte ein Verdi-Warnstreik den Verkehr erheblich beeinträchtigt.

Verdi-Streik: Tarifkonflikt im ÖPNV weiterhin ohne Lösung

In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern überwiegend mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi vor allem spürbar bessere Arbeitsbedingungen. Dazu zählen unter anderem eine kürzere Wochenarbeitszeit und reduzierte Schichtzeiten, längere Ruhezeiten sowie höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt. Der Verdi-Warnstreik soll den Druck in diesen Gesprächen erhöhen.

Nach Darstellung von Verdi kamen die Verhandlungen zuletzt kaum voran. Gleichzeitig beklagten auch die Arbeitgeber fehlende Fortschritte. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das größte ÖPNV-Unternehmen in Deutschland, kritisierten beispielsweise, dass Verdi bislang nicht deutlich gemacht habe, welche Forderungen für die Gewerkschaft Priorität haben.

Wann es zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft zu konkreten Tarifeinigungen kommen könnte, ist derzeit völlig offen. Die Gespräche verlaufen regional sehr unterschiedlich – kurz vor einem Abschluss schienen sie zuletzt jedoch nirgends zu stehen. Weitere Verdi-Warnstreik im Rahmen der laufenden Tarifrunde im öffentlichen Personennahverkehr sind daher nicht ausgeschlossen.

Verdi-Warnstreik erhöht den Druck im Tarifkonflikt

Der bundesweite Verdi-Warnstreik zeigt deutlich, wie angespannt die Lage im öffentlichen Personennahverkehr ist. Millionen Fahrgäste bekommen die Auswirkungen des Nahverkehr-Streiks unmittelbar zu spüren, während die Tarifparteien weiter um Arbeitsbedingungen und Bezahlung ringen. Der ÖPNV-Streik ist bereits die zweite große Aktion in kurzer Zeit und verdeutlicht, dass die Fronten verhärtet sind. Eine schnelle Einigung ist derzeit nicht absehbar, da beide Seiten fehlende Fortschritte beklagen. Sollte es in den kommenden Verhandlungsrunden keinen Durchbruch geben, sind weitere Verdi-Warnstreiks wahrscheinlich – mit erneuten massiven Folgen für Pendler und Städte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

DWN
Politik
Politik YouGov-Umfrage: AfD klar stärkste Kraft - Union stürzt auf schlechtesten Wert seit vier Jahren
15.04.2026

In einer YouGov-Umfrage kann sich die AfD deutlich von den anderen Parteien absetzen. Auch Grüne und Linke legen zu. Die einzigen, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Kaufkraft-Ranking in Krisenzeiten: Wo die regionalen Einkommen am meisten wert sind
15.04.2026

Das Verhältnis aus Einkommen und Lebenserhaltungskosten entscheidet über die reale Kaufkraft der Haushalte: Wo viel verdient wird, ist es...

DWN
Politik
Politik Tabaksteuer-Erhöhung finanziert Entlastungsprämie 2026: Doch nicht nur Raucher gehen bei der Ausgleichprämie leer aus
15.04.2026

Günstigeres Tanken und eine 1.000-Euro-Prämie: Doch die Entlastungen kommen noch längst nicht bei den Bürgern an. Auch werden viele...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ifo: Iran-Krieg verstärkt wirtschaftliche Unsicherheit deutscher Unternehmen
15.04.2026

Steigende Energiepreise, wackelige Lieferketten: Deutsche Unternehmen blicken immer skeptischer in die Zukunft. Welche Branchen besonders...

DWN
Politik
Politik Sparpläne Krankenkassen: Warnungen vor zusätzlichen Belastungen der Beitragszahler
15.04.2026

Die Koalition will die steigenden Ausgaben der Krankenkassen unter Kontrolle bringen, um neue Beitragserhöhungen zu vermeiden - mit einer...

DWN
Politik
Politik Migration in Deutschland: Jeder Vierte hat eine Einwanderungsgeschichte
15.04.2026

In den vergangenen 20 Jahren ist der Anteil der Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund um zwei Drittel in Deutschland gewachsen....

DWN
Politik
Politik Touristenattraktion: Berlin-Besucher werden künftig fürs Müllsammeln belohnt
15.04.2026

Mit "BerlinPay" will die Hauptstadt Touristen für nachhaltiges Verhalten belohnen. Noch werden Partner für die Aktion gesucht.

DWN
Politik
Politik Pipeline-Debatte im Energiemarkt: Warum die Straße von Hormus entscheidend bleibt
15.04.2026

Die Straße von Hormus bleibt trotz wiederkehrender Konflikte der zentrale Engpass im globalen Ölhandel, während Alternativen bislang...