Panorama

Iran-Konflikt weitet sich aus - Hisbollah greift Israel an

Nach der Tötung von Irans oberstem Führer Chamenei setzen die USA und Israel ihre Angriffe fort. Der Iran reagiert mit Gegenangriffen - und bekommt jetzt Unterstützung eines Verbündeten.
02.03.2026 08:22
Lesezeit: 3 min

Iran-Konflikt weitet sich aus - Hisbollah greift Israel an

Der Konflikt im Nahen Osten weitet sich nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei weiter aus. Die libanesische Hisbollah-Miliz feuerte in der Nacht mehrere Raketen auf Israel ab und greift damit an der Seite Teherans in den Kampf gegen den Erzfeind ein. Israel reagierte mit Bombardements in südlichen Vororten der Hauptstadt Beirut und anderen Teilen des nördlichen Nachbarlandes. Zugleich startete Israels Luftwaffe nach Armeeangaben eine neue Angriffswelle im Herzen Teherans. Auch das US-Militär greift laut Präsident Donald Trump weiter im Iran an.

Es ist das erste Mal seit Beginn einer Waffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel im November 2024, dass die vom Iran unterstützte Schiiten-Miliz Israel mit Raketen angreift. Sie begründete dies mit der Tötung Chameneis bei einem israelischen Luftangriff am Samstag in Teheran. Israels Armee fing nach eigenen Angaben ein Geschoss ab, andere seien in offenem Gelände niedergegangen. Die Hisbollah trage «die volle Verantwortung für jede Eskalation», erklärte der israelische Generalstabschef Ejal Zamir in der Nacht.

Israel warnt vor Eskalation

Israels Armee griff in Reaktion darauf in Beirut nach eigenen Angaben ranghohe Mitglieder der Hisbollah an. Ein weiteres sei im Süden des Libanons getroffen worden. Die Angriffe im Libanon würden fortgesetzt, «ihre Intensität wird zunehmen», kündigte der zuständige israelische Kommandeur Rafi Milo heute Morgen nach der ersten Angriffswelle an. Israel und die Hisbollah führten bis Ende 2024 Krieg, seither gilt eigentlich eine Waffenruhe. Die Miliz ist zwar stark geschwächt, soll jedoch noch über große militärische Fähigkeiten verfügen.

Eine weitere mit dem Iran verbündete Miliz im Irak griff nach eigenen Angaben einen Stützpunkt der US-Truppen in der Hauptstadt Bagdad an. Sie habe heute am frühen Morgen den US-Stützpunkt nahe dem Flughafen mit einer Drohne attackiert, teilte Saraja Aulija al-Dam mit. Auch sie sprach von «Vergeltung» für Chameneis Tod und «Unterstützung» für den Iran. Eine Bestätigung von offizieller irakischer Seite oder vom US-Militär gab es zunächst nicht.

Israel und die USA attackieren seit Samstag Ziele im Iran. In den ersten 24 Stunden griff allein das US-Militär nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Ziele in der Islamischen Republik an. Dazu gehörten unter anderem das Hauptquartier der Revolutionsgarden, Luftabwehrsysteme, Kriegsschiffe, U-Boote, militärische Kommunikationseinrichtungen, Kommandozentren sowie Stellungen mit ballistischen Raketen, wie das Regionalkommando des Militärs (Centcom) mitteilte.

Teheran reagiert mit Gegenangriffen auf Israel und auf Golfstaaten, in denen die USA Stützpunkte unterhalten. Die Staaten in der Region des Persischen Golfs verurteilten Irans «ungerechtfertigte» Angriffe auf ihre Territorien. Man werde «alle nötigen Maßnahmen» ergreifen, Sicherheit und Stabilität zu gewähren sowie alle Bürger zu schützen, «einschließlich der Option, auf die Aggression zu antworten», erklärten die Außenminister des Golfkooperationsrats (GCC).

Golfstaaten verurteilen Irans Gegenangriffe

Bislang haben die Staaten Saudi-Arabien, Katar, Oman, Bahrain, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die Angriffe des Irans nur abgewehrt, aber nicht zurückgeschlagen. Die USA und eine Gruppe arabischer Staaten verurteilten Irans Gegenangriffe in einer gemeinsamen Erklärung. Diese stellten eine gefährliche Eskalation dar, die die Souveränität mehrerer Staaten verletze und die regionale Stabilität gefährde, erklärte das US-Außenministerium.

Die Emirate schließen nach eigenen Angaben ihre Botschaft in Teheran und ziehen ihren Botschafter sowie sämtliches diplomatisches Personal aus dem Iran ab. Das Militär des Landes wehrte nach eigenen Angaben inzwischen unter anderem 152 ballistische Raketen und 506 Drohnen aus dem Iran ab. In Bahrain stürzten Trümmer einer abgefangenen Rakete auf ein Schiff und lösten ein Feuer aus. Dabei starb ein Arbeiter, wie das Innenministerium auf X mitteilte.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien forderten den Iran auf, die Angriffe zu stoppen und behalten sich militärische Abwehrmaßnahmen vor. Die Angriffe seien «wahllos und unverhältnismäßig», hieß es in einer in Berlin verbreiteten gemeinsamen Erklärung von Kanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premier Keir Starmer.

Der britische Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern wurde derweil in der Nacht von einer mutmaßlichen Drohne getroffen. Das bestätigte das Verteidigungsministerium in London laut der Nachrichtenagentur PA. Bei dem Vorfall sei niemand verletzt worden. Wer die Drohne abgefeuert hatte, war zunächst nicht bekannt.

USA und Israel greifen weiter an

Derweil greifen die USA und Israel den Iran weiter an. Dabei werden vor allem Mitglieder der Staats- und Militärführung ins Visier genommen. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte am Sonntagabend die Namen von sieben getöteten Generälen. Darunter sind Mohammed Schirasi, der Stabschef des getöteten Chamenei und dessen Stellvertreter Akbar Ebrahimzadeh.

«Die Kampfhandlungen werden derzeit mit voller Kraft fortgesetzt und werden so lange andauern, bis alle unsere Ziele erfüllt sind», sagte US-Präsident Trump. Das US-Militär setzt dabei nach eigenen Angaben auch Tarnkappenbomber vom Typ B-2 ein. Sie griffen mit gut 900 Kilogramm (2.000 Pfund) schweren Bomben Irans besonders gut geschützte Einrichtungen für ballistische Raketen an, wie das zuständige Regionalkommando Centcom auf X mitteilte.

Der Iran sieht seine Fähigkeiten, Krieg zu führen, durch die amerikanisch-israelischen Bombardierungen nicht eingeschränkt. Dezentralisierte Verteidigungsstrukturen ermöglichten seinem Land, den Krieg nach Belieben in die Länge zu ziehen, schrieb Irans Außenminister Abbas Araghtschi auf X.

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