Politik

Waffenruhe zwischen USA und Iran: Wer gibt künftig den Takt vor?

Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran markiert einen Wendepunkt im Konflikt und verschiebt die Ausgangslage für die anstehenden Verhandlungen. Geht der Iran mit einem strukturellen Vorteil in die Gespräche mit den USA?
10.04.2026 05:23
Lesezeit: 4 min
Waffenruhe zwischen USA und Iran: Wer gibt künftig den Takt vor?
Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran prägt die aktuelle Verhandlungsdynamik, während die Kontrolle über die Straße von Hormus ein zentraler Machtfaktor bleibt (Foto: dpa) Foto: Altaf Qadri

Widersprüchliche Darstellungen zur Waffenruhe

Aufgrund der anhaltenden Kontrolle über die Straße von Hormus sehen Sicherheitsanalysten den Iran in einer starken Position für die bevorstehenden Verhandlungen mit den USA. Die Vereinbarung über eine Waffenruhe war kaum getroffen, als bereits unterschiedliche Darstellungen über ihren Ausgang kursierten und beide Seiten den Verlauf als eigenen Erfolg darstellten.

Unmittelbar erklärte Donald Trump in einem Interview einen „totalen und vollständigen“ Sieg. Zugleich ließ auch der Nationale Sicherheitsrat des Iran verlauten, man habe die Oberhand behalten und die USA zu Zugeständnissen gezwungen. Die politische Deutung der Waffenruhe ist damit von Beginn an umkämpft.

In einer von staatlichen Medien verbreiteten Erklärung hieß es, der Iran habe die US-Regierung zu einem Friedensplan nach eigenen Bedingungen bewegt. Die Aussagen aus Washington und Teheran stehen sich damit direkt gegenüber und verdeutlichen die Spannungen bereits in der Interpretation der Ereignisse.

Skepsis gegenüber Trumps Siegeserklärung

Unter Experten stößt diese Darstellung auf deutliche Zweifel. „Trump überzeichnet den angeblichen Sieg massiv“, sagt Rasmus Sinding Søndergaard vom Dänischen Institut für Internationale Studien. Die tatsächlichen Ergebnisse der Vereinbarung stünden aus seiner Sicht in keinem Verhältnis zur politischen Inszenierung.

Auch der sicherheitspolitische Analyst Jacob Kaarsbo bewertet die Entwicklung kritisch. Er spricht von einem der spektakulärsten strategischen Eigentore der jüngeren Zeit und betont, Trump habe den Sieg ausgerufen, obwohl die USA in zentralen Punkten schlechter dastünden als vor Beginn des Konflikts.

Aus Sicht der Experten zeigt sich damit eine deutliche Diskrepanz zwischen politischer Kommunikation und strategischer Realität. Während Washington einen Erfolg betont, sehen Beobachter eine strukturelle Verschlechterung der amerikanischen Verhandlungsposition.

Der iranische Vorschlag gibt den Takt vor

In der Nacht zum Mittwoch kündigte Trump eine zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran an. Washington stellt seine Angriffe für vierzehn Tage ein, während Teheran im Gegenzug die Passage durch die Straße von Hormus ermöglicht und Gespräche über eine dauerhafte Lösung beginnen sollen.

Grundlage der Verhandlungen ist ein zehn Punkte umfassender Friedensplan des Iran. Laut BBC umfasst dieser unter anderem die Aufhebung von Sanktionen, die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte sowie umfassende Entschädigungszahlungen für den Wiederaufbau des Landes.

Aus Sicht von Søndergaard ist der Vorschlag weitreichend und klar zugunsten des Iran formuliert. Damit gibt Teheran inhaltlich den Rahmen der Gespräche vor und verschiebt die Ausgangslage bereits vor Beginn der Verhandlungen zu seinen Gunsten.

Hormus bleibt der entscheidende Hebel

Der Plan sieht vor, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet wird, der Iran jedoch Bedingungen für die freie Schifffahrt festlegen kann. Dazu könnte auch eine Gebühr für die Passage gehören, was die Kontrolle wirtschaftlich zusätzlich absichern würde.

Medienberichte, unter anderem von AP, deuten darauf hin, dass Teheran entsprechende Zahlungen prüft. Vor den Angriffen der USA und Israels am 28. Februar war die Passage frei, was die mögliche Veränderung besonders deutlich macht.

Eine Gebührenpflicht würde nach Einschätzung von Søndergaard eine erhebliche Niederlage für die USA und die internationale Gemeinschaft darstellen. Denn die Kontrolle über eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt bliebe faktisch weiterhin in den Händen des Irans.

Strategische Vorteile für den Iran

Das iranische Regime behält damit seinen zentralen Hebel in der Region. Für Kaarsbo ist genau das der entscheidende Punkt, da der Iran die Schifffahrt im Ernstfall jederzeit erneut einschränken könnte und damit ein dauerhaftes Druckmittel behält.

Ein solcher Schritt würde zwar die Waffenruhe verletzen, doch die iranische Führung hat im Verlauf des Konflikts mehrfach ihre Bereitschaft zur Eskalation signalisiert. Damit bleibt die Vereinbarung strukturell fragil und politisch unsicher.

Trump habe seinen Gegner falsch eingeschätzt und stehe nun schlechter da als vor Beginn des Krieges. Der Iran hingegen habe seine strategische Position ausgebaut und gehe gestärkt in die nächsten Verhandlungen.

Taktische Verluste ohne strategischen Einbruch

Beide Seiten sprechen von einem vollständigen Sieg, doch laut Kaarsbo trifft das auf die USA nicht zu. Der Iran habe zwar auf taktischer Ebene Verluste erlitten, strategisch jedoch an Einfluss gewonnen und seine Position gefestigt.

Das Land verfüge weiterhin über sein Uranprogramm und eine zunehmend konfrontative Führung. Gleichzeitig behält der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus und damit über eine zentrale globale Handelsroute.

Zudem wurden Lockerungen bei den Ölsanktionen erreicht, was die wirtschaftliche Ausgangslage verbessert. Diese Kombination verschafft Teheran eine starke Position, aus der heraus es nur begrenzt zu Zugeständnissen gezwungen ist.

Zentrale Ziele der USA bleiben unerreicht

Zwar gelang es dem US-Militär, Teile der konventionellen iranischen Streitkräfte zu schwächen. Dennoch blieben zentrale Ziele unerreicht, insbesondere Angriffe, die das iranische Atomprogramm nachhaltig hätten beeinträchtigen können.

Auch ein angestrebter Regimewechsel blieb trotz gezielter Tötungen hochrangiger Vertreter aus. Das politische System im Iran blieb stabil und zeigte keine Anzeichen eines grundlegenden Umbruchs. Søndergaard betont daher, dass die USA keinen entscheidenden strategischen Fortschritt erzielt hätten. Ein klarer Vorteil gegenüber der Ausgangslage vor Kriegsbeginn sei nicht erkennbar.

Schwierige Ausgangslage für die Gespräche

Wenn die Gespräche am Freitag in Pakistan beginnen, erwarten beide Experten vor allem Zugeständnisse von amerikanischer Seite. Trump habe sich bereits so weit festgelegt, dass eine Rückkehr zur militärischen Eskalation politisch kaum noch möglich erscheine.

Damit ist der Handlungsspielraum der USA deutlich eingeschränkt. Die Verhandlungen könnten sich aus dieser Perspektive einseitiger entwickeln, als es die öffentliche Darstellung vermuten lässt. Kaarsbo sieht Washington daher in einer geschwächten Position. Je stärker die USA auf Stabilität angewiesen sind, desto größer wird der Druck, den Forderungen des Iran zumindest teilweise nachzukommen.

Neue Risiken für die gesamte Region

Ein möglicher Streitpunkt ist die Ausweitung der Waffenruhe auf die gesamte Region. Der Iran fordert ein Ende der Kampfhandlungen auch in Ländern wie dem Libanon und verknüpft die Gespräche damit mit einer breiteren regionalen Agenda.

Israel lehnt dies jedoch ab und setzt seine militärischen Operationen gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah fort. Damit bleiben zentrale Konfliktlinien bestehen, die über das bilaterale Verhältnis hinausreichen. Søndergaard weist darauf hin, dass der Iran diese Angriffe kaum akzeptieren dürfte. Dadurch bleibt die Waffenruhe fragil und anfällig für neue Eskalationen in der Region.

Folgen für Deutschland und Europas Wirtschaft

Die bestehenden Differenzen zeigen, dass der Weg zu einer endgültigen Einigung lang bleibt. Ein Abkommen ist zwar möglich, würde jedoch voraussichtlich deutlich zugunsten des Iran ausfallen und die Kräfteverhältnisse im Nahen Osten verschieben.

Für Deutschland und Europa hat diese Entwicklung erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Die Straße von Hormus ist eine zentrale Energie- und Handelsroute, von der auch die deutsche Industrie in hohem Maße abhängig ist.

Sollte der Iran seine Position weiter festigen und zusätzliche Bedingungen für den Schiffsverkehr durchsetzen, könnten Transportkosten steigen und Lieferketten unter Druck geraten. Dies würde sich unmittelbar auf Energiepreise, Industrieproduktion und die wirtschaftliche Stabilität in Deutschland auswirken.

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