Korea-Aktien stehen plötzlich im Zentrum der Börsenfantasie
Am Anfang war K-Pop. Jetzt folgt die Fangemeinde für Korea-Aktien. In diesem Jahr haben Anleger in Asien fantastische Aktienrenditen erzielt. Betrachtet man vor allem Korea-Aktien, dann erinnert die Gesamtentwicklung dieses Marktes eher an eine einzige überhitzte Aktie aus dem Bereich künstliche Intelligenz. Einige sehen in diesem Anstieg eine Blase. Andere sagen, dass die Musik auf der Party weiterläuft. Das berichten unsere Kollegen von Investoru Klubs.
Der Wert des koreanischen Aktienindex KOSPI hat sich seit Jahresbeginn fast verdoppelt. Innerhalb von zwölf Monaten ist er um mehr als beeindruckende 212 Prozent gestiegen. Das nächste Beispiel für einen solchen Bullenlauf in Südkorea könnte das Aufblasen der Dotcom-Blase am Ende der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts sein. Damals verdreifachte sich der Wert des technologielastigen Nasdaq Composite innerhalb von zwei Jahren, bevor er Anfang 2000 seinen Höhepunkt erreichte, schreibt die Financial Times.
Investoru Klubs hat periodisch auf die Attraktivität der Aktien in dieser Region hingewiesen. Von den aus unserer Sicht exotischeren Märkten wurden jedoch häufiger japanische Aktien hervorgehoben. Auch deren Entwicklung hört zumindest bisher nicht auf, positiv zu überraschen. Der japanische Aktienindex Nikkei 225 ist seit Jahresbeginn um 30 Prozent gestiegen, in zwölf Monaten um 72 Prozent und seit 2023 um 150 Prozent.
Auch der Gesamtwert der Aktien in Taiwan ist stark gestiegen. In diesem Jahr legte er um 52 Prozent zu und innerhalb von zwölf Monaten um 107 Prozent. Dies geschah trotz der Tatsache, dass Taiwan potenziell als einer der nächsten geopolitischen Brennpunkte genannt wird.
Wenn man zum koreanischen Markt zurückkehrt, ist er zweifellos der jüngste Superstar der Aktienwelt. Tatsächlich musste man vor einiger Zeit nach kurzen Gesprächen mit jungen Menschen feststellen, dass koreanische Boybands heutzutage überraschend populär sind. Gemeint ist der sogenannte K-Pop. Dem scheint nun auch die Popularität der Aktien von Unternehmen dieses Landes gefolgt zu sein.
Aus dem Nichts ist eine solche Entwicklung der Korea-Aktien allerdings nicht entstanden. Im Fall Südkoreas gefallen Anlegern die technologie- und exportorientierten Unternehmen des Landes. Die größten Unternehmen dieses Landes reiten außerdem kräftig auf der aktuellen Welle der Technologie rund um künstliche Intelligenz.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Korea auch im militärischen Bereich etwas anzubieten hat. Seit Beginn des Ukrainekriegs ist Südkorea zu einem der größten Exporteure von Verteidigungstechnologie und Verteidigungsprodukten der Welt geworden. Diese Branche Koreas verfügt über eine vergleichsweise wettbewerbsfähige und große Produktionsbasis. Sie kann militärische Technik und Ausrüstung bereits heute günstiger und in großem Umfang produzieren. Sie muss diese Basis nicht erst aus einem verantwortungslos vernachlässigten Zustand irgendwann in einer mehr oder weniger mystischen Zukunft ausbauen.
Zusammengefasst bietet Korea das, was die Teilnehmer der Party derzeit brauchen.
Wenn Anleger sich für Korea-Aktien interessieren, muss man in Wahrheit sagen, dass dies die Geschichte von nur zwei Unternehmen ist. Die Marktkapitalisierung von Samsung Electronics und SK Hynix macht bereits fast die Hälfte des gesamten Gewichts des Aktienmarktes dieses Landes aus. Wenn diese Unternehmen ermüden, sollte man vom gesamten Markt wahrscheinlich nichts Großes erwarten. Zumindest bisher surfen sowohl Samsung Electronics als auch SK Hynix kräftig auf der Welle der Begeisterung für künstliche Intelligenz. Der Aktienkurs des Speicherchipherstellers SK Hynix ist binnen eines Jahres bereits um mehr als 1.000 Prozent gestiegen. Bei Samsung Electronics beträgt der Anstieg 470 Prozent. Beide Unternehmen sind damit dem Klub der Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar beigetreten.
Korea-Aktien wirken trotz Kursexplosion noch nicht teuer
Trotz dieses Anstiegs der Korea-Aktien ist zu sehen, dass die großen Investmentbanken Goldman Sachs, Citigroup und JPMorgan das weitere Wachstum dieses Marktes weiterhin positiv bewerten. Die Bewertungen von Samsung Electronics und SK Hynix wirken selbst nach einem solchen Anstieg noch immer bescheiden. Die Aktien beider Unternehmen werden etwa zum 7,3-Fachen der für die nächsten zwölf Monate prognostizierten Gewinne gehandelt.
Schon vor einiger Zeit wurde berichtet, dass Anleger offensichtlich auf die hohen Bewertungen der US-Technologiegiganten schauen und fragen, wo sie etwas Ähnliches aus dieser Branche günstiger bekommen können. Die Antwort lautet in jüngster Zeit Korea. Zugleich dümpelten die Aktien südkoreanischer Unternehmen vor diesem Anstieg jahrelang vor sich hin. Das hatte eine Lage geschaffen, in der sie als vergleichsweise günstig gelten konnten. Jetzt sind internationale und einheimische koreanische Anleger in einem Augenblick massenhaft erwacht, fast wie aus einem tiefen Winterschlaf.
Daten von Bloomberg zeigen, dass auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis des gesamten koreanischen KOSPI-Index auf Basis der nächsten zwölf Monate bei etwa neun liegt. Beim US-Index Standard & Poor's 500 liegt es bei 22. Interessant ist die Lage in Korea auch dadurch, dass bei der Hälfte der an der koreanischen Börse notierten Unternehmen das Verhältnis von Preis zu Buchwert unter eins liegt.
"Es ist schwer zu behaupten, dass dies eine superteure Blase ist. Könnte sie noch drei, sechs oder zwölf Monate weiterlaufen? Das ist möglich", sagt etwa Joshua Crabb, Leiter für Aktien im asiatisch-pazifischen Raum bei Robeco, der Financial Times. Tatsächlich wird darauf hingewiesen, dass diesmal, anders als bei der Internetaktienblase zur Jahrtausendwende, reale Gewinne hinter dem Anstieg der Aktienkurse stehen.
Die Geschichte der Aktien Taiwans hängt dagegen von der Dynamik der Aktie der Taiwan Semiconductor Manufacturing Company ab. Erwähnt werden kann auch, dass China Taiwan als sein eigenes Territorium betrachtet. Es gibt Spekulationen, dass China Gewalt anwenden könnte, um Taiwan unter seine Kontrolle zu bringen. Marktteilnehmer glauben weiterhin nicht wirklich daran, dass die Welt angesichts der Folgen so weit gehen wird. Allerdings zeigt die Realität der jüngsten Zeit, dass die Welt in auffällig vielen Fällen doch an einen solchen Punkt gelangt.
"Ein Aktienkursrallye dieser Größenordnung wirft die Frage auf, wann sie endet. Untersuchungen zeigen, dass, wenn ein Land oder eine Branche ihren wichtigsten Aktienindex innerhalb von zwei Jahren um mehr als 150 Prozent übertrifft, in den folgenden zwei Jahren eine starke Korrektur sehr wahrscheinlich ist. Und der Halbleitersektor der Schwellenmärkte hat den MSCI-Index in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 180 Prozent übertroffen. Nach historischer Erfahrung platziert ihn das fest in der Gefahrenzone. Und außerhalb der Technologie passiert in Südkorea und Taiwan nicht viel Neues. Sie teilen Probleme mit den entwickelten Volkswirtschaften, darunter eine alternde Bevölkerung und hohe Verbraucherschulden, die die Inlandsnachfrage verringern. Die südkoreanische Wirtschaft wächst derzeit in einem unscheinbaren Tempo von etwa zwei Prozent. Taiwan ist eine kleinere und weniger diversifizierte Wirtschaft als Südkorea, und der Halbleiterboom wirkt direkter auf sie. Es wird prognostiziert, dass Taiwan in diesem Jahr deutlich schneller wachsen wird, um fast sieben Prozent. Wenn jedoch das Wettrüsten um künstliche Intelligenz abkühlt und die Nachfrage nach Mikrochips nachlässt, wird sich auch der Lichtkegel der Aufmerksamkeit der Investoren von ihnen abwenden", meint etwa FT-Kommentator Ruchir Sharma.
Korea-Aktien, Japan und ETFs werden für Europas Anleger wichtiger
Neben dem feurigen Korea und Taiwan sehen japanische Aktien weiterhin interessant aus. Japan hat in jüngster Zeit mehrere Reformen vorgenommen, und allgemein werden diese als aktionärsfreundlich bewertet.
Zugleich ist eine wachsende Nachfrage nach japanischen Dienstleistungen und Waren zu beobachten. Japan beeilt sich außerdem, seine Produktion in Bewegung zu bringen. Im Vergleich zu westlichen Ländern, deren Volkswirtschaften von Dienstleistungen dominiert werden, ist die Produktion in Japan besser erhalten geblieben. In der neuen Zeit, in der alle danach streben, eigenständiger zu werden, ist das ein Vorteil. Japan will zudem seine Abhängigkeit von China verringern. Japanische Aktien wirken auch im Vergleich zu den USA günstig. Es sind deutliche Gespräche darüber zu vernehmen, dass im Fall Japans große Anstrengungen unternommen werden, die dort mögliche Gewinnung verschiedener Elemente für moderne Technologien in bedeutendem Umfang zu erschließen.
Auf der Risikoseite stehen für Japan teure und potenziell knappe Energie. Hinzu kommen eine schwierige Demografie sowie teure und unzureichende Arbeitskräfte. Anleger können hier untersuchen, welche Automatisierungslösungen japanische Unternehmen selbst anbieten, etwa SMC Corp, um dieses Problem teilweise zu lösen. Stress können potenziell auch die erheblichen Ausgabenpläne der japanischen Regierung auslösen.
Es gibt noch einen weiteren wesentlichen Faktor, der berücksichtigt werden muss, wenn über Investitionen in Übersee gesprochen wird. Gemeint sind die Entwicklungen am Devisenmarkt. Wenn etwa der Wert des Yen weiter sinkt, kann dies selbst einen sehr guten lokalen Aktienkursanstieg für Euro-Anleger auffressen. Das geschieht in dem Moment, in dem Yen wieder zurückgetauscht werden müssen. Innerhalb eines Jahres ist der Wert des Yen gegenüber dem Euro um zwölf Prozent gesunken.
Heutzutage steht europäischen Anlegern eine sehr breite Palette an Instrumenten zur Verfügung, mit denen sie spielen können, wenn sie an einen bestimmten Markt oder eine Nischentendenz denken. Wenn die Wall Street etwas verkaufen kann, dann wird dies garantiert auch getan.
Im Fall Asiens gibt es eine ganze Reihe börsengehandelter Fonds, die die Entwicklung der großen Aktienmärkte dieser Region abbilden. Jedenfalls können Anleger weiterhin darüber nachdenken, ihre Ersparnisse auch geografisch zu diversifizieren. In einem solchen Fall muss ein allgemeiner ETF auf asiatische Aktien nicht die schlechteste Variante sein.
Im Fall der Korea-Aktien ist in Europa der beliebteste ETF dieser Art der Franklin FTSE Korea. Dessen Anteilspreis ist binnen eines Jahres um fast 240 Prozent gestiegen, zeigen Daten von justetf.com. Beim ETF auf den gesamten japanischen Aktienmarkt bevorzugen Sparer des alten Kontinents dagegen den iShares Core MSCI Japan ETF. Dessen Anteilspreis ist in zwölf Monaten um 30 Prozent gestiegen. Von den ETF auf taiwanische Aktien ist wiederum der iShares MSCI Taiwan UCITS ETF hervorzuheben. Sein Anteilspreis ist binnen zwölf Monaten um 104 Prozent nach oben katapultiert.
Breiter aufgestellt ist etwa der iShares MSCI EM Asia UCITS ETF. Er bildet die Aktienentwicklung großer und mittelgroßer Unternehmen aus asiatischen Schwellenländern ab. Hier sind auch Aktien großer chinesischer Unternehmen enthalten. Der Anteilspreis dieses ETF ist binnen eines Jahres um 53 Prozent gestiegen.
Für Deutschland ist diese Entwicklung aus mehreren Gründen relevant. Deutsche Anleger suchen angesichts hoher Bewertungen vieler US-Technologiewerte zunehmend nach Alternativen, die Wachstum, Exportstärke und technologische Substanz verbinden. Korea-Aktien, japanische Aktien und Taiwan-ETF betreffen sie dabei nicht nur als Anlageklasse. Sie berühren auch deutsche Wirtschaftsinteressen, da deutsche Industrieunternehmen stark von Halbleitern, Elektronik, Automatisierung und stabilen Lieferketten in Asien abhängen.
Der Boom der Korea-Aktien zeigt also, wie stark künstliche Intelligenz, Halbleiter, Rüstung und Exportkraft derzeit die Kapitalströme lenken. Südkorea wirkt trotz extremer Kursanstiege nach klassischen Bewertungskennzahlen noch nicht durchgehend teuer. Genau darin liegt aber auch das Risiko. Wenn die KI-Euphorie nachlässt, kann sich die Stimmung schnell drehen. Für deutsche Anleger bleibt Asien interessant, doch die Währungsrisiken, geopolitischen Risiken und die starke Konzentration auf wenige Technologiewerte sollten nicht unterschätzt werden.
