Massenprotest in Izmir: Polizei geht gegen 20.000 Demonstranten vor

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
Türkei  
China  
USA  
Sicherheit  
 
Lesezeit: 2 min
15.05.2014 23:17
Die türkische Polizei ist am Donnerstag abermals mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vorgegangen. Schauplatz der heftigen Auseinandersetzungen ist Izmir. Mehrere Tausend Menschen gedenken dort in einer 24-Stunden-Kundgebung der Opfer des Grubenunglücks von Soma.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Türkei  
China  
USA  
Sicherheit  

Bereits zwei Mal schritt die türkische Polizei inzwischen in der Küstenmetropole Izmir ein. Dort füllen derzeit gut 20.000 Menschen die Straßen, um auf das Schicksal der mittlerweile fast 300 Todesopfer von Soma aufmerksam zu machen. Bereits am Vortag kam es in mehreren Städten zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Unter den Verletzten von Izmir soll sich auch Kani Beko, Chef der Konföderation der Revolutionären Arbeitergewerkschaften der Türkei (DISK), befinden. Bereits am Mittwoch bezeichnete er die Vorgänge in der Kohlemine im Westen der Türkei als „Massaker“ (mehr hier).

Beko soll sich Erkenntnissen der türkischen Zeitung Hürriyet zufolge im Krankenhaus befinden. Er sei während des Protestmarsches kollabiert.

Auch im Istanbuler Stadtteil Gayrettepe sind die Menschen am Donnerstag erneut auf den Straßen. Dort griff die Polizei ebenfalls ein, als die Menge in Richtung des Sitzes der Sozialversicherungsanstalt in Fındıklı marschieren wollte. Demonstranten reagierten gefasst. Einige setzten sich kurzerhand vor die Wasserwerfer. Schließlich wurde ihnen gewährt, in Richtung Mecidiyeköy zu ziehen.

Gleich vier türkische Gewerkschaften riefen an diesem Donnerstag zu einem nationalen Streik auf. Ihr Zorn richtet sich gegen die ihrer Ansicht nach insgesamt mieserablen Sicherheitsstandards in der Mine von Soma, seit der Betrieb in private Hände überging. In einer gemeinsamen Erklärung schreiben sie:

„Hunderte unserer Brüder in Soma wurden von Anfang an verlassen, um zu sterben. Sie wurden gezwungen, in brutalen Produktionsprozessen zu arbeiten, um maximale Gewinne zu erzielen. Wir rufen die Arbeiterklasse, Arbeiter und Freunde der Arbeiter auf, sich für unsere Brüder in Soma einzusetzen.“

Im Augenblick wird angenommen, dass sich nach wie vor Hunderte Kumpels unter Tage befinden. Mehr als 40 Stunden nach der Explosion besteht aber kaum noch Hoffnung einen von ihnen lebend zu bergen. Nach wie vor soll das Feuer nicht vollkommen gelöscht sein. Das Kohlenmonoxid-Niveau soll sich aber bereits verringert haben. Am Donnerstagnachmittag traf nun der türkische Präsident Abdullah Gül in Soma ein. Er sicherte zu, aus der Katastrophe von Soma Konsequenzen zu ziehen. Es müsse alles Erdenkliche getan werden, um so etwas in Zukunft zu verhindern. Seine Visite wurde von erhöhten Sicherheitsmaßnahmen begleitet.

Schon am Vortag entlud sich Wut und Trauer auf den Straßen des Landes. In Soma warfen wütende Bürger Fenster eines Regierungsbüros ein. Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan wurde nach seiner Ankunft am Unglücksort ausgebuht (mehr hier). Auch in Ankara und Istanbul kam es am Mittwoch zu Protesten. Für Aufsehen sorgte der Einsatz gegen rund 800 Studenten auf dem Campus der Technischen Universität des Nahen Ostens (ODTÜ). Die Polizei riegelte das Gelände ab und ging mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die jungen Leute vor.


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Marktbericht
Marktbericht Neue Corona-Angst lässt deutschen Elite-Index einbrechen - heute Konjunkturdaten

Dass die laufende Woche nicht einfach werden würde, war den Börsianern schon klar. Dass es aber so schlecht kommen würde, hat dann aber...

DWN
Politik
Politik Der nächste Bundeskanzler könnte Jens Spahn heißen

Friedrich Merz hat mit seinen seltsamen Aussagen über Homosexuelle dafür gesorgt, dass der umstrittene Bundesgesundheitsminister...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona: Lufthansa legt 50 weitere Flugzeuge still

Die Flotte soll statt um 100 nun sogar um 150 Flugzeuge schrumpfen. Dadurch sind nun erneut noch mehr Arbeitsplätze in Frage gestellt.

DWN
Finanzen
Finanzen Geldwäsche-Berichte lassen Aktien von Deutscher Bank & Co einbrechen

Medienberichte über Geldwäsche bei mehreren internationalen Großbanken setzen der Deutschen Bank zu. Die Banken sollen in den...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft USA: Hälfte aller Restaurants und Geschäfte wird den Lockdown nicht überstehen

Daten des Internetportals Yelp werfen ein Schlaglicht auf die vom Corona-Ausnahmezustand verursachte Verwüstung im US-Einzelhandel.

DWN
Politik
Politik Großbritannien: Verstoß gegen Quarantäne kann bis zu 10.000 Pfund kosten

Wer als Corona-Infizierter in Großbritannien gegen die Quarantäne verstoßen sollte, muss künftig ein Bußgeld zwischen umgerechnet...

DWN
Politik
Politik EU verhängt Sanktionen wegen Verstößen gegen Libyen-Embargo

Die EU erhöht den Druck auf Länder, die sich in den Libyen-Konflikt einmischen. Jetzt gibt es erste Sanktionen gegen Unternehmen und...

DWN
Politik
Politik Ölpreise: Libyen will Ölproduktion aufnehmen, US-Produzenten werden von Sturm gestört

Die Ölpreise sind aufgrund der Ankündigung, dass Libyen die Ölproduktion wieder aufnehmen will, gesunken. Währenddessen haben...

DWN
Finanzen
Finanzen Prognose: Corona wird europäische Anleihen attraktiver machen als US-Anleihen

Einer Prognose zufolge werden sich Anleger vor allem an europäischen Staatsanleihen - und nicht an US-Anleihen - orientieren. Dafür gibt...

DWN
Finanzen
Finanzen Auch Deutsche Bank beteiligt? Großbanken sollen fast drei Billionen Euro gewaschen haben

Die Deutsche Bank, JP Morgan und drei weitere Banken sollen 2,7 Billionen US-Dollar an „schmutzigen Geldern“ verschoben haben.

DWN
Deutschland
Deutschland Söder droht mit Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen in München in Aussicht gestellt, auf denen die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schweden schnürt Konjunkturpaket in Rekordhöhe

Die schwedische Regierung plant Steuersenkungen und Mehrausgaben in Höhe von insgesamt rund 10 Milliarden Euro, auch wenn das Land...

DWN
Politik
Politik Kaukasus 2020: Russland startet größtes Militärmanöver des Jahres

Russland hat im Kaukasus sein größtes Militärmanöver in diesem Jahr begonnen. Es beteiligen sich Soldaten aus China, Pakistan, Belarus,...

DWN
Politik
Politik Die Abenteuer des Monsieur Macron, oder: Wie Frankreich sich einen neuen Napoleon wünschte - aber einen Don Quijote bekam

Emmanuel Macron war angetreten, Frankreich aus seiner lähmenden Erstarrung zu befreien. Doch daraus ist nichts geworden, wie DWN-Kolumnist...

celtra_fin_Interscroller