Der ganz andere WM-Song: „Öffnet eure Augen, Brüder / die FIFA greift in unsere Taschen“

Lesezeit: 2 min
07.06.2014 00:08
Es gibt auch den anderen WM-Song: Musiker wie Daniel Arruda aus Brasilien oder der Rapper Diamondog aus Angola produzieren Lieder, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Da klingen revolutionäre Töne an: „Die FIFA will Alles / Die FIFA will die ganze Kohle / Doch wir sind der Meinung, einer möge gewinnen: Und zwar der Indianerstamm der Tupi!“
Der ganz andere WM-Song:  „Öffnet eure Augen, Brüder / die FIFA greift in unsere Taschen“

Der WM-Song-Standort Deutschland ist Weltspitze! In keinem anderen Land werden so viele WM-Songs verfasst! Unter den Urhebern und Produzenten der WM-Songs „Made in Germany“ sind auch viele Nichtdeutsche.

Es sind hunderte, vielleicht tausende Songs, und täglich werden es mehr. Die meisten sind superpeinlich. Auf den Klamauk-Videos strotzt es nur so von Bierkästen, Bratwürstchen, Deutschland-Fahnen und Hula -Hoops…

Aber es gibt auch wohltuende Videos „Made in Germany“: Ein wirklich cooler WM-Song wurde gerade von den in Berlin lebenden Musikern, Daniel Arruda, und Diamantino Feijó, alias „Diamondog“, herausgegeben.

Der Komponist Daniel Arruda stammt aus São Paulo, Brasilien, lebt seit 2006 in Berlin, und hat sich in den vergangenen Jahren unter anderem als Musical-Produzent und Veranstalter World Music Festen hervorgetan. Seine WM-Single „Milhões que somos“ („Wir sind Millionen“) ist eine Kritik an der WM in Brasilien. Das Video beschreibt die Liebe des brasilianischen Volks zum Fußball, aber auch die soziale und politische Lage des Landes.

Hier das Werk: Titel: „Milhões que somos“ („Wir sind Millionen“)

Es sind Millionen und Abermillionen / Verzweifelter Herzen

Sie warten auf ein… Toooor!

Sie sind gefangen von einem Schrei: Toooor!

Es sind 22 Millionäre / die hinter einem Ball her rennen

um ein ..Toooor! zu schiessen

Es sind Millionen, Milliarden und Abermilliarden

Reais, Dollars

Sponsoren, die unsere Bedürfnisse und unsere Schmerzen lindern wollen

Mit einem… Toooor!

Aber das Volk will mehr!

Es will in Frieden leben!

Das Volk will Sicherheit!

Das Volk will Veränderung!

Das Volk wird nicht müde!

Es verliert nicht die Hoffnung!

Es will keine Almosen!

Es verliert nicht den Ball!

Der Rapper und „Master of Visual Arts“, Diamondog, stammt ursprünglich aus Angola. Seit Jahren tourt er als Rapper oder DJ zwischen Brasilien und Europa, vor allem Berlin.

(Diamondog lyrics)

Licht, Kamera, Action! / Nach dem Pfiff bist Du bereit / Wenn sie Dich umhauen, gibt‘s Elfmeter und Du bist auf der Höhe / Wir fordern ein, was uns fehlt, auf der Straße, in der Peripherie / Permanente Emotion / Das Bewusstsein wächst / es ist ansteckend / Fußball packt uns, es ist unsere Leidenschaft / Und je mehr sie gegen uns sind, desto weiter gehen wir voran / Öffnet eure Augen, Brüder / die FIFA greift in unsere Taschen / Sie will uns alles nehmen / Brot und Spiele, Tanz und TV / Wem gehört die WM? Der FIFA? Dem Volk? / Die FIFA will Alles / Die FIFA will die ganze Kohle / Doch wir sind der Meinung, einer möge gewinnen: Und zwar der Indianerstamm der Tupi!

Es sind Millionen und Abermillionen...

Sie wollen mehr!

Sie wollen in Frieden leben!

Sie wollen Sicherheit!

Sie wollen Veränderung!

Sie werden nicht müde!

Sie verlieren nicht die Hoffnung!

Sie wollen keine Almosen!

Sie verlieren nicht den Ball!

Der renommierte Investigativ-Journalist Antonio Cascais begleitet für die Deutschen Wirtschafts Nachrichten in den kommenden Wochen die Entwicklung in Brasilien. In der Rubrik „Das andere Tagebuch der Fußball WM“ wird Cascais über die sozialen Probleme und die Proteste der Brasilianer gegen das Kommerz-Spektakel berichten. Cascais hatte zuletzt mit seiner TV-Dokumentation „die story – Geschäfte wie geschmiert?“ (mit Marcel Kolvenbach) für Aufsehen gesorgt. In der Doku zeigten die Autoren die Hintergründe eines U-Boot-Deals in Portugal auf. Der Film ist in der Mediathek des WDR abrufbar.

Teil 1: Die Revolution hat in Brasilien Feuer gefangen

Teil 2: Brasilien: Künstler protestieren gegen die Fußball-WM

Teil 3: Brasilien: Von der Fußball-WM profitieren Konzerne, Politiker und Banken

Teil 4: Weltmeister: Deutsche Waffen-Industrie verdient prächtig mit der Fußball-WM

Teil 5: Brasilien: Staudamm-Bau mit Methoden einer Militär-Diktatur

Teil 6: Wer ist die rätselhafte Dilma Rouseff?

Teil 7: Brasilien: Straßenkinder passen nicht ins Bild der WM - und verschwinden


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