Politik

Skandal-Bank Espírito Santo: 5,7 Milliarden US-Dollar in Angola versickert

Lesezeit: 2 min
11.07.2014 01:26
Die portugiesische Banco Espirito Santo hat eine unrühmliche Geschichte: Schon wegen eines Korruptions-Skandals in Angola musste sie mit Milliarden-Bürgschaften vom Staat gerettet. Wohin das Geld aus den faulen Krediten geflossen ist, ist bis heute im Dunkeln. Jetzt wird eine Rettung auch in Europa immer wahrscheinlicher. Die europäischen Steuerzahler und Sparer könnten gezwungen werden, am Ende für die Sünden der Vergangenheit aufzukommen.
Skandal-Bank Espírito Santo: 5,7 Milliarden US-Dollar in Angola versickert

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die angolanische Filiale der in Schieflage geratenen portugiesischen Großbank Banco Espírito Santo (BES) hat vor Jahren Kredite in Höhe von mehr als 5,7 Milliarden US-Dollar vergeben. Die heutigen Manager mussten vor kurzem zugeben: Man wisse weder, an wen die Gelder geflossen sind noch welchen Verwendungszweck die Kredite hatten. Es wurden kaum Garantien hinterlegt und diejenigen, die hinterlegt wurden, wurden keiner seriösen Bewertung unterzogen.

Allein an den angolanischen Ex-Manager von BES Angola, Álvaro Sobrinho, sollen an die 750 Millionen US-Dollar ohne Beleg geflossen sein. Sobrinho hat sich in den vergangenen Jahren in Portugal ein Medienimperium (mit Beteiligungen an verschiedenen Tages-, Wochen- und Monatszeitungen) zusammengekauft.

Der inzwischen zurückgetretene CEO der BES, Ricardo Salgado, musste vor Wochen große Probleme bei der Bank in Angola einräumen. Beim Präsidenten des allgemein als korrupt geltenden Ölstaats Angola, José Eduardo dos Santos persönlich, bat Salgado um Garantien für die „faulen“ Kredite. Prompt soll der angolanische Staat mit einer Bürgschaft über 70 % der Gesamt-Kreditsumme eingesprungen sein. „Über diese Bürgschaft gibt es keine Zweifel“, sagte Ricardo Salgado der portugiesischen Wirtschaftszeitung „Jornal de Negócios“, an der der angolanische EX-CEO von BES Angola, Álvaro Sobrinho, über seine Holding „Cofina“ beteiligt ist.

Über das riesige Finanzloch von BES Angola ist erstmals vom investigativen Journalisten, Rafael Marques, im Blog „Maka Angola“ berichtet worden. Im Gespräch mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten berichtet Marques, der EX-CEO Álvaro Sobrinho habe die Milliarden „ regelrecht, wie mit dem Füllhorn, über bekannte Figuren des kleptomanischen angolanischen Regimes geschüttet.“ Nutznießer seien, unter Anderen, „mehrere Mitglieder des Politbüros der MPLA“ gewesen, Mitglieder der ehemals marxistischen „Volksbewegung für die Befreiung Angolas“ auf die sich das langlebigste afrikanische Regime stützt. Präsident José Eduardo dos Santos regiert das an Erdöl, Diamanten und anderen Bodenschätzen reiche Angola ununterbrochen seit 37 Jahren, als wenn das Land sein Privateigentum wäre.

Das angolanische Loch hat die portugiesische Großbank ins Wanken gebracht. Die Banco Espírito Santo ist international verflechtet. Verschiedene Korruptionsskandale brachten das ehemals ehrwürdige Institut in den vergangenen Jahren übel ins Gerede. Die Banco Espírito Santo soll auch dem „German Submarine Konsortium“ sowie dem Vertriebsunternehmen Ferrostaal aus Essen bei dubiosen Waffengeschäften mit dem portugiesischen Staat beratend zu Seite gestanden haben. Beobachter schließen nicht aus, dass der Skandal um die BES-Bank, auf die portugiesische und europäische Finanzwirtschaft übergreift. Ein Domino-Effekt wird befürchtet.

In Portugal wird dieser Riesenskandal deshalb ganz, ganz klein geredet. Die portugiesische Zentralbank beschwichtigt: "Die Liquidität von BES ist ausreichend und wurde zuletzt durch eine Kapitalerhöhung deutlich gestärkt", sagte ein Sprecher der Notenbank am Donnerstagabend. Die Bank sei solide aufgestellt. An den Märkten war zuvor die Sorge um Portugal und dessen Finanzsektor wieder aufgeflammt. Berichte über Zahlungsprobleme der Bankiersfamilie Espirito Santo hatten die gleichnamige Bank unter Druck gesetzt. Die Aktien des größten börsennotierten Geldhaus des Landes wurden daraufhin vom Handel in Lissabon ausgesetzt, nachdem sie zuvor um bis zu 19 Prozent auf ein Zwölf-Monats-Tief von 0,50 Euro gefallen waren.

Die Banco Espirito Santo zählt zu jenen Großbanken in der Euro-Zone, die ab November von der Europäischen Zentralbank (EZB) beaufsichtigt werden sollen und damit auch dem Stresstest unterzogen werden. Mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten, dass das Kapitalpolster der Bank groß genug sei, um einen Zahlungsausfall anderer Unternehmen der Bankiersfamilie zu verkraften. Diese Informationen lägen auch den Behörden vor und seien von einem Wirtschaftsprüfer bestätigt worden.

Die Finanzmärkte schenken der Bank offenbar weniger Glauben als die Wirtschaftsprüfer und reagierten sehr nervös (hier mehr).

Ein Schweizer Bankenaufseher hat schon vorsorglich seinen Rücktritt eingereicht (hier).

Auch die deutschen Sparer und Steuerzahler haben jeden Grund zur Sorge.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Marktbericht
Marktbericht Mit digitalem Gold auf Erfolgskurs

Die Vervielfachung der Geldmenge hat enorme Auswirkungen. Die Inflation ist nicht mehr aufzuhalten. Auf der anderen Seite zeichnet sich...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Ausverkauf geht weiter: Nächster deutscher Hightech-Konzern wird vom Ausland übernommen

Trotz ständigen Bekundungen der Bundesregierung, strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen, geht der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zwischen Russland und Saudi-Arabien bahnt sich ein neuer Ölpreis-Krieg an

Im März findet das nächste Treffen der OPEC + statt. Während Saudi-Arabien die Öl-Produktion weiter drosseln will, plädiert Russland...

DWN
Politik
Politik Jetzt bahnt sich auch ein digitaler EU-Impfpass an

Am 25. und 26. Februar werden die Mitglieder des Europäischen Rates zusammenkommen, um über die Einführung von digitalen Impfpässen zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Plötzlich üben die Medien Kritik an Spahn, doch es ist zu spät

Die Medienlandschaft hat sich dazu durchgerungen, Jens Spahn zu kritisieren. Doch es ist zu spät, obwohl die Deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank warnt vor überhöhten Immobilienpreisen

Im vergangenen Jahr haben die „markanten Preisübertreibungen“ auf dem Wohnungsmarkt zugenommen, so die Bundesbank. Teilweise liegen...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitale Zentralbankwährungen für den Großhandel und Einzelhandel bahnen sich an

In einem aktuellen Bericht plädiert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich für die Einführung von digitalen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld-Nutzung in den USA ist während der Pandemie gestiegen

In den USA ist nach Angaben eines Unternehmens für Sicherheitsdienste und Werttransporte die Bargeldnutzung gestiegen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schwab hatte es „vermutet“: Großunternehmen werden größer, während Kleinunternehmen ganz verschwinden

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab schreibt in seinem Buch „Covid-19: Der Grosse Umbruch“, das im Juli 2020 erschienen...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundeskabinett beschließt Einführung des digitalen Impfpasses

Das Bundeskabinett hat am Montag die Einführung eines digitalen Impfpasses beschlossen, damit Geimpfte Restaurants und Konzerte besuchen...

DWN
Politik
Politik Blackwater-Gründer Prince spielte zentrale Rolle im Libyen-Krieg

Einem UN-Bericht zufolge spielte der Blackwater-Gründer Erik Prince eine wichtige Rolle im Libyen-Konflikt. Dass die UN erst jetzt auf...

DWN
Finanzen
Finanzen BÖRSE AKTUELL: Heftige Korrektur bei Bitcoin - jetzt wird der Einstieg vollends zum Vabanque-Spiel

Gestern vermeldeten wir den rapiden Kursverfall der Kryptowährung "Bitcoin". Heute liefert unser Börsen-Experte Andreas Kubin, wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax: Anleger hoffen nach Powells Rede weiter auf Riesen-Konjunkturpaket aus den USA

Die Börsen entwickeln sich langsam weiter. Heute Nachmittag warten die Anleger auf wichtige Konjunkturdaten.

DWN
Politik
Politik E-Patientenakte: Merkel und Spahn haben den Datenschutz ausgehebelt, doch keiner hat es bemerkt

Die Bundesregierung hat durch ein neues Patientenakten-Gesetz den Datenschutz ausgehebelt. In der Akte sollen alle relevanten...

DWN
Deutschland
Deutschland Geduld des Handels ist am Ende: Klagewelle gegen Lockdown rollt

Obi, Media Markt, Breuninger und Co. wollen nicht länger auf Zugeständnisse der Politik warten. Immer mehr Händler versuchen, vor...