Finanzen

Chinesische Unternehmen kaufen in Europa Schulden

Lesezeit: 2 min
12.03.2015 23:00
Die Geldschwemme der EZB veranlasst chinesische Unternehmen, sich am Anleihenmarkt im großen Stil mit Euro zu versorgen. Sie reduzieren so ihre Schuldenlast oder kaufen europäische Unternehmen auf.

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Chinesische Unternehmen kaufen in großem Stil Anleihen europäischer Konzerne. In den vergangenen sechs Monaten ist der Euro im Vergleich zum Renminibi um 13 Prozent gefallen. Da die EZB am Montag mit dem Gelddrucken beginnt, wird der Wert des Euro Schätzungen zufolge nicht kurzfristig wieder steigen. Das gibt Unternehmen und Finanzmarktakteuren eine gute Einstiegsmöglichkeit in den europäischen Finanzmarkt.

Unternehmen mit Hauptsitz in China haben dieses Jahr bereits 2,7 Milliarden Euro an Anleihen an den Börsen Europas ausgegeben, fast so viel wie im gesamten Jahr 2014. Sie tun dies, um sich günstig zu refinanzieren oder weitere Deals auf dem europäischen Finanzmarkt abzuschließen. Der Finanzmarkt in China leidet indes unter dieser Entwicklung. Die Zahl der ausgegebenen Aktien sinkt. Die Nachfrage gerät ins Stocken.

Das chinesische Börsenunternehmen Fosun International, dem bereits die deutsche Mode-Marke Tom Tailor gehört, hat sich auf dem Finanzmarkt mit Geld versorgt, um mit 939 Millionen Euro beim französischen Tourismus-Unternehmen Club Méditerranée einzusteigen. Zahlreiche weitere Firmen werden diesem Beispiel folgen, glauben Analysten bei Barclays einem Artikel der FT zufolge. Europäische Unternehmens-Anleihen sind wertvolle Assets im Portfolio von chinesischen Konzernen.

Ähnliche Entwicklungen sind aus Unternehmen mit Hauptsitz in Indien und Südkorea zu beobachten. Sogar US-Unternehmen wie Kellogg, Coca Cola und Whirlpool geben Anleihen in Europa aus. Dieses Jahr sind es aufgrund der Geldpolitik der EZB bereits 20 Milliarden Euro – fast drei Mal so viel wie in 2014.

Dabei sind die Erträge in Europa nicht besonders hoch. Die Investmentbank JPMorgan schätzt, dass Europas Nationalstaaten Anleihen von etwa 1,5 Billionen Euro mit negativen Erträgen auf den Markt gebracht haben. Der Ertrag einer Anleihe zeigt an, wie viel ein Investor nach einer bestimmten Zeit an ihr verdient. Negative Erträge entstehen dann, wenn ein Investor einen so hohen Preis für eine Anleihe zahlt, dass dieser sämtliche Einnahmen aus Zinsen oder einem Verkauf der Aktie übersteigt.

Bislang wurde diese Methode nur von Staaten angewendet, die zum Beispiel in deutsche Staatsanleihen investieren wollten. Deutsche Staatsanleihen gelten als sehr sicher und werfen daher keine Zinsen ab. Wenn Krisenstaaten wie Griechenland Anleihen ausgeben, müssen sie Investoren hohen Zinsen garantieren, um damit potenzielle Geldgeber anzulocken.

Doch weil die EZB seit Montag mit dem Gelddrucken begonnen hat, geraten auch die Erträge von Anleihen europäischer Unternehmen und Konzerne in den negativen Bereich. Seit der Aufwertung des Schweizer Franken Mitte Januar war dieses Phänomen bereits bei einigen kurzzeitigen Anleihen Schweizer Unternehmen zu beobachten, berichtet die FT. Anfang Februar geriet der Ertrag kurzer Nestle-Anleihen in den negativen Bereich.

Nun setzt sich dieser Trend vor allem bei an der Börse besonders hoch bewerteten europäischen Unternehmen fort – sogenannten Blue-Chip-Unternehmen. Die Erträge der Anleihen deutscher und europäischer Konzerne werden in der Folge immer weiter sinken. Das passiert immer dann, wenn die Zentralbank die Finanzmärkte mit dem Ankauf von unzähligen Staatsanleihen flutet. Sie kreiert dadurch eine hohe Nachfrage nach diesen Anleihen und senkt gleichzeitig deren Erträge. Die an der Börse notierten Unternehmen werden somit noch unabhängiger von den Banken, da sie sich kostenlos an den Finanzmärkten mit Geld versorgen können.

Ein Grund, warum Händler Anleihen mit negativen Erträgen kaufen, ist die Annahme, dass der Kurs der Anleihen später steigt und sie das Produkt vor dem Ablauf der Laufzeit doch noch gewinnbringend verkaufen können. Neue Kapitalmarktvorschriften können Banken und Finanzmarktakteure dazu zwingen, Geld in hochsicheren Finanzprodukten anzulegen. Auch das würde diesen Trend beschleunigen. Ein weiterer Grund sind negative Zinsen auf Bankeinlagen. Auch hier ist die Schweiz Vorreiter – und deutsche Banken ziehen nach.

 


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