Finanzen

Crash am Bond-Markt geht weiter: Euro-Staaten unter Druck

Lesezeit: 1 min
04.05.2015 13:14
Im Markt für Staatsanleihen herrscht weiter große Nervosität. Am Montag stiegen die Renditen für die meisten Euro-Papiere signifikant. Besonders auffällig ist die Abneigung der Investoren gegenüber deutschen Staatsanleihen. Die Bunds schmierten regelrecht ab.

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Talfahrt auf dem Markt für Staatsanleihen setzt sich fort. Auch am Montag schmierten vor allem die Papiere aus dem Euro Raum der Messe drastisch ab. Besonders negativ aufgefallen sind dabei belgische und österreichische Schuldtitel. Hier haben die Investoren offenbar erkannt, dass sich trotz aller Bemühungen der Euro Rettung durch die EZB in den einzelnen Nationalstaaten noch gravierende Probleme verbergen.

Schwer getroffen wurden auch die deutschen Staatsanleihen. Die Bunds mit fünfjähriger Laufzeit verließen erstmals den Bereich der Negativzinsen und stiegen um 200 Prozent an. Auch die Niederlande müssen künftig wieder mehr für ihre Schulden bezahlen. Frankreich liegt mit einem Anstieg von knapp 22 Prozent dagegen fast schon in einem annehmbaren Bereich.

Die Lage in Griechenland wird von den Investoren offenbar weniger dramatisch eingeschätzt als von den Verhandlungsparteien. Entgegen dem Gesamttrend in der Eurozone sank die Rendite für zehnjährige griechische Schuldtitel auf 10,7 Prozent.

Natürlich ist zu bedenken, dass es sich um Bewegungen auf sehr niedrigem Niveau handelt. Dennoch ist der übergreifenden Trend bemerkenswert. Es zeigt sich dass die Anleger trotz aller Interventionen der EZB nicht bereit sind, für die Kreditvergabe an europäische Schuldenstaaten auch noch zu bezahlen. Das Mittel der Negativzinsen scheint sich nachhaltig schlecht für die Schuldenaufnahme der Euro Staaten auswirken.

Frankreichs Schulden liegen mit 2,055 Billionen Euro bei fast 96 Prozent am BIP. Doch nach den Maastricht-Kriterien sind nur 60 Prozent erlaubt. Die Regierung in Paris hatte Ende April alle Wachstumsprognosen kassiert und angekündigt, das Defizit erst ab 2018 unter den Grenzwert senken zu wollen. Die Finanzierung des Defizits läuft über die Begebung von Staatsanleihen.

Frankreich macht somit durchgehend neue Schulden, um die alten Schulden bedienen zu können. Die Schuldentragfähigkeit wird dadurch weiter gesenkt, weil das Land nicht mehr herauskommt aus der Schulden-Spirale. Paris könnte in den kommenden Jahren tiefe finanzielle Einschnitte bei der Sozialhilfe und in den öffentlichen Bildungs- und Gesundheitsbranchen vornehmen. Auch die Pensionskassen sind vor dem Zugriff des Staats nicht mehr sicher. Die Ökonomen Matthias Weik und Marc Friedrich sagen in einem Interview mit den Deutschen Wirtschafts Nachrichten, dass Frankreich „langfristig gesehen, eine Staatspleite nicht abwenden“ könne. „Sie werden alles Erdenkliche durchführen, um am Status quo festzuhalten. Das heißt Enteignungen, Abgabenerhöhungen, Leistungen kürzen, restriktive Gesetze, Steuererhöhungen, Immobiliensteuer“, so die Ökonomen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Ratgeber
Ratgeber 5 Immobilienweisheiten – oder wie Sie den Wert Ihrer Immobilie steigern können

Aufgrund der hohen Nachfrage zeigen Immobilien eine äußerst positive Wertentwicklung. Mit ein paar Maßnahmen lässt sich der Preis der...

DWN
Politik
Politik Völkerrechtler: Der Great Reset ist ein großer Schwindel - das Weltwirtschaftsforum gehört aufgelöst

Lesen Sie heute den zweiten Teil des Interviews, das DWN-Autor Ralf Paulsen mit Alfred de Zayas, dem ehemaligen Sekretär der...

DWN
Deutschland
Deutschland Kubicki deckt auf: Grundrechte der Deutschen wurden jahrelang auf Basis von Behauptungen beschnitten

Die Deutschen wurden in den vergangenen zwei Jahren offenbar auf Basis bloßer Behauptungen von RKI und Gesundheitsministerium gegängelt....

DWN
Politik
Politik Putins Tauschbörse: Getreideexporte aus der Ukraine gegen Aufhebung der Sanktionen

Russlands Präsident Wladimir Putin telefoniert mit dem italienischen Regierungschef Mario Draghi.

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt die Vermögensabgabe – und wie schützen sich Anleger?

Immer mehr Stimmen fordern einen Corona- oder Ukraine-Lastenausgleich – also eine verpflichtende Vermögensabgabe, die die exorbitanten...

DWN
Politik
Politik Ukraine: Deutschland soll sich selbst das Gas abdrehen

Der ukrainische Netzbetreiber fordert von Deutschland, sich selbst schweren Schaden zuzufügen.

DWN
Politik
Politik Nach russisch-chinesischem Manöver: Japan und USA setzen auf Abschreckung

Der Konflikt im Indopazifik schaukelt sich zunehmend hoch.

DWN
Politik
Politik China wirft NATO und USA Einmischung, Übertreibung und Doppelmoral vor

Die USA versuche, so der chinesische Außenamtssprecher Wang Wenbin, "Chinas Entwicklung einzudämmen und zu unterdrücken und die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chinesische Frachten zu teuer: Turbulenzen auf hoher See

Nicht nur gebrochene Lieferketten, sondern auch die globalen Frachtpreise bereiten deutschen Unternehmen Kopfzerbrechen.