Finanzen

Union Investment zieht Geld aus Euro-Krisenländern ab

Lesezeit: 1 min
03.06.2015 17:19
Der Asset Manager Union Investment stößt europäische Anleihen und Aktien ab. Die Fondsgesellschaft zieht sich insbesondere aus den Krisenländern Portugal, Spanien, Griechenland und Italien zurück. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zum Grexit kommt, liege bei 50 Prozent, so die Gesellschaft.
Union Investment zieht Geld aus Euro-Krisenländern ab

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Fondsgesellschaft Union Investment zieht angesichts des drohenden Euro-Austritts von Griechenland Geld aus anderen Krisenstaaten ab. „Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass sich Griechenland aus freien Stücken aus der Euro-Zone verabschiedet, mittlerweile auf fast 50 Prozent“, sagte der Leiter des Rentenfondsmanagement, Frank Engels, in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Als Konsequenz daraus habe sich sein Haus von europäischen Aktien und Staatsanleihen getrennt. „Wir haben Risiken abgebaut, indem wir nicht mehr so starke Positionen in Spanien, Portugal und Italien halten“, ergänzte Engels, der mit seinem Team rund 50 Milliarden Euro verwaltet

Die Ansteckungsgefahr für die Finanzmärkte bei einem sogenannten „Grexit“ sei zwar viel geringer als etwa 2010 oder 2012. „Allerdings sehen wir große politische Risiken, auch in anderen Euro-Ländern.“ Spanien etwa erhole sich von den großen Krisenländern am schnellsten. „Doch die konjunkturellen Erfolge kommen nicht bei der Bevölkerung an, wie die noch immer hohe Arbeitslosigkeit und der drastische Ansehensverlust der beiden großen Volksparteien in Spanien zeigen“, so der Fondsmanager.

Auch den Euro hält er angesichts dessen für weniger attraktiv. „Es ist sicherlich auch richtig, den Euro gegenüber dem Dollar und anderen wichtigen Währungen unterzugewichten“, sagte Engels. „Wir mögen das britische Pfund. Denn in Großbritannien entwickelt sich der Arbeitsmarkt unerwartet gut, besser als in den USA. Dort sehen wir Anzeichen, dass bald die Zinswende eingeleitet werden dürfte, was das Pfund weiter stützen würde.“

Vorsichtiger sei sein Haus auch bei deutschen Bundesanleihen. „Einige Auktionen der Finanzagentur konnten bei Investoren nicht vollständig platziert werden. Die Bundesanleihen wirken verletzlich und angreifbar. Die neuesten, überraschend hohen Inflationszahlen aus der Euro-Zone und der daraus resultierende Abverkauf der Bundesanleihen ist ein gutes Beispiel hierfür.“

Ein Grexit böte aber auch Chancen zum Einstieg. „Kommt der Euro stärker unter Abwertungsdruck, dann ist das ein Faktor unter mehreren, von denen Exporteure profitieren“, betonte Engels. „Gerade der Dax ist sehr attraktiv in Zeiten der Euro-Schwäche.“ Aber auch französischen und italienischen Unternehmen dürfte eine Abwertung helfen. „Denn die Währungsschwäche dauert bereits so lange an, dass sie allmählich in den Konzernbilanzen sichtbar wird.“ Exportlastige Titel seien in diesem Umfeld attraktiv.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft EILMELDUNG: Gas-Durchfluss durch Druschba-Pipeline gestoppt

Der Durchfluss durch die Süd-Route der wichtigen Druschba-Pipeline wurde gestoppt. Die Gründe sind derzeit unklar.

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Umverteilung von Nord nach Süd nimmt Fahrt auf

Die EZB hat erneut viele Milliarden Euro in die hoch verschuldeten Staaten im Süden der Eurozone gepumpt. Dies geschieht auf Kosten von...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Trotz Energie-Notstand: Deutscher Versorger liefert Gas nach Marokko

Der zweitgrößte Energieversorger Deutschlands liefert Gas nach Marokko. Angesichts der gegenwärtigen Umstände ist der Deal politisch...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Insider: Großbritannien leitet kontaminiertes Gas in die EU

Großbritannien liefert verschmutztes, teilweise radioaktiv kontaminiertes, Gas in die EU. Es droht die Schließung wichtiger Pipelines.

DWN
Politik
Politik Wahlkampf in Italien: „Gott, Vaterland und Familie“

In Italien hat mittlerweile nach dem Sturz der Regierung von Mario Draghi der Wahlkampf begonnen. Schon jetzt zeigt sich, dass schwere...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Immobilienboom ist vorbei – global und in Deutschland

Dem Immobilienboom in Deutschland sowie auch global geht die Luft aus. In einigen Regionen wird sogar ein massiver Einbruch der Preise...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft China: Handel mit Russland boomt

Obwohl das chinesische Wirtschaftswachstum unter der Corona-Politik und Immobilienkrise gelitten hat, legte das Exportwachstum im Juli zu.

DWN
Panorama
Panorama 75 Jahre Streit und Hass: Die Folgen der Teilung von Indien und Pakistan

Als die Briten ihre ehemalige Kolonie in Indien und Pakistan teilten, folgte Chaos und Blutvergießen mit bis zu einer Million Tote. Der...