Gemischtes

Bertelsmann wirft Pirincci aus dem Programm

Lesezeit: 2 min
22.10.2015 12:49
Der Bertelsmann-Verlag stoppt die Auslieferung der Krimis von Akif Pirincci.
Bertelsmann wirft Pirincci aus dem Programm
Akif Pirinccis Katzenroman Felidae erschien bei Bertelsmann. (Foto: Goldmann)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Akif Pirinccis Rede vor der Pegida war, wie an dieser Stelle unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, das Widerlichste, was man in den vergangenen Jahrzehnten auf einem öffentlichen Platz in Deutschland hören konnte. Es kann auch keine Entschuldigung sein, dass Pirincci im Nachhinein sagt, er habe geglaubt, auf einer Lesung bei seinen Fans zu sein.

Doch nun stürzen sich die Kultur-Eliten des Landes auf den kleinen Akif, als wäre er wie ein Alien gelandet. Der Spiegel leistet sich die Ferndiagnose und erklärt Pirincci zwischen den Zeilen für geisteskrank. Der Bertelsmann-Verlag teilt mit, dass er auch seine Katzen-Krimis aus der Serie „Felidae“, die Pirincci seit Jahren schreibt und die nichts mit Politik zu tun haben, nicht mehr ausliefern wird.

Bertelsmann wörtlich:

„Die Verlage Diana, Goldmann und Heyne der deutschen Verlagsgruppe Random House distanzieren sich entschieden von rechtsradikalen Aussagen des Autors Akif Pirinçci auf der ,Pegida‘-Kundgebung in Dresden am vergangenen Montagabend… Als Reaktion auf die ,inakzeptablen Äußerungen‘ würden die bei der Verlagsgruppe lieferbaren Bücher von Akif Pirincci, insgesamt sechs Titel, mit sofortiger Wirkung gesperrt und nicht mehr angeboten.“

Princci schreibt sein krudes Zeug seit vielen Jahren. Er hat in Dresden nichts anderes gesagt, als er schreibt. Das ist überall nachzulesen. In seinen Büchern, auf seiner Website. Pirincci hat bei der Pegida nichts Neues gesagt. Das Zeug ist schrecklich, und man muss sich fragen, was sich die Lektoren der Verlage gedacht haben, als sie dieses Zeug allen Ernstes durchgewunken haben. Aber sobald es einer druckt und andere es lesen, dann ist es so. Es darf keine Grenzen der freien Meinungsäußerung geben.

Es ist in erster Linie der Pegida anzulasten, dass sie Pirincci eingeladen hat. Denn die Organisatoren hätten vorhersehen müssen, dass die wirren Texte, werden sie wörtlich als politische Rede vorgetragen, eine verheerende Wirkung haben müssen. Lutz Bachmanns Distanzierung von Pirincci („Es tut mir ja so leid, ich hätte sofort das Mikro abschalten sollen, schluchz!“) ist eine üble Charakterlosigkeit, die nur unterstreicht, dass die von 30.000 Dresdnern vorgetragenen Anliegen bei der „Pegida“ in den falschen Händen sind.

Natürlich haben auch die Bertelsmänner von Pirinccis politischen Büchern gewusst und deren Inhalte gekannt. Doch sie haben sich weggeduckt und mit Pirinccis Katzen-Krimis weiter Geld verdient. Denn tatsächlich nehmen all die Verlage die „Risiken und Nebenwirkungen“ von Krawallmachern gerne in Kauf, solange die Kasse stimmt. Über Nacht entdeckt dann Gütersloh plötzlich seine Funktion als antifaschistischer Schutzwall – wobei die Konzernleute die Rede von Pirincci vermutlich überhaupt nicht gehört haben. Denn „rechtsradikal“ war sie nicht, sie war rassistisch. Viele Medien haben bei dem aus dem Zusammenhang und ins Gegenteil verkehrten „KZ-Vergleich“ offenbar abgeschaltet.

Bertelsmann hätte als Verlag die Verantwortung gehabt, nach Pirinccis erstem kruden Polit-Buch den Autor zu rufen, ihm zu erklären, dass diese Bücher keine Literatur sind – die sprachliche Qualität ist zu schlecht. Sie hätte ihm sagen müssen, dass das auch keine Provokation ist, sondern Rassismus. Und dann hätten sie ihm vorher sagen müssen: Lass das sein, oder wir können dich nicht weiter verlegen. Dann hätte Pirincci immer noch entscheiden können: Will ich pöbeln oder Geld verdienen?

Stattdessen will ihm Bertelsmann die Lebensgrundlage entziehen und auch seine Katzen-Krimis nicht mehr ausliefern. Diese Bücher haben mit dem Polit-Pöbler Pirincci nichts zu tun. Die Bertelsmänner sollten diese Aktion noch einmal überdenken, denn es ist in der Tat eine totalitäre Geste: Die Maßnahme erfolgt nämlich nicht aus der Verantwortung eines Verlegers seinem Autor gegenüber, sondern aus Angst davor, dass der mediale Volkszorn die Geschäftstätigkeit des Konzerns beeinträchtigen könnte.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Marktbericht
Marktbericht Mit digitalem Gold auf Erfolgskurs

Die Vervielfachung der Geldmenge hat enorme Auswirkungen. Die Inflation ist nicht mehr aufzuhalten. Auf der anderen Seite zeichnet sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Bankenverband-Studie: Kreditnachfrage der Unternehmen rückläufig

Die Banken in Deutschland rechnen mit einer weiterhin schwachen Kreditnachfrage.

DWN
Politik
Politik Ostdeutsche Ministerpräsidenten für Ende der Russland-Sanktionen

Nach Ansicht von Sachsens Ministerpräsident Kretschmer haben Sanktionen als Instrument der Politik keine Zukunft. Und laut Sachsen-Anhalts...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chemnitzer Tec-Schmiede bekämpft mit Anti-Fälschungs-Code afrikanische Malaria-Mafia

In Afrika hat sich eine Mafia herausgebildet, die Milliarden an gefälschten Medikamenten verdient. Jetzt hat ein deutscher Mittelständler...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Börse wurde in einen Zirkus verwandelt

Die Finanzwelt hat sich meilenweit von der Realwirtschaft entfernt. Die Gründe für diese Entwicklung sind einfach – und erschreckend...

DWN
Politik
Politik China behauptet: Menschenrechte werden vom Westen als Instrument politischer Manipulation eingesetzt

Chinesische Staatsvertreter sind empört über westliche Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen. Diese Länder sollten sich angesichts...

DWN
Politik
Politik Corona-Masken-Affäre: Razzia bei Vize-Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Der Vize-Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Georg Nüßlein, steht nach Angaben der „Bild-Zeitung“ im Verdacht, einem...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Ausverkauf geht weiter: Nächster deutscher Hightech-Konzern wird vom Ausland übernommen

Trotz ständigen Bekundungen der Bundesregierung, strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen, geht der...

DWN
Politik
Politik Lassen Mitglieder der Bundesregierung kritische Journalisten ausspähen?

Einem Bericht zufolge ließ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Journalisten „ausforschen“. Der Deutsche Journalisten-Verband ist...

DWN
Deutschland
Deutschland Groß-Razzia gegen Salafisten in deutscher Hauptstadt – Hunderte Polizisten im Einsatz

Die Polizei in Berlin und Brandenburg durchsucht am frühen Morgen zahlreiche Wohnungen. Dabei geht es um eine radikal-islamistische...

DWN
Deutschland
Deutschland Hamburger Hafen lässt die Krise hinter sich

Im Hamburger Hafen kommt der Seegüterumschlag nach dem Corona-bedingen Einbruch wieder in Fahrt. Denn sein größter Handelspartner China...

DWN
Politik
Politik EU-Gipfel berät über Impfstoffproduktion und digitalen Impfpass

Die 27 Staaten der Europäischen Union wollen auf ihrem Gipfeltreffen das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie absprechen. Unter anderem...

DWN
Politik
Politik Armenien: Premier wirft Militär Putschversuch vor

Das armenische Militär forderte am Donnerstag laut lokalen Medien den Rücktritt von Premierminister Nikol Pashinyan.

DWN
Finanzen
Finanzen Dax: Das lange Warten auf die US-Konjunkturdaten am Nachmittag

Die deutschen Börsen haben sich heute Morgen kaum bewegt. Später werden wichtige Konjunkturdaten aus den USA veröffentlicht.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zwischen Russland und Saudi-Arabien bahnt sich ein neuer Ölpreis-Krieg an

Im März findet das nächste Treffen der OPEC + statt. Während Saudi-Arabien die Öl-Produktion weiter drosseln will, plädiert Russland...