Finanzen

Rüstungs-Konzern Heckler & Koch kämpft gegen massive Schulden

Lesezeit: 2 min
18.11.2015 00:17
Der Mehrheitseigner Heeschen hat 60 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen in den Waffenproduzenten Heckler & Koch investiert. Das zusätzliche Kapital soll dem Unternehmen zu einem besserem Rating verhelfen und so Zinskosten senken. Heckler & Koch hofft wegen der veränderten Nato-Sicherheitspolitik auf Großaufträge für Gewehre aus Europa.
Rüstungs-Konzern Heckler & Koch kämpft gegen massive Schulden

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Mehrheitseigentümer von Heckler & Koch will den Kritikern des Waffenherstellers mit einer millionenschweren Kapitalspritze den Wind aus den Segeln nehmen. Der mit 51 Prozent an dem schwäbischen Unternehmen beteiligte Investor Andreas Heeschen hat nach eigenen Angaben 60 Millionen Euro Eigenkapital aus seinem Privatvermögen zugeschossen, um die Nettoverschuldung zu senken. „Wir müssen das schlechte Image korrigieren“, sagte der als öffentlichkeitsscheu geltende Heeschen der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Heckler & Koch werde von Ratingagenturen derzeit mit „CCC“ bewertet, was auf ein hohes Ausfallrisiko seiner Schulden hindeutet.

„Das stört mich, rein emotional - und auch die Kunden“, sagte Heeschen. „Die Konkurrenz nutzt das aus.“ Behörden, mit die wichtigsten Kunden von Heckler & Koch, ließen sich davon verunsichern. Ziel sei es, dem Unternehmen wieder zu einem „B“-Rating zu verhelfen, sagte der 54-Jährige. „Mit einem 'B' sind sie wieder salonfähig.“ Dazu wolle er die Schulden von bisher 300 Millionen Euro drücken. „Wir müssen rund 100 Millionen abbauen.“ So ließen sich die Zinskosten um ein Drittel senken. Die mit fast zehn Prozent verzinste Anleihe läuft 2018 aus, Heeschen will sie aber ein Jahr früher refinanzieren.

Die Ratingagenturen hatten angesichts eines Gewinneinbruchs im vergangenen Jahr Zweifel geäußert, ob der Mittelständler seine 295 Millionen Euro schwere Hochzinsanleihe noch bedienen könne. Das Waffen-Exportverbot in den Mittleren Osten habe den operativen Gewinn (Ebitda) 2014 auf rund 25 (2013: 60) Millionen Euro gedrückt, sagte Heeschen. Der auf rund 150 Millionen Euro geschrumpfte Umsatz soll in diesem Jahr auf 180 Millionen Euro steigen.

Heeschen macht sich Hoffnung auf Großaufträge für Gewehre aus Frankreich und Deutschland. „Wir wollen die Veränderungen in der Sicherheitspolitik der Nato nutzen“, sagte er. „Wir brauchen mehr Handfeuerwaffen als uns lieb ist.“ Heckler & Koch hatte sich im Juli fast unbemerkt an der Pariser Börse Euronext listen lassen, allerdings ohne frisches Geld einzusammeln. Der Schritt sei mit Blick auf die Ausschreibung für ein Sturmgewehr für die französische Armee auch als Marketing-Instrument zu sehen, sagte Heeschen. Die Bundeswehr sucht einen Nachfolger für das Heckler & Koch-Gewehr G36, das im Frühjahr in die Kritik geraten war. Der Manager sieht das G36 rehabilitiert: „Politisch ist das durch.“

Der 2002 bei Heckler & Koch eingestiegene Heeschen hatte im Februar selbst die Führung übernommen und war von London an den Firmensitz in Oberndorf am Neckar umgezogen. Noch in diesem Jahr soll ihn der frühere Rheinmetall -Manager Nicola Marinelli ablösen. Eine Kapitalerhöhung, um Investoren an Bord zu nehmen, sei derzeit kein Thema, sagte Heeschen. „Nicht jetzt. Frühestens im Mai 2017.“ Einen Kauf anderer Waffenhersteller schloss er aus. „Es gibt keine Firma, die zu uns passt.“


Mehr zum Thema:  

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik Deutsche Investitionen bedroht: Würth äußert sich besorgt über AfD-Erfolg
15.06.2024

Der Unternehmer Reinhold Würth äußerte Enttäuschung über das Abschneiden der AfD bei der Europawahl, insbesondere in Künzelsau, wo...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt weiter - Hoffnung auf Trendwende schwindet
15.06.2024

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt weiter an, ohne Anzeichen einer baldigen Trendwende. Experten prognostizieren...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Hauptquartier: Amerikaner übergeben Nato-Mission ausgerechnet Deutschland
14.06.2024

Die Nato plant, die internationalen Waffenlieferungen und Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte zu koordinieren. Deutschland fällt...

DWN
Politik
Politik Die Bahn kommt: Bund und Länder einig über Sanierungskosten und Ertüchtigung
14.06.2024

Vor lauter Hiobsbotschaften von der Bahn gehen manchmal die wirklich wichtigen Nachrichten unter. Bund und Länder haben sich diese Woche...

DWN
Politik
Politik Die DWN-Chefredaktion kommentiert: Warum Deutschland bei Abschiebungen Zeit verschwendet
14.06.2024

Liebe Leserinnen und Leser, jede Woche gibt es ein Thema, das uns in der DWN-Redaktion besonders beschäftigt und das wir oft auch...

DWN
Immobilien
Immobilien ZIA-Immobilientag 2024: Krise in der Baubranche „ist noch gar nicht richtig angekommen“
14.06.2024

Beim jährlichen „Tag der Immobilienwirtschaft“ des Spitzenverbands der deutschen Immobilienwirtschaft (ZIA) diese Woche war ein...

DWN
Politik
Politik Waffenruhe Ukraine: Putin nennt Verzicht auf NATO-Mitgliedschaft als Bedingung
14.06.2024

Russlands Präsident Wladimir Putin bietet eine Waffenruhe in der Ukraine an, stellt dafür aber klare Bedingungen auf: Die Ukraine muss...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft EU-Strafzölle treffen auch Tesla: Warnung vor Preiserhöhungen
14.06.2024

Obwohl Tesla eine Fabrik in Grünheide hat, importiert das Unternehmen den Bestseller Model 3 aus Shanghai nach Deutschland. Jetzt...