Finanzen

Weniger Nachfrage aus der EU: Chinas Exporte sinken deutlich

Lesezeit: 2 min
08.12.2015 10:24
Die chinesischen Exporte fallen stärker als zuletzt erwartet. China macht besonders die sinkende Nachfrage aus der EU zu schaffen. Doch auch die Importe gehen den 13. Monat in Folge zurück.
Weniger Nachfrage aus der EU: Chinas Exporte sinken deutlich
Der Dax am Dienstag. (Grafik: ariva.de)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Exportweltmeister China bekommt die globale Konjunkturschwäche immer stärker zu spüren: Im November schrumpften die Ausfuhren bereits den fünften Monat in Folge. Sie sanken um 6,8 Prozent zum Vorjahresmonat, wie aus den am Dienstag veröffentlichten Daten der Zollverwaltung hervorgeht. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Minus von fünf Prozent gerechnet. Die Importe nahmen bereits den 13. Monat in Folge ab. Auch wenn das Minus mit 8,7 Prozent nicht so stark ausfiel wie erwartet, signalisiert es doch einen schwächelnden Binnenmarkt.

China macht besonders die sinkende Nachfrage aus anderen Schwellenländern und der EU zu schaffen. „In den USA läuft es noch ganz okay“, sagte Analyst Wang Jianhui vom Finanzhaus Capital Securities in Peking. „Aber die Probleme in den Schwellenländern sind ziemlich groß.“ Die Exporte in die Europäische Union - dem wichtigsten Handelspartner der Volksrepublik - gingen im November um 9,0 Prozent zurück. Die Importe aus der EU fielen sogar um 9,2 Prozent.

Die schwächere Nachfrage aus der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt spüren längst auch die deutschen Unternehmen: Erstmals seit 1997 könnten ihre China-Exporte in diesem Jahr fallen. In den ersten neun Monaten gaben sie bereits um rund drei Prozent auf knapp 54 Milliarden Euro nach.

Nach dem jahrelangen Boom steuert China 2015 auf das schwächste Wachstum seit einem Vierteljahrhundert zu. Die Regierung peilt ein Plus von sieben Prozent an - nach 7,3 Prozent im Vorjahr. Ökonomen erwarten für 2016 nur noch ein Plus von 6,5 Prozent. Regierung und Zentralbank stemmen sich gegen die Abkühlung. Peking investiert verstärkt in die Infrastruktur, um die Konjunktur anzuschieben. Umgerechnet 412 Milliarden Euro sollen in den Ausbau des Schienennetzes fließen. Die Zentralbank flankiert diese Maßnahmen mit Zinssenkungen.

Die Auswirkungen auf die Börsen: Der Dax verlor am Dienstag 0,8 Prozent auf 10.800 Zähler, der EuroStoxx50 gab 0,9 Prozent nach. In Tokio verlor der Nikkei rund ein Prozent auf 19.492 Punkte. In Shanghai beendete die Börse den Handel mit einem Minus von 1,9 Prozent. Auch in Hongkong ging es 1,8 Prozent nach unten.

Chinas Staatsführung versucht, ein nachhaltigeres Wirtschaftsmodell zu schaffen - und nimmt dafür auch geringeres Wachstum in Kauf. Ziel ist es, die Binnennachfrage zu stärken. Das Wirtschaftswachstum des Landes war im dritten Quartal erstmals seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 unter die Sieben-Prozent-Marke gefallen. Von Juli bis September legte das BIP nur um 6,9 Prozent zu.

Präsident Xi Jingping sagte Anfang November, in den nächsten fünf Jahren solle das BIP von China jährlich „mindestens um 6,5 Prozent“ wachsen. Bislang galten 7,0 Prozent Wachstum als Ziel. Doch auch ein jährliches Plus von mindestens 6,5 Prozent könne dafür sorgen, die 70,17 Millionen Chinesen in ländlichen Gebieten, die im vergangenen Jahr in Armut lebten, aus dieser Lage zu befreien, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua Anfang November den Staatschef.


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Merz vs. Scholz: Mit Marktwirtschaft und Gesetzen der Physik die Bahn retten - vor 2070
22.07.2024

Es war ein bemerkenswertes Statement im Format des „Sommer-Interviews“. CDU-Parteichef Friedrich Merz hat vorgeschlagen (und der Bahn...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Taiwans Chipindustrie: Milliarden gegen Chinas Bedrohung und Trumps Forderungen
22.07.2024

Aus Sorge vor einer chinesischen Invasion investieren Taiwans Chipfirmen Milliarden in neue Fabriken im Ausland. Die Bedenken sind nicht...

DWN
Politik
Politik Russischer Geheimdienst: Explosivstoffe in deutschen Paketen entdeckt
22.07.2024

Moskau beschuldigt die Führung in Kiew immer wieder, Sabotage- und Terroranschläge in Russland zu organisieren. Jetzt soll ein konkreter...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Varta setzt auf drastische Maßnahmen: Alt-Aktionäre sollen gehen
22.07.2024

Der Batteriehersteller ergreift drastische Maßnahmen und wählt ein Verfahren, das verhindern soll, dass ein operativ gesunder Betrieb in...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Pekings Wirtschaftskurs sorgt für Frustration bei deutschen Firmen
22.07.2024

Das „Dritte Plenum“ sollte eigentlich für Aufbruchstimmung sorgen. Doch aus der Perspektive deutscher Firmen blieben die Beschlüsse...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Frauen in Führung: Anteil in deutschen Börsenunternehmen auf Rekordniveau
22.07.2024

Im Mai 2024 lag der Frauenanteil in den Aufsichtsräten deutscher Dax-Unternehmen bei 37,3 Prozent und in den Vorständen bei 19,3 Prozent,...

DWN
Technologie
Technologie Hightech, statt Handarbeit: Ein Blick in die Zukunft der Landwirtschaft
22.07.2024

Neue Anbaumethoden und Technologien verändern die Art und Weise, wie wir Lebensmittel produzieren. Ob KI-gestützte Wettervorhersagen,...

DWN
Technologie
Technologie E-Auto-Batterien: Wahrheit hinter dem CO2-Mythos
22.07.2024

Obwohl die Herstellung von E-Auto-Batterien viel Energie erfordert, weist ein Elektroauto über seine gesamte Lebensdauer hinweg eine...