Politik

Eskalation: Offener Schlagabtausch aller Kriegsparteien in Aleppo

Lesezeit: 1 min
15.04.2016 02:03
In der syrischen Stadt Aleppo toben schwere Kämpfe zwischen allen Kriegsparteien. Die Terror-Miliz ISIS geht erfolgreich gegen pro-türkische Söldner vor. Die Russen und Syrer hingegen führen im Norden von Aleppo Luftschläge gegen die al-Nusra-Miliz durch. Die UN ist angesichts der Eskalation „frustriert“ und „enttäuscht“.
Eskalation: Offener Schlagabtausch aller Kriegsparteien in Aleppo
In der Provinz Aleppo befindet sich ein von den Kurden kontrolliertes Gebiet inmitten von Gebieten, die von den bewaffneten Anti-Assad-Milizen kontrolliert wird. (Screenshot)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Neue Kämpfe an mehreren Fronten um die Stadt Aleppo haben die fragile Waffenruhe für Syrien und die Friedensverhandlungen in Frage gestellt. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, beklagte zudem ernsthafte Schwierigkeiten bei der humanitären Versorgung der Bevölkerung in dem Bürgerkriegsland.

Bewaffnete „Oppositionelle“ und Kämpfer der Terror-Miliz ISIS lieferten sich am Donnerstag Bodenkämpfe um die Kontrolle einzelner Gebiete der Provinz Aleppo.

ISIS hat am Donnerstagabend im Norden der Provinz Aleppo Hawar Killis und mehrere Dörfer von der pro-türkischen Freien Syrischen Armee (FSA) und der al-Nusra-Miliz eingenommen, die direkt an der Grenze zur Türkei liegen. Dieser Vorstoß von ISIS hat dazu geführt, dass die Gebiete der pro-türkischen Söldner gespalten wurden. Die Verbindung zwischen den FSA-Gebieten im Nordosten und im Nordwesten wurde somit von ISIS gekappt, berichtet die International Business Times. Besonders intensiv waren demnach die Kämpfe bei Handarat, einem bergigen Gebiet entlang einer Straße, die aus dem von der FSA und der al-Nusra-Miliz kontrollierten Stadtgebiet nach Norden führt.

Almasdar News meldet, dass auch in der Stadt Aleppo selbst heftige Kämpfe ausgebrochen seien.

Der IS meldet den Abschuss eines syrischen Kampfjets, wofür allerdings keine Bestätigung vorliegt. Die Meldung vom Abschuss einer russischen Maschine wird von Moskau dementiert, nachdem dies von einer Website aus Katar behauptet worden war:

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Zeitgleich greift auch die russische Luftwaffe und die syrische Armee (SAA) die FSA und die al-Nusra-Milizen im Norden von Aleppo an. Die Luftschläge sollen massiv sein. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP im Ostteil Aleppos berichtete, die Einschläge der Luftangriffe seien den ganzen Tag über zu hören gewesen, die Stadt selbst sei aber nicht getroffen worden.

In Washington zeigte sich ein ranghoher Regierungsvertreter „sehr besorgt über Informationen über eine Offensive bei Aleppo“. Dadurch könne die Waffenruhe brechen, die fast sieben Wochen gehalten habe, zuletzt aber „unter zunehmendem Druck“ gestanden habe, sagte er AFP. Der US-Vertreter forderte Russland erneut auf, „jede provokative Handlung in Syrien zu unterlassen“.

Unterdessen sagte der UN-Sondergesandte Mistura in Genf, die zuständige Arbeitsgruppe sei „frustriert“ und „enttäuscht“ vom Stand der Hilfslieferungen in besetzte Gebiete im Syrien-Konflikt. Es sei bislang nicht gelungen, Konvois in die Orte Duma, Daraja und Harasta zu schicken. Für andere Orte wie Sabadani, Kefraja und Fua müsse noch mehr getan werden.

Indes sei es dem Welternährungsprogramm (WFP) gelungen, drei Ladungen an Hilfsgütern in die Stadt Deir Ezzor zu bringen, wo mehr als 200.000 Menschen eingeschlossen sind. Die Stadt wird von ISIS belagert.

Von Damaskus habe er außerdem die Zusage erhalten, Medikamente verteilen zu dürfen, sagte der UN-Gesandte. De Mistura äußerte sich am Rande der Friedensgespräche für Syrien, die am Mittwoch unter UN-Vermittlung in Genf wieder aufgenommen worden waren.

In Syrien gilt seit Ende Februar eine Waffenruhe, von der jedoch Angriffe auf Extremisten wie ISIS sowie die al-Nusra-Miliz ausgenommen sind.

Besonders in der Provinz Aleppo waren die Kämpfe zwischen pro-türkischen Söldnern und Milizen der FSA und ISIS-Kämpfern nahe der Grenze zur Türkei in den vergangenen Tagen wieder heftiger geworden (mehr dazu hier). Saudi-Arabien hatte zuvor damit gedroht, islamistische Söldner mit Boden-Luft-Raketen auszustatten, damit diese Jets der Syrer und Russen abschießen können.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik 2021: Jahr der Wahlen - oder der Wählertäuschungen?

2021 ist das Jahr der großen Wahlen. Doch eigentlich ist es egal, für wen sich die Wähler entscheiden, schreibt DWN-Gastautor Henrik...

DWN
Politik
Politik Jens Spahn: Ein Mann und seine Abenteuer

Die bisherige Karriere von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn ist aufregend verlaufen. Die DWN zeichnen die wichtigsten Stationen...

DWN
Politik
Politik Merkel stellt Verbindung zwischen Pandemie und Umweltschutz her – drohen uns nun Klimabeschränkungen?

Angela Merkel zufolge erhöht die Zerstörung der Natur die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern wie das Corona-Virus. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Höhere Inflation im Anmarsch - ein gutes Omen für Gold

Während viele andere Geldanlagen zuletzt starke Gewinne verzeichneten, zeigte Gold eine auffällige Schwäche. Doch dies dürfte sich nun...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Westeuropas Automarkt stürzt auf 30-Jahres-Tief

Dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer zufolge wird auch 2021 ein rabenschwarzes Jahr für Europas Autobranche.

DWN
Politik
Politik Opposition: Bundesregierung will Mitsprache des Bundestags bei Corona in speziellem Gremium „versenken“

Die Oppositionsparteien FDP und Grüne kritisieren Pläne der Bundesregierung zur Bildung eines speziellen Gremiums.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Verfassungsrechtler und Banker warnen: Green Deal der EU nur mit Ökodiktatur möglich

Ein Ex-Bundesverfassungsrichter warnt davor, dass Deutschland und Europa in eine „Öko-Diktatur“ abgleiten könnte. Doch auch Analysten...

DWN
Politik
Politik Steinmeier erwägt staatliche Regulierung der sozialen Medien im Namen der Freiheit und der Demokratie

Bundespräsident Steinmeier meint: „Die Demokratien der Welt müssen ihre Verfasstheit auch im Digitalen sichern, gegen Feinde von innen...

DWN
Finanzen
Finanzen Springt die US-Notenbank als Retter ein, wenn es zum Preis-Krach beim Bitcoin kommt?

Ein Finanzanalyst spricht von einem „Bitcoin-Casino“, bei dem der Preis über eine „Buy & Hype“-Taktik künstlich in die Höhe...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Held von Hanoi: Mann rettet Mädchen nach Sturz aus dem 12. Stockwerk

Vietnam feiert einen Lastwagenfahrer, der einem aus einem Hochhaus stürzenden Kind das Leben gerettet hat.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Trotz Brexit: RWE bringt in Großbritannien Schlüsselprojekt für Windenergie voran

Viele deutsche Industrieunternehmen stehen zwar wegen des Brexits unter Druck. Doch nicht so der Energiekonzern RWE, für den...

DWN
Finanzen
Finanzen City of London fürchtet Abzug des billionenschweren Derivategeschäfts in die EU

In der City of London liegen die Nerven blank. Den Verlust kleinerer Märkte an den Kontinent nahm man noch hin, nun droht mit einem...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Wird die OPEC+ die Ölproduktion erhöhen?

Es gibt einige Hinweise darauf, dass die OPEC+ am Donnerstag die Ölproduktion ankurbeln wird. Russland unterstützt dieses Vorhaben,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona-Rezession wie Zweiter Weltkrieg – der Tod des Gastgewerbes ist beschlossene Sache

Die aktuelle Corona-Rezession weist große Ähnlichkeiten mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf. Aus einem...