Gemischtes

Abgase: VW will 500.000 Autos zurückkaufen

Lesezeit: 2 min
21.04.2016 09:27
Volkswagen ist offenbar dazu bereit, etwa eine halbe Million Dieselfahrzeuge in den USA zurückzukaufen, bei denen eine Software zur Manipulation der Abgaswerte eingesetzt wurde. Zusätzlich bietet VW angeblich Entschädigungen und Reparaturen für amerikanische Kunden an.
Abgase: VW will 500.000 Autos zurückkaufen

Mehr zum Thema:  
Auto >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Auto  

Volkswagen hat Insidern zufolge in der Abgasaffäre ein Rahmenabkommen für eine Einigung mit den US-Behörden getroffen, wie Reuters meldet. Der deutsche Autobauer werde beim zuständigen US-Gericht an diesem Donnerstag voraussichtlich anbieten, bis zu 500.000 manipulierte Dieselfahrzeuge mit 2,0-Liter-Motoren zurückzukaufen, sagten in den Vorgang eingeweihte Personen am Mittwoch. Alternativ werde Kunden womöglich auch eine Reparatur angeboten, sofern die US-Aufseher dafür grünes Licht geben sollten.

In beiden Fällen würden die Besitzer der Autos eine zusätzliche Entschädigung erhalten, wofür ein Fond mit einem Volumen von vermutlich mehr als einer Milliarde Dollar eingerichtet werde. Die Zeitung Die Welt berichtete unter Berufung auf Verhandlungskreise, jeder US-Halter eines VW-Modells, das mit einer beanstandeten Software ausgestattet sei, solle 5000 Dollar Entschädigung erhalten. Davon unabhängig müsse VW die Kosten für die Umrüstung des jeweiligen Autos tragen.

In den USA läuft an diesem Donnerstag eine vom Bezirksgericht in San Francisco gesetzte Frist aus, bis zu der sich Volkswagen mit den Behörden geeinigt haben muss. Der Konzern verhandelt seit Monaten mit der Umweltbehörde EPA und deren kalifornischem Pendant CARB über die Reparatur oder den Rückkauf von manipulierten Autos in den USA. Sollte ein Kompromiss scheitern, droht im Sommer ein Prozess. Volkswagen muss wegen des Dieselskandals Insidern zufolge in seiner Bilanz 2015 Belastungen von mindestens zehn Milliarden Euro verkraften. Der genaue Betrag hänge vom Ausgang der Gespräche mit den US-Behörden ab.

Eine Einigung wäre für VW ein wichtiger Schritt, denn dann könnte sich besser absehen lassen, wie viel Geld VW für den Skandal letztendlich insgesamt zur Seite legen muss. Die Berichte über ein Abkommen kamen nach Börsenschluss in Deutschland. In den USA gehandelte VW-Aktien legten fast sechs Prozent zu.

Eine mit der Einigung vertraute Person sagte, die Besitzer betroffener Fahrzeuge würden etwa zwei Jahre Zeit bekommen, um zu entscheiden, ob sie ihr Auto verkaufen oder reparieren lassen wollen. Im Falle eines Rückkaufs werde geschätzt, welchen Wert das Fahrzeug hatte, bevor der Skandal im September 2015 publik wurde. Unklar blieb, ob VW die zurückerworbenen Autos weiterverkaufen darf.

Eine endgültige Einigung werde zudem einen Umweltentschädigungsfonds vorsehen. Ob mit dem Abkommen auch das zivilrechtliche Verfahren beigelegt wird, das das US-Justizministerium gegen VW im Januar anstrengte, oder ob der Konzern der Zahlung eines Bußgeldes zustimmen wird, war nicht klar. Volkswagen, die EPA und das US-Justizministerium lehnten Stellungnahmen ab.

Einige Details mussten den Insidern zufolge noch ausgearbeitet werden. Die Welt berichtete, anders als zunächst erwartet werde mit dem Vergleich kein detaillierter Plan zur Umrüstung der in den USA betroffenen Autos vorgelegt. Auch die Strafen und Wiedergutmachungsmaßnahmen seien nicht in allen Einzelheiten geregelt. „Es handelt sich vielmehr um eine Art Eckpunktepapier, in dem die große Linie für die kommenden Monate festgelegt ist und an dem weitergearbeitet wird“, wird ein Prozessbeteiligter zitiert. Einzelheiten würden demnach nach dem Gerichtstermin in San Francisco noch nicht mitgeteilt. Alle Beteiligten hätten Stillschweigen vereinbart.

Christopher Rother, der deutsche Partner des US-Anwalts Michael Hausfeld, sagte laut Welt, die Abmachungen für US-Kunden sollten zum Maßstab für Entschädigungen von deutschen VW-Besitzern gemacht werden. Die Kanzlei Hausfeld vertritt der Zeitung zufolge Kläger im Sammelprozess gegen Volkswagen in den USA.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


Mehr zum Thema:  
Auto >

DWN
Politik
Politik „Widerstand als Pflicht“? Was das Hitler-Attentat uns heute lehrt
20.07.2024

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius ist sich sicher: „Die Widerstandskämpfer des 20. Juli sind ein Vorbild für alle“. Aber...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Weniger Bier und trotzdem zu viel Hopfen
20.07.2024

Weltweit ist vergangenes Jahr weniger Bier produziert worden - der Hopfen aber gedieh prächtig. Somit verschärfte sich die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Chinas Doppelrolle in der WTO: Entwicklungsland und Wirtschaftsmacht
20.07.2024

Die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) rief vor über 50 Jahren die Industrieländer dazu auf,...

DWN
Politik
Politik Der Chefredakteur kommentiert: Verbot des Compact-Magazins - Schutz der Demokratie oder Angriff auf die Freiheit?
19.07.2024

Liebe Leserinnen und Leser, jede Woche gibt es ein Thema, das uns in der DWN-Redaktion besonders beschäftigt und das wir oft auch...

DWN
Politik
Politik Zukunft der Marine: Pistorius denkt über zusätzliche U-Boote nach
19.07.2024

Die U-Boote spielen eine zentrale Rolle in der Marine. Deutschland hat bereits zusätzliche Boote in Auftrag gegeben. Wird trotz der...

DWN
Immobilien
Immobilien BGH-Urteil: Siegreiche Eigentümer müssen nun auch Prozesskosten tragen!
19.07.2024

Streitigkeiten sind in Wohnungseigentümergemeinschaften keine Seltenheit und landen oft vor Gericht. Müssen die siegreichen Parteien dann...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft IT-Ausfälle weltweit: Flughäfen, Banken und Kliniken teilweise im Chaos - Ursache gefunden
19.07.2024

Flugzeuge am Boden, Fernsehsender zeigen nur Standbilder, Operationen abgesagt: Es kommt selten vor, dass ein Computerproblem globale...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Düstere Prognose für Deutschland: IWF senkt Wachstumserwartung!
19.07.2024

Die Konjunktur in Deutschland bleibt anscheinend auch 2024 Schlusslicht. Der IWF sieht nur ein Wachstum von 0,2 Prozent und langfristig...