Politik

Chinas Staatsbank kauft Groß-Tresor für Gold in London

Lesezeit: 1 min
20.05.2016 01:27
Die staatliche chinesische Industrial and Commercial Bank of China hat einen der weltweit größten Tresorkomplexe für Gold in London erworben. Es ist der vorerst letzte Schritt einer Reihe von Maßnahmen, mit denen das Land seinen Einfluss auf den Handel mit physischen Edelmetallen ausgeweitet und seine Währung gegen den Dollar positioniert hat.
Chinas Staatsbank kauft Groß-Tresor für Gold in London

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Ein Zweig der staatlichen chinesischen Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) hat einen der weltweit größten Tresorkomplexe zur Lagerung von Edelmetallen erworben, wie Financial Times berichtet. Verkäufer ist die britische Barclays Bank, die den hochmodernen Hochsicherheitsraum vor vier Jahren eröffnet hatte. In der Anlage kann nach Informationen von Financial Times Gold im Wert von rund 80 Milliarden Dollar gelagert werden. Das Fassungsvermögen beträgt der BBC zufolge rund 2000 metrische Tonnen. Einzelheiten zu dem Verkauf wurden nicht veröffentlicht.

Mit dem Kauf weitet ICBC und damit die chinesische Regierung ihren Einfluss auf die Lagerung, den Handel und die Preissetzung für Gold und andere Edelmetalle aus. Obwohl China mit rund einem Viertel der globalen Nachfrage der größte Abnehmer physischen Goldes ist, spielen die Standorte New York und insbesondere London bei der Zahlungsabwicklung und der Preisfestsetzung noch immer eine dominante Rolle. Im vergangenen Jahr wurden in London Gold-Transaktionen im Gesamtwert von etwa 5 Billionen Dollar abgewickelt.

Der Kauf des Tresorraums stellt den vorerst letzten Schritt einer Reihe von Maßnahmen dar, mit denen China seinen Einfluss im Goldmarkt ausgeweitet hat. Vergangene Woche erst wurde die ICBC-Tochtergesellschaft ICBC Standard Bank Mitglied eines wichtigen Abwicklungssystems für Edelmetalle in London. Das von der London Precious Metals Clearing Limited betriebene Abwicklungszentrum organisiert den digitalen Handel und die Zahlungsabwicklung für Handelspartner auf der ganzen Welt. Seit dem Jahr 2005 war keine Bank diesem Konsortium mehr beigetreten.

Im April wurde bekannt, dass die ICBC zusammen mit der Hongkonger Chinese Gold and Silver Exchange Society und der südchinesischen Stadt Shenzhen den Aufbau eines großen Handels- und Lagerzentrums für Gold plant.

Zudem hatte die Edelmetallbörse Shanghai Gold Exchange ebenfalls im April zum ersten Mal den Goldpreis in der Landeswährung Yuan bestimmt. Der Preis wird seitdem zweimal täglich von 18 Finanz- und Handelsinstitutionen bestimmt – neben 15 chinesischen auch von drei ausländischen (der britischen Standard Chartered Bank, der australisch-neuseeländischen ANZ Bank sowie vom Schweizer Goldhandelshaus MKS). Die Einführung eines Goldpreises in Yuan ist nicht nur ein Angriff gegen das Handelszentrum London, an dem der Referenzpreis für Gold in Dollar bestimmt wird. Durch die vorangetriebene Verflechtung des Yuan mit dem Goldhandel baut China seine Landeswährung auch als globale Alternative zum Dollar auf.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Japans Notenbank droht Crash der globalen Finanzmärkte auszulösen

Namhafte Spekulanten wetten massiv auf einen Zinsanstieg in Japan, da die Notenbank keine andere Wahl zu haben scheint. Doch die globalen...

DWN
Deutschland
Deutschland Ende der EEG-Umlage: Warum Sie noch heute Ihren Strom ablesen sollten

Es sollte einmal ein großer Entlastungsschritt werden. Doch die Abschaffung der Ökostrom-Umlage reicht aus Sicht von Experten nicht aus,...

DWN
Politik
Politik Russische Hacker nehmen Europa ins Fadenkreuz: EU wappnet sich für Cyberkrieg

Allein in dieser Woche wurden bereits Institutionen zweier europäischer Länder zur Zielscheibe russischer Hacker. Etwa zeitgleich einigt...

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt eine neue Weltordnung – und wie können Anleger reagieren?

Mit China und Russland bildet sich ein neuer Gegenpol zu den USA. Anleger können sich gegen die geopolitischen Risiken nicht bloß durch...

DWN
Politik
Politik Die EU: Große Zukunft oder baldiger Zerfall?

Die EU – beziehungsweise die Reihe von Organisationen, aus denen sie hervorgegangen ist – besteht seit nunmehr 71 Jahren. Für viele...

DWN
Panorama
Panorama Globale Lebensmittelkrise treibt Millionen Menschen in die Hungersnot

Die Welt steht vor einer globalen Lebensmittelkrise. Der Krieg in der Ukraine ist dabei nur der Auslöser einer ohnehin instabilen globalen...

DWN
Deutschland
Deutschland Studie: So abhängig ist Deutschland von Rohstoff-Importen

Deutschland ist in Bezug auf Rohstoffe nicht nur völlig abhängig, sondern auch sehr anfällig. Eine Studie des Münchner ifo-Instituts...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Papierindustrie schlägt wegen Gaskrise Alarm

Die energieintensive Papierindustrie in Deutschland warnt vor dem Hintergrund der Gaskrise vor einem Produktionsstopp. Dabei geht es um die...