Finanzen

Brexit treibt Kapital in die USA: Investoren ziehen aus Europa ab

Lesezeit: 1 min
17.07.2016 01:52
Investoren beginnen damit, in großem Umfang Gelder aus Europa abzuziehen und in den USA anzulegen. Europas Aktienfonds registrierten vergangene Woche die höchsten jemals gemessenen Abflüsse. Die USA profitieren dagegen auf ganzer Linie – Aktien und Anleihen von Firmen und sogar Städten melden hohe Zuflüsse.
Brexit treibt Kapital in die USA: Investoren ziehen aus Europa ab

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Investoren beginnen damit, Gelder in hohem Umfang aus Europa abzuziehen und hauptsächlich in verschiedenen Anlageklassen in den USA zu investieren. Wie Financial Times berichtet, mussten Europas Aktienfonds in der Woche zum 13. Juli mit rund 5,8 Milliarden Dollar die höchsten Abflüsse seit Beginn der Aufzeichnungen registrieren. Der bisherige Rekord der wöchentlichen Kapital-Abflüsse vom Oktober 2014 wurde dadurch eingestellt. Das Phänomen ist nicht neu, hat sich aber intensiviert – bereits seit März registrieren die europäischen Aktienfonds Netto-Abflüsse.

Begründet wird die Entwicklung mit zunehmenden Sorgen der Investoren im Hinblick auf die Schieflage im italienischen Bankensektor. Auf diesen entfallen mit geschätzt 360 Milliarden Euro an ausfallgefährdeten Krediten rund ein Drittel aller problematischen Papiere in Europa. Kurzfristig würden rund 45 Milliarden Euro benötigt, um die betroffenen italienischen Institute zu stützen, sagen Beobachter. Über geeignete Maßnahmen ist zwischen der EU-Kommission und Ländern wie Deutschland und den Niederlanden einerseits und dem italienischen Premierminister und der EU-Bankenlobby andererseits eine Diskussion entbrannt, die für zusätzliche Unsicherheit sorgt. Ohnehin herrscht auf dem Kontinent derzeit eine hohe Unsicherheit als Folge des Entscheids der Briten, die EU zu verlassen.

Größter Profiteur der Krisen in Europa sind offenbar die USA. Die Manager ihrer Aktienfonds konnten sich über hohe Neugelder freuen. Etwa 12,6 Milliarden Dollar sollen in der vergangenen Woche in US-amerikanische Aktienfonds geflossen sei – so viel wie zuletzt im September 2015. Auch andere Anlageklassen meldeten deutliche Zuflüsse – dazu gehörten laut FT Anleihe-Fonds für Unternehmen, Städte und Kommunen sowie für Banken.

„Bedenken hinsichtlich der italienischen Banken treten auf. Die Investoren sagen sich ‚ich bin von der politischen Unsicherheit in Europa entnervt‘ und schichten ihre Gelder in US-Aktien um“, wird ein Manager der Vermögensverwaltung der UBS zitiert.

Die Aktienmärkt befinden sich rund drei Wochen nach der Brexit-Entscheidung – die kurzfristig zu hohen Verlusten geführt hatte – wieder auf hohem Niveau. Der breit gefasste US-Leitindex S&P 500 hat inzwischen ein neues Allzeithoch erreicht. Die dahinterstehende Logik der Anleger äußert sich in der Hoffnung, dass die Notenbanken durch die vom Brexit ausgelöste Konjunkturdelle zur Fortführung ihres ultraexpansiven Kurses gezwungen werden. Es besteht außerdem der Verdacht, dass Zentralbanken die Kurse durch umfangreiche Käufe künstlich in die Höhe treiben.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik 2021: Jahr der Wahlen - oder der Wählertäuschungen?

2021 ist das Jahr der großen Wahlen. Doch eigentlich ist es egal, für wen sich die Wähler entscheiden, schreibt DWN-Gastautor Henrik...

DWN
Politik
Politik Jens Spahn: Ein Mann und seine Abenteuer

Die bisherige Karriere von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn ist aufregend verlaufen. Die DWN zeichnen die wichtigsten Stationen...

DWN
Politik
Politik Merkel stellt Verbindung zwischen Pandemie und Umweltschutz her – drohen uns nun Klimabeschränkungen?

Angela Merkel zufolge erhöht die Zerstörung der Natur die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern wie das Corona-Virus. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Höhere Inflation im Anmarsch - ein gutes Omen für Gold

Während viele andere Geldanlagen zuletzt starke Gewinne verzeichneten, zeigte Gold eine auffällige Schwäche. Doch dies dürfte sich nun...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Westeuropas Automarkt stürzt auf 30-Jahres-Tief

Dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer zufolge wird auch 2021 ein rabenschwarzes Jahr für Europas Autobranche.

DWN
Politik
Politik Opposition: Bundesregierung will Mitsprache des Bundestags bei Corona in speziellem Gremium „versenken“

Die Oppositionsparteien FDP und Grüne kritisieren Pläne der Bundesregierung zur Bildung eines speziellen Gremiums.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Verfassungsrechtler und Banker warnen: Green Deal der EU nur mit Ökodiktatur möglich

Ein Ex-Bundesverfassungsrichter warnt davor, dass Deutschland und Europa in eine „Öko-Diktatur“ abgleiten könnte. Doch auch Analysten...

DWN
Politik
Politik Steinmeier erwägt staatliche Regulierung der sozialen Medien im Namen der Freiheit und der Demokratie

Bundespräsident Steinmeier meint: „Die Demokratien der Welt müssen ihre Verfasstheit auch im Digitalen sichern, gegen Feinde von innen...

DWN
Finanzen
Finanzen Springt die US-Notenbank als Retter ein, wenn es zum Preis-Krach beim Bitcoin kommt?

Ein Finanzanalyst spricht von einem „Bitcoin-Casino“, bei dem der Preis über eine „Buy & Hype“-Taktik künstlich in die Höhe...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Held von Hanoi: Mann rettet Mädchen nach Sturz aus dem 12. Stockwerk

Vietnam feiert einen Lastwagenfahrer, der einem aus einem Hochhaus stürzenden Kind das Leben gerettet hat.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Trotz Brexit: RWE bringt in Großbritannien Schlüsselprojekt für Windenergie voran

Viele deutsche Industrieunternehmen stehen zwar wegen des Brexits unter Druck. Doch nicht so der Energiekonzern RWE, für den...

DWN
Finanzen
Finanzen City of London fürchtet Abzug des billionenschweren Derivategeschäfts in die EU

In der City of London liegen die Nerven blank. Den Verlust kleinerer Märkte an den Kontinent nahm man noch hin, nun droht mit einem...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Wird die OPEC+ die Ölproduktion erhöhen?

Es gibt einige Hinweise darauf, dass die OPEC+ am Donnerstag die Ölproduktion ankurbeln wird. Russland unterstützt dieses Vorhaben,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona-Rezession wie Zweiter Weltkrieg – der Tod des Gastgewerbes ist beschlossene Sache

Die aktuelle Corona-Rezession weist große Ähnlichkeiten mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf. Aus einem...