Finanzen

China meldet Erholung: Importe steigen deutlich

Lesezeit: 1 min
08.09.2016 23:07
Im August sind die Importe nach China erstmals seit zwei Jahren wieder angestiegen. Die Exporte hingegen sind deutlich gesunken. Die Daten deuten darauf hin, dass die geplante Umstellung der Volkswirtschaft zu einem konsumgetriebenen Modell zu greifen beginnt.
China meldet Erholung: Importe steigen deutlich

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Erstmals seit fast zwei Jahren sind Chinas Importe wieder gestiegen. Der Wert der Einfuhren in die Volksrepublik legte im August im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,5 Prozent auf 123 Milliarden Euro zu, wie der Zoll am Donnerstag mitteilte. Die Exporte des Landes gingen dagegen um 2,8 Prozent auf 168 Milliarden Euro zurück. Der Außenhandelsüberschuss schrumpfte um 13,6 Prozent auf gut 46 Milliarden Euro.

Die Wirtschaftsdaten wurden als positives Zeichen gewertet, weil die Binnennachfrage in der Volksrepublik offenbar zugenommen hat. Analysten hatten laut Nachrichtenagentur Bloomberg eigentlich mit einem Rückgang der Einfuhren um 5,4 Prozent gerechnet. Die Exporte wiederum brachen im August nicht so stark ein wie von Experten erwartet. Sie hatten mit einem Minus von vier Prozent gerechnet.

Die Importe stiegen nun das erste Mal, nachdem sie zuvor 21 Monate in Folge geschrumpft waren. Allein im Juli hatte der chinesische Außenhandel kräftige Rückschläge hinnehmen müssen: Die Importe waren im Vormonat um 12,5 Prozent eingebrochen, die Exporte um 4,4 Prozent.

Die gestiegenen Importe sowie die gesunkenen Exporte deuten darauf hin, dass die von der Regierung anvisierte Wende des Wirtschaftsmodells zu greifen beginnt. Die chinesische Führung versucht, die Abhängigkeit der Volkswirtschaft von der Massenproduktion vergleichsweise billiger Güter zu verringern und stattdessen eine konsumorientierte Dienstleistungsgesellschaft aufzubauen. Die langfristigen Folgen dieser Politik sind sinkende Exportraten und eine stärkere Betonung des Imports von Rohstoffen und Vorprodukten.

China hat sich für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum zwischen 6,5 und sieben Prozent zum Ziel gesetzt. Im zweiten Quartal sprangen 6,7 Prozent heraus. Die anziehenden Importe im August sehen die Volkswirte der Großbank HSBC auch als Ergebnis der Konjunkturprogramme Pekings: „Das Anspringen der Binnennachfrage dürfte auch eine Folge der massiven Investitionen der vergangenen Monate in die Infrastruktur sein.“ Erklärtes Ziel der Regierung ist es, bis 2020 ein modernes Verkehrsnetz mit Flughäfen, Eisenbahnstrecken und Schnellstraßen auch in strukturschwachen Gegenden aufzubauen. Dazu sollen unter anderem eine Million Kilometer an Straßen gebaut werden.

Zum Jahresende hin sei mit weiter anziehenden Importen und zumindest stabilen Exporten zu rechnen, sagte Ökonom Wang Jianhui vom Finanzhaus Capital Securities: „Es gibt die Erwartung, dass die Konjunktur anspringt.“ Nach Ansicht von NordLB-Ökonom Frederik Kunze sind dies auch gute Nachrichten für die globale Wirtschaft: „Schließlich ist das Reich der Mitte die größte Handelsnation. Die heutigen Zahlen sind in gewisser Weise auch ein Gradmesser für die Verfassung des Welthandels.“ Allerdings falle bei den Exporten auch im August eine gewisse Schwäche beim Geschäft mit wichtigen asiatischen Ländern ins Auge. Aufwind verspürten hingegen die Exporteure im Handel mit Europa: „Sie scheinen also den kalten Wind des drohenden EU-Austritts von Großbritannien noch nicht zu spüren.“

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Gaddafi: Die Flüchtlinge nach Europa sind das Resultat von Kolonialismus und Diebstahl

Im Jahr 2009 hielt der damalige libysche Präsident Muammar al-Gaddafi eine Rede vor der UN. Er sagte, dass die Afrikaner nach Europa...

DWN
Politik
Politik Verfehlte Strategie: Die Nato geht gegen Russland vor - während China sich anschickt, die Welt zu beherrschen

Die große Grundsatz-Analyse von DWN-Kolumnist Ronald Barazon: Die Nato positioniert sich gegen Russland, ganz so, als sei der Kalte Krieg...

DWN
Deutschland
Deutschland Vor EM-Spiel gegen Portugal: Effenberg beklagt Mangel von Weltklasse-Mittelstürmern in Deutschland

Der frühere Fußball-Nationalspieler Stefan Effenberg hat den Mangel von Weltklasse-Mittelstürmern als „größtes Problem des deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Weltraum wird privat und eröffnet Anlegern neue Chancen

Privatunternehmen drängen in den Kosmos. Prominente Vorreiter wie SpaceX und Blue Origin bringen Satelliten ins All, versorgen die...

DWN
Technologie
Technologie Sächsische Wissenschaftler stellen aus Meeres-Schwamm Abwasserfilter her

Wissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg haben ein ganz besonderen Werkstoff hergestellt, der bisher kaum denkbar schien.

DWN
Politik
Politik In den letzten 500 Jahren ist die Weltbevölkerung stetig gewachsen

In den letzten 500 Jahren ist die Bevölkerung stetig gewachsen. Das bedeutet, dass es in der gesamten Geschichte des modernen...

DWN
Politik
Politik Lauterbach: „Grillfleisch verursacht 10x so viele Treibhausgase wie vegetarische Alternativen“

Werden die Deutschen psychologisch auf einen Klima-Lockdown vorbereitet? Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach meint: „Grillfleisch...

DWN
Deutschland
Deutschland Maschinenbau-Präsident wünscht starke Grüne in nächster Bundesregierung

Der Präsident des zweitgrößten deutschen Industriebranchenverbands hat sich für eine Jamaika-Koalition mit starker grüner Beteiligung...