Zeitplan: Griechenland hat 46 Stunden zur Einführung der Drachme

Lesezeit: 2 min
23.05.2012 14:49
Nun liegt der Zeitplan vor: Griechenland hat genau ein Wochenende Zeit, um die Drachme einzuführen. In 46 Stunden muss alles generalstabsmäßig vor sich gehen. Denn es muss gelingen, die Operation in der Zeit über die Bühne zu bringen, in der alle Börsen der Welt im Wochenende sind.

In den vergangenen Wochen, aber spätestens seit den gescheiterten Koalitionsgesprächen in Griechenland rückt ein möglicher Austritt des Landes angesichts des ungewissen Ausgangs der Neuwahlen Mitte Juni immer näher. Eine Umfrage der Citigroup zeigte, dass 75 Prozent der Befragten Ökonomen von einem Verlassen der Eurozone innerhalb der nächsten 18 Monate ausgeht. Entsprechend werden schon seit geraumer Zeit nicht nur auf EU-Ebene Vorkehrungen für den Fall der Fälle getroffen. Doch viel Zeit würde der neuen griechischen Regierung nicht bleiben. Ein Zeitplan, der die verschiedenen Schritte und deren Ablauf beinhaltet, zeigt, es blieben nur 46 Stunden für die Einführung der Drachme. Solche Pläne existieren: EU-Handelskommissar Karel de Gucht bekräftigte dies in einem Interview mit De Standard und auch die EZB diskutiert bereits darüber (mehr hier).

Konkret ist ein sehr straffer Ablauf geplant: Sobald die griechische Regierung die Entscheidung für die Rückkehr zur Drachme getroffen hat, würden die ersten Schritte direkt nach Börsenschluss in New York um 17 Uhr EST stattfinden. Zu dieser  Zeit ist es in Frankfurt und Brüssel bereits 23 Uhr. Griechenland beruft zunächst eine Sitzung mit den Finanzministern und Staats- und Regierungschefs der Eurozone ein und beantragt den Austritt. Die Finanzministern legen dann den Regierungschefs einen entsprechenden Austrittsplan am Sonntag zur Genehmigung vor.

Zeitgleich gibt der Gesetzgeber in Athen bekannt, dass eine neue Währung eingeführt wird, die neu bewertet werden muss. Banken werden nun angewiesen, alle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten einschließlich der Bankkonten, Lohn und Schuldtitel auf den neuen Wechselkurs umzustellen. Hier bietet sich an, die neue Drachme in Parität zum Euro einzuführen. Das verhindert einerseits, dass der Einzelhandel  aufrundet und fördert die Akzeptanz der Währung bei der griechischen Wirtschaft.

Nun wird bereits ein neuer Satz von Banknoten und Münzen in Auftrag gegeben. Die britische Firma, De LA Rue plc, die für mehr als 150 Länder Geld druckt, hat bereits erste Vorkehrungen für eine solche Drachme-Einführung getroffen. Bis zur Lieferung der neuen Banknoten und Münzen, darf der Euro noch für kleine Einkäufe genutzt werden, etwa für Lebensmittel und Medikamente. Die Regierung setzt das Militär ein, um die öffentliche Sicherheit herzustellen und Geldtransporte zu überwachen. Als Übergangslösung werden Euro-Scheine der Griechen mit einem Drachmen-Stempel versehen.

Der Anteil des elektronischen Zahlungsverkehrs nimmt rapide zu, da die Griechen auch auf diesem Weg versuchen, ihre Euro in Sicherheit zu bringen. In den vergangenen neun Monaten sind die griechischen Bankeinlagen um 23 Milliarden Euro gesunken. Zuletzt am 14. Mai um fast 700 Millionen Euro an nur einem Tag. Grenzkontrollen werden vorübergehend eingerichtet, um den Abtransport von Bargeld zu unterbinden.

Angesichts der hohen Verschuldung des Landes ist Griechenland nach dem Euroaustritt und nach dem Ende der Hilfstranchen gezwungen, den Staatsbankrott anzumelden. Da das Land von den Kapitalmärkten ausgeschlossen ist, wendet sich die Regierung noch am selben Wochenende an den IWF. Wie bei den Rettungspaketen wird es auch hier Verhandlungen über mögliche Budgetkürzungen geben. Der IWF und die EZB werden Kredite bereitstellen, um das Funktionieren der gesellschaftlichen Funktionen sicherzustellen.

Nach dem Wochenende, wenn in Neuseeland am Montag der Handel wieder eröffnet wird, wird das neuseeländische Wellington im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit stehen: Dies ist dier erste Börse, die nach der Rückkehr der Drachme in den Handel geht. Spätestens dann wird man wissen, ob die Angst vor der globalen Ansteckung begründet oder doch nur ein Marketing-Trick aus Brüssel war.


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