Lesezeit: 2 min
14.11.2012 11:05
Schwache Nachfrage nach Krediten, steigende faule Kredite und niedrige Zinserträge gefährden den italienischen Bankensektor. Die beiden größten Banken des Landes haben akute Probleme in ihrem Kerngeschäft. Der Nettogewinn der Intesa Sanpaolo fiel im dritten Quartal um 21 Prozent.
Angst vor Banken-Crash in Italien

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Aktuell: Top-Banker Smaghi: Spanien braucht sofort einen Bailout

Die beiden größten italienischen Banken, Intesa Sanpaolo und UniCredit SpA, stehen vor großen Schwierigkeiten. Nur dank der Handelsgewinne konnten sie ihr schleppendes Kerngeschäft im dritten Quartal ausgleichen. Die niedrigen Zinsen und die faulen Kredite bereiten den Finanzinstituten weiter Probleme. Intesa und UniCredit haben beide einen Marktwert von rund 19,5 Milliarden Euro und sind somit ein wichtiger Indikator für die Stabilität des italienischen Bankenmarktes.

Intesa Sanpaolo, die größte italienischen Privatkundenbank nach inländischen Vermögenswerten, meldete am Dienstag einen Nettogewinn von 414 Millionen Euro für das dritte Quartal. Das sind 21 Prozent weniger als die im Jahr zuvor. Allein für die Risikovorsorge bezüglich der faulen Kredite musste die Bank in den ersten neun Monaten des Jahres 3,3 Milliarden Euro aufbringen, 48 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum, so das WSJ. Intesa selbst leidet zudem noch immer unter dem griechischen Schuldenschnitt, bei dem sie 593 Millionen Euro abschreiben musste. Die Zinserträge fielen aufgrund der schwachen Nachfrage nach Krediten und der niedrigen Zinsen im dritten Quartal ebenfalls.

UniCredit SpA konnte von Juli bis September einen Nettogewinn von 335 Millionen Euro erwirtschaften -  deutlich weniger als Intesa. Hinzu kommt, dass die Bank aufgrund eines Verlustes in Höhe von 10 Milliarden Euro im vergangenen Jahr noch immer angeschlagen ist. Wie Intesa leidet UniCredit ebenfalls unter rückläufigen Zinserträgen.

Beide Finanzinstitut spüren die schwache Nachfrage an dem unter einer Rezession leidenden Heimatmarkt, die ihre traditionellen Geschäftsmodelle gefährden. Lediglich Handelsgewinne konnten halfen den Banken im dritten Quartal. Und diese wurden hauptsächlich durch EZB-Chef Draghis Aussage bezüglich eines unbegrenzten Kaufs von Staatsanleihenkaufes hervorgerufen, der die Aktienkurse steigen ließ. Ein Effekt, der jedoch schnell an Wirkung verlieren wird, da noch keine der angekündigten Maßnahmen der EZB umgesetzt wurde und sich die Situation in Ländern wie Spanien und Griechenland weiter verschlechtert.

Nicht nur Intesa und UniCredit befinden sich derzeit in einer schwierigen Lage. Die gestiegenen faulen Kredite in vielen italienischen Banken bedrohen den Bankensektor (hier). Und die älteste Bank der Welt, die Banca Monte dei Paschi di Siena ist auf Staatshilfen in Milliardenhöhe angewiesen und wurde jüngst von der Ratingagentur Moody’s auf Ramschniveau herabgestuft (hier).

Die Schwierigkeiten im italienischen Bankensektor können zudem auch für den italienischen Staat zu einem Problem weren. Besonders die inländischen Banken haben in der Vergangenheit viele italiensiche Staatsanleihen gekauft – so hielt etwa UniCredit nach eigenen Angaben Ende September Staatsanleihen im Wert von 42,5 Milliarden Euro. Nur die Nachfrage der nationalen Banken nach den Bonds verhinderte bisher die zu hohe Refinanzierungskosten für die Regierung. Sind die Banken aber nicht mehr in der Lage die Anleihen zu kaufen, werden die Zinssätze steigen, denn auch Italiens Schuldenberg sehen die ausländischen Investoren kritisch (mehr hier).

Weitere Themen

Goldman Sachs: Griechenland braucht Schuldenschnitt von 80 Milliarden Euro

Rechtsradikale griechische Chrysi Avgi Partei expandiert nach Italien

Rechnungshof verlangt härteren Sparkurs auch in Deutschland


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik DWN-Interview mit Ex-Militärberater Jörg Barandat: „Wasser und Energie sind untrennbar miteinander verbunden.“
19.05.2024

Wasser sollte nicht getrennt von anderen Faktoren wie Energie und Klima betrachtet werden, sagt Jörg Barandat, langjähriger Berater...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Im Sog der Krise: Chinas Immobilienbranche unter Druck
19.05.2024

Seit einigen Jahren belastet die Immobilienkrise China und beeinträchtigt das wirtschaftliche Wachstum. Die Geduld vieler Gläubiger...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft EU-Kommission unterstützt Lausitz: Auf dem Weg zum "Netto-Null-Valley"
19.05.2024

Wie kann man ohne die Freisetzung von Treibhausgasen produzieren? Das Kohlerevier in der Lausitz strebt danach, als Modellregion in Europa...

DWN
Politik
Politik 75 Jahre Europarat: Ein Jubiläum in turbulenten Zeiten
19.05.2024

Der einst stolze Europarat feiert sein 75-jähriges Bestehen, doch das Jubiläum findet inmitten von Krisen und Unsicherheit statt,...

DWN
Finanzen
Finanzen P2P-Kredite als alternative Geldanlage: Chancen und Risiken
19.05.2024

P2P-Kredite sind eine aufstrebende Anlageklasse, die Privatpersonen ermöglicht, direkt in den Kreditbedarf anderer Privatpersonen zu...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Vom Erfolg zur Krise: Wie Adidas seine Dominanz im Sportmarkt verlor
19.05.2024

Adidas, einst ein Riese im Sportmarkt, kämpft nach katastrophalen Kooperationen und einem Börsenabsturz gegen den Aufstieg von Nike. Mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Kreditanstalt für Wiederaufbau in der Kritik, nutzt Potenzial unzureichend
19.05.2024

Eine neue Studie der Stiftung Klimaneutralität zieht eine kritische Bilanz zur Rolle der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Demnach...

DWN
Politik
Politik Scholz verspricht Hilfe - Überschwemmungen im Saarland zeigen Naturgewalt
19.05.2024

Bundeskanzler Olaf Scholz besuchte Kleinblittersdorf im Saarland, um nach den heftigen Regenfällen und Überschwemmungen Hilfe zu...