Politik

Nach Zypern: Bank-Konten in Europa sind nicht mehr sicher

Lesezeit: 1 min
16.03.2013 22:27
Die Entscheidung der Euro-Retter, die kleinen Leute am Zypern-Bailout zwangsweise zu beteiligen, ist eine Zeitenwende, meinen Beobachter. Nun sei es offiziell: Das Geld, das die Europäer auf der Bank haben, ist nicht mehr sicher.
Nach Zypern: Bank-Konten in Europa sind nicht mehr sicher

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die überfallsartige Entscheidung, den zypriotischen Rentnern und Angestellten eine Zwangs-Abgabe zur Banken-Rettung abzuknöpfen, wird nachhaltige Wirkungen auf ganz Europa haben. Jacob Kirkegaard vom Peterson Institute for International Economics in Washington, sagte der New York Times: „Der Deal bedeutet, dass das Geld, das man auf einem Bank-Konto hat, nicht mehr so sicher wie bisher ist. Wir treten in eine neue Welt ein.“

Der Chef der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, wollte am Samstag ausdrücklich nicht dementieren, dass solche Aktionen auch in anderen Staaten der Euro-Zone möglich sind. Er sagte zu Journalisten jedoch, dass solche Maßnahmen derzeit nicht geplant seien. Jeroen Dijsselbloem ist Nachfolger von Jean-Claude Juncker, der mit dem Ausspruch berühmt geworden ist, dass die Politik, wenn es kritisch werde, lügen müsse (hier).

Noch ist unklar, ob die Steuer auch auf Sparguthaben erhoben wird. Das Parlament von Zypern muss erst ein diesbezügliches Gesetz beschließen (mehr dazu in Kürze).

Kirkegaard sagte, dass er überrascht sei, dass sich die Euro-Retter das Geld für den Bailout von den kleinen Leuten holen wollen. Er glaube, dass die EU Angst habe, dass die gesamte Wirtschaft zum Erliegen komme, wenn die ganze Last auf die Unternehmen gelegt worden wäre.

Es sei allerdings vorhersehbar gewesen, dass es zu einem Bank-Run kommt: „Die Leute wachen am Samstag auf und hören im Radio, dass ihre Bankguthaben gefährdet sind. Es ist doch klar, dass sie versuchen werden, das Geld von der Bank zu holen.“

Die Neue Zürcher Zeitung fasst das Problem in einem Kommentar zusammen:

Sicher bleibt bei all dem nur, dass in Staaten mit nicht nachhaltigem Finanzgebaren oder mit instabilem Bankensystem am Schluss auch der Sparer die Zeche zahlt – entweder über eine durch Monetarisierung von Schulden und Inflation verursachte Entwertung seiner Guthaben, oder durch „bail in“ in Schuldenrestrukturierung, oder jetzt eben mit einer unfreiwilligen „Stabilitätsabgabe“. Immerhin hätte es auch etwas Gutes, wenn Anleger die Einigung mit Zypern als Weckruf verstehen. Statt blindlings auf Einlegerschutz oder Rettungsaktionen von Euro-Staaten oder Europäischer Zentralbank zu vertrauen, werden sie auch künftig gut daran tun, sorgfältig darauf zu achten, wie solid und stabil das System ist, dem sie ihr Geld anvertrauen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Altkanzler Schröder warnt erneut eindringlich vor Baerbock

Altkanzler Gerhard Schröder warnt zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage vor der neuen Außenministerin. Diese beginnt bereits, mehr Macht...

DWN
Politik
Politik Erster Baerbock-Spruch als Außenministerin: „Deutschland und Frankreich gehören ewig zusammen“

Die neue Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat die Bedeutung der Europäischen Union für Deutschland und die Freundschaft zu...

DWN
Finanzen
Finanzen Zwei weitere Gasversorger stellen Belieferung ihrer Kunden ein

Die bundesweit tätigen Marken gas.de und Grünwelt haben die Belieferung ihrer Kunden eingestellt.

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Geldpolitik: Wer profitiert von 5,2 Prozent Inflation?

Die Sparer ächzen unter den hohen Inflationsraten und den jahrelangen Nullzinsen. Doch es gibt auch Gewinner der EZB-Politik. Kritische...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschlands Industrie: Ohne fossile Energiequellen gehen alle Lichter aus

Die deutsche Industrie ist zwingend auf fossile Energieträger angewiesen. Daran wird sich allen Träumereien der Politik zum Trotz auch...

DWN
Politik
Politik Warum China im Ukraine-Konflikt nicht Partei ergreifen kann

China hat weder die Fähigkeit noch den Willen, im Russland-Ukraine-Konflikt Partei zu ergreifen. In beiden Staaten hat China handfeste...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft EU-Kommission will Sanktionsinstrument gegen externe Einmischung schaffen

Die EU-Kommission will ein Instrument schaffen, mit dem sie weitreichende Eingriffe in die Handelspolitik der Mitgliedsstaaten tätigen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Chipmangel hält VW noch mindestens im ersten Halbjahr 2022 in Atem

Der Chipmangel wird Volkswagen bis weit ins kommende Jahr hinein zu schaffen machen.