Katholische Kirche lehnt „Rückkehr in die Nationalstaaten“ ab

 

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11.08.2013 04:41
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, glaubt, dass die Zukunft Deutschlands in Europa liegt, nicht in der „Rückkehr in die Nationalstaaten“. Der Euro sei alternativlos, weil er die Europäer „zwinge, weiter zusammenzukommen“. Für die eurokritische Partei Alternative für Deutschland wünscht sich der Erzbischof ausdrücklich, dass „die nicht in den Bundestag einziehen werden“. Der Fall zeigt, wie tief sich die EU-Ideologie bereits in die deutsche Gesellschaft gefressen hat.
Katholische Kirche lehnt „Rückkehr in die Nationalstaaten“ ab

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Der Erzbischof von Freiburg und Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat in ungewohnt offener Form in den Bundestags-Wahlkampf eingegriffen: Er sagte in einem Interview mit dem Badischen Tagblatt auf die Frage, was denn die wichtigste außenpolitische Aufgabe der neuen Bundesregierung sein werde:

Zollitsch: Das ist die große Aufgabe, Europa weiterzubauen. Denn wir brauchen Europa. Wir sollten jetzt in der Finanzkrise nicht die ganze Schuld nach Brüssel schieben; denn es sind viele Länder, die zu der Krise beigetragen haben. Wir müssen den Ländern, die Hilfe brauchen, wirklich helfen - aber sie auch zur Selbsthilfe verpflichten. Ich sehe auch keine Alternative zum Euro. Denn der zwingt uns, weiter zusammenzukommen. Und ich bin froh, dass die baltischen Staaten sagen: Unsere Zukunft liegt im Euro.

BT: Die Alternative für Deutschland, die die Wiedereinführung der D-Mark fordert, hat nicht Ihren Segen?

Zollitsch: Nein, unsere Zukunft liegt in Europa und nicht in der Rückkehr in die Nationalstaaten. Ich hoffe, dass wir diese Frage auf Dauer überwunden haben, und dass es nur ein paar Nostalgiker sind, die nicht in den Bundestag einziehen werden.

Dies ist ein bemerkenswerter Auftritt: Bisher galt es als Tabu, dass ein Kirchenführer parteipolitische Wahlempfehlungen abgab – und sei es, durch den Ausschluss einer Partei. Es ist das demokratische Recht jeder Partei, sich zu bilden und zu kandidieren.

Dass man einer Partei pauschal vorwirft, nur aus ein „paar Nostalgikern“ zu bestehen, ist aus dem Munde eines Kirchenführers unseriös und unzulässig. Die Alternative für Deutschland (AfD) reagierte auf die Exkommunikation empört: Beatrix von Storch attackierte in einem offenen Brief den Erzbischof und forderte eine Erklärung, ob Zollitsch wirklich im Namen aller katholischen Bischöfe gesprochen habe (im Wortlaut bei der Freien Welt).

Die AfD-Leute sind von der Zollitsch-Ohrfeige besonders verletzt, weil sie klasssiche wertkonservative Bürger sind. Die meisten sind langjährig verheiratet, viele davon treue und praktizierende Katholiken – denen eine solche Schelte wirklich wehtut. Storch fragt daher in ihrem Brief mit einiger Berechtigung, warum der Bischof nicht die Grünen oder die Piraten attackiere, wo diese Parteien doch – anders als die AfD – die klassische Vater-Muter-Kinder-Familie nicht mehr als erstrebenswert ansehen.

Wirklich bemerkenswert ist jedoch Zollitschs Denunziation der Nationalstaaten. Der Kirchenführer unterstellt, dass die Nationalstaaten bereits abgeschafft sind – anders wäre eine „Rückkehr“ nicht zu erklären. Da die meisten Deutschen von der Abschaffung der Bundesrepublik Deutschlands noch nichts mitbekommen haben, muss man den Erzbischof fragen: Weiß er etwas, was wir nicht wissen? Er hofft ja, dass diese „Frage auf Dauer überwunden“ sei. Demnach ist der Deutsche Bundestag in der Tat entweder eine Folklore-Veranstaltung, eine Fata Morgana oder aber eine Illusion.

Auch die Reduktion der Euro-Krise auf das Fehlverhalten einiger „Länder, die zu der Krise beigetragen haben“, zeugt von einer abenteuerlichen politischen Ahungslosigkeit.

Diese untermauert der oberste Chef der deutschen Katholiken schließlich in seiner Vision über den zwingend notwendigen EU-Beitritt Serbiens.

Zollisch: Im Jahr 2005 habe ich den serbisch-orthodoxen Patriarchen besucht und ihm gesagt: Die Zukunft liegt in der Europäischen Union. Für Serbien gibt es keine Alternative. Die jetzige Regierung ist klar auf dem Weg in die EU. Denn sonst müsste Russland denen viele Milliarden jedes Jahr geben - und Russland hat an diesem kleinen Eckchen nicht mehr so ein starkes Interesse. Die Jugend hat keine Perspektive, das ist mir bei meinen Besuchen klar geworden. Von Landwirtschaft allein können heute nicht mehr viele leben.

Diese krude Logik ist bestechend: Russland hat kein Interesse, Serbien Milliarden zu geben – doch die EU soll die Milliarden einem Volk geben, dessen Jugend keine Perspektive mehr hat und in dem viele nicht mehr von der Landwirtschaft leben können?

Zollitschs Aussagen belegen, dass in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft eine unreflektierte Euro-Ideologie um sich gegriffen hat wie der hartnäckige Virus einer asiatischen Sommergrippe. Hier kommen eine blinde EU-Hörigkeit und ein unerklärliches Misstrauen der eigenen Nationalität zum Vorschein. Es ist erstaunlich, dass für den Chef der Katholischen Bischofskonferenz Deutschlands die Verfassung des Grundgesetzes offenbar ein Anachronismus und das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein eingefrorenes Posthorn aus dem 19. Jahrhundert ist.

Kirchenführer sollen keine Partei-Empfehlungen abgeben. Das gebietet der Respekt vor der Demokratie. Kirchenführer sollten sich auch nicht zu wirtschaftspolitischen Themen äußern, mit denen sie sich nachweislich nicht befasst haben. Kirchenführer sollen den verfassungsmäßigen Nationalstaat und seine Organe achten, bis der Nationalstaat per Volksabstimmung abgeschafft wurde.

Kirchenführer dürfen sich selbstverständlich in politische Debatten einmischen.

Sie müssen es jedoch mit einem Minimum an Sachverstand tun. Der Theologe Karl Rahner hat im Zuge der Glaubensvermittlung in der modernen Gesellschaft von der „intellektuellen Redlichkeit“ gesprochen, die in jeder Diskussion Pflicht sei.

Der große liberale Theologe Karl Rahner hat einen legendären „Grundkurs des Glaubens“ geschrieben.

Zollitsch und Kollegen sollte man schnellstens einen „Grundkurs der Demokratie“ zuschicken.

Damit sie verstehen, bevor sie predigen.



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