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Spaniens Defizit angeblich viel höher als offiziell gemeldet

Lesezeit: 2 min
22.08.2013 10:48
Spanien ist in einer viel stärkeren Rezession als angenommen. Zu diesem Schluss kommt man, wenn man nicht allein die offiziellen Daten der spanischen Statistikbehörde, sondern auch die marktbasierten Indikatoren betrachtet. Dann wäre das BIP tatsächlich um 21 Prozent niedriger als offiziell angegeben. Und das wiederum hat Auswirkungen auf die Höhe des Defizits.

Es gibt bei den spanischen Statistiken einige Ungereimtheiten. So sanken beispielsweise die Steuereinnahmen des Landes zwischen 2007 und 2011 auf minus 5,7 Prozent des BIPs, trotzdem die Steuern stark angestiegen waren. Selbst Griechenland weist für diesen Zeitraum aber immerhin um 1,3 Prozent gestiegene Steuereinnahmen gemessen am BIP auf. Und auch im vergangenen Jahr sind trotz weiterer Steuererhöhungen die Steuereinnahmen in Spanien nur marginal gestiegen. Das und die Arbeitslosigkeit im Land legen den Verdacht nah, dass das tatsächliche BIP Spaniens deutlich niedriger sein müsste als offiziell angegeben.

So hat Spanien beispielsweise eine ähnlich erhöhte Arbeitslosigkeit wie Griechenland. Nur, dass das BIP in Griechenland in den vergangenen Jahren deutlich stärker zurückgegangen ist als in Spanien.

Die spanische Zeitung El Confidencial hat sich aus diesem Grund mal die drei wichtigsten Sektoren des Landes angeschaut: Baugewerbe, Industrie und Dienstleistungen. In allen drei Sektoren stellt die Zeitung markt-basierte Indikatoren wie den Zementverbrauch den offiziellen Indikatoren gegenüber und schaut sich die historische Entwicklung der beiden im Vergleich an.

Das heißt beispielsweise, dass für die Entwicklung in der Baubranche der Zementverbrauch seit 1993 mit dem offiziellen Indikator für Bau ISCOF verglichen wurde. Bis 2008 entwickeln sich beide ähnlich, aber ab 2008 gibt es einen Bruch (Grafik1). Während der marktbasierte Wert Zementverbrauch rapide fällt, sinkt der ISCOF deutlich langsamer. Die tatsächliche Aktivität in der Baubranche ist derzeit als etwa ein Drittel niedriger als es der offizielle ISCOF-Index vermuten lässt, so El Confidencial.

Auch in der Industrie lässt sich eine ähnliche Entwicklung feststellen. Hier vergleicht die Zeitung den Industriellen Produktions Index (IPI) mit dem offiziellen, aus verschiedenen Indikatoren zusammengesetzten ISA (dem synthetischen Indikator der Industrie). Wie im Bausektor steigen beide Indikatoren bis 2008 ähnlich stark an, dann jedoch gehen auch hier die Daten der beiden Indikatoren extrem auseinander. Hier liegt der marktbasierte Index  etwa ein Fünftel unter dem offiziellen.

Die größte Differenz befindet sich jedoch in der Dienstleistungsbranche. Um hier die offiziellen Zahlen (ISS) mit der tatsächlichen Aktivität der Branche zu vergleichen wurde der IASS-Index, der Aktivitäts-Indikator für Dienstleistungen, herangezogen und preisbereinigt. Während der offizielle Indikator, der ISS, ab 2009 nach einer kurzen Abkühlung weiter stieg, sank der marktbasierte IASS-Index dramatisch ab. Der Unterschied zwischen beiden Indikatoren entspricht in etwa einem Drittel der gesamten Aktivität im Dienstleistungssektor.

„Wenn wir davon ausgehen, dass die anderen Indikatoren (Landwirtschaft, Einfuhrsteuern, Produktion etc.), die zum BIP beitragen, richtig sind, würde dies bedeuten, dass das reale BIP eigentlich 21 Prozent niedriger ist, als angegeben“, so die Zeitung. Schon allein der intensive Blick in drei wichtige Branchen zeigt also, dass die spanische Regierung die Daten möglicher Weise schönt.

Denn ein niedrigeres BIP, wie es die Vergleiche mit den marktbasierten Indikatoren nahe legen, würde auch erklären, warum beispielsweise die Steuereinnahmen trotz der Steuererhöhungen so stark zurückgegangen sind. Auch die immense Arbeitslosigkeit erscheint unter dieser Annahme deutlich logischer.

Entsprechend des niedrigeren BIPs ist auch das von der Regierung offiziell angegebene Defizit von 3,9 Prozent im ersten Halbjahr nicht korrekt. Ist das erwirtschaftete Defizit etwa 21 Prozent niedriger, so ergibt sich aus den öffentlichen Schulden, die ja am BIP gemessen werden, auch ein größeres Defizit. Dies wäre den neuen Berechnungen bei über 4,6 Prozent.



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