Schweizer Banker zweifeln an Hoeneß‘ Version vom Einzel-Zocker

 

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17.03.2014 00:07
Insider bezeichnen die Vorstellung als „absurd“, dass Uli Hoeneß sein Vermögen ganz allein auf über 150 Millionen Euro vermehrt hat. Für einen einzelnen Akteur sind solche Gewinne aus Devisenhandel „unmöglich. Der Verdacht bleibt bestehen, dass Uli Hoeneß mit seinem Verzicht auf eine Revision in dem Urteil andere Akteure decken will.

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Die Steuerhinterziehung ist beendet. Uli Hoeneß hat eine Haftstrafe erhalten und will das Urteil nicht anfechten. Dennoch bleiben viele Fragen unbeantwortet. Vor allem das Bild des einzelnen Zockers hält einer näheren Analyse kaum stand. Im Markt mit Auslandswährungen (Forex) tummeln sich Banken, Hedgefonds, Investmentfonds und multinationale Konzerne. Die Zinsunterschiede zwischen den Währungsräumen sind minimal und nur wer mit extrem hohen Summen handelt, kann Gewinne in dieser Größenordnung machen.

„Für einen Hoeneß ist es in diesem Markt unmöglich, aus 20 Millionen Mark zeitweise 150 Millionen Euro zu machen. Das ist völlig absurd“, zitiert der Tagesanzeiger einen Insider.

Außerdem verfüge Uli Hoeneß nicht über die notwendigen Ressourcen, um eine komplexe Marktanalyse vorzunehmen, wie es Hedge- und Investmentfonds können. Sie beschäftigen ganze Teams professioneller Marktbeobachter rund um die Uhr, um die Grundlagen für Investitionsentscheide zu liefern. Private und Laien könnten damit nicht mithalten, so die Argumentation.

Der Devisenhandel wird in Finanzkreisen auch als Kasinogeschäft bezeichnet. Die Vorstellung, dass Uli Hoeneß über Jahre hinweg nur Volltreffer gelandet habe, kommt einer jahrelangen Glückssträhne beim Roulette gleich.

Verluste sind auch bei Experten an der Tagesordnung. Vom Gericht in München nach seiner Strategie befragt, konnte Hoeneß keine klare Antwort zu geben. „Er machte nicht den Eindruck eines Börsenhändlers, der wusste, was er machte“, sagt ein Prozessbeobachter.

Hoeneß gerät in den Verdacht, andere Akteure mit seinen ausweichenden Antworten zu decken. Auch die Tatsache, dass er nicht in Berufung geht, hat nicht nur mit seiner Vorstellung von Anstand und Verantwortung zu tun (mehr hier). Es geht auch darum, dass durch eine neue Beweisaufnahme noch mehr Informationen ans Licht kommen könnten, die nicht nur sein eigenes Strafmaß nach oben anpassen, sondern auch bis dahin unbekannte Geschäftspartner auffliegen lassen könnte.

Die Manipulation mit Devisengeschäften läuft nach einem simplen Schema ab, wie der Tagesanzeiger es skizziert:

„Zwei Komplizen wechseln über das Bankkonto des einen eine Geldsumme in Fremdwährung unter dem Marktpreis, um sie zeitgleich zu einem höheren Kurs zu verkaufen. Auf den ersten Blick ist Geschäftsmann A in diesem Spiel der Verlierer, weil er die US-Dollars unter dem Marktpreis verkauft hat. Vielleicht weiss er aber, was er tut, und steckt als Finanzchef des Unternehmens U mit Kunde K unter einer Decke. Er verkauft die Dollars zum Schaden des Unternehmens zu einem schlechten Preis. Vom Gewinn, der bei K landet, kriegt er am Ende die Hälfte.“

Das ist reine Theorie. Bei Hoeneß gilt die Unschuldsvermutung.

Was gegen gegen ihn spricht, ist die Herkunft seines Startkapitals. Uli Hoeneß verfügte über 5 Millionen Mark und angeblich weiter 15 Millionen in Bürgschaften von Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus. Überprüft wurde das bislang nicht. „Die deutschen Strafverfolger können nicht über die Herkunft der Mittel und die Bareingänge respektive Barbezüge hinwegsehen“, heißt es aus Anwaltskreisen.

Fraglich ist auch, wie sehr Uli Hoeneß in die wiederholten Korruptionsvorwürfe gegen den FC Bayern München verwickelt ist. Im Fokus steht auch die Bank Vontobel, die mit Uli Hoeneß die Devisengeschäfte abwickelte.

Es gibt über 10.000 Seiten, in denen Finanztransaktionen von Uli Hoeneß dokumentiert sind. Die Vermutung liegt nahe, dass in dem aus Zeitmangel teils ungesichteten Material noch Informationen verborgen sind, die den Skandal über die Steuerhinterziehung und das Geheimrezept seines Erfolges beim Devisenhandel vervollständigen können.


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