Zentralbanken planen großangelegte Banken-Rettung in Europa

 

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14.04.2014 00:13
Die Zentralbanken wollen die Banken Europas mit hochgiftigen Papieren retten. Nachdem die Geldspritzen der „dicken Bertha“ der EZB von einer Billion Euro nicht zum Wirtschaftswachstum beitrugen, soll es jetzt der Verbriefungs-Markt richten. Das ist das bisher riskanteste Rettungs-Programm der EZB. In den USA hat der Einsatz dieser giftigen Papiere zum Crash geführt. Die Steuerzahler sollten jetzt sehr wachsam sein.

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Die sogenannten Asset Backed Securities (ABS) sind verzinsliche Wertpapiere, die durch noch ausstehende Forderungen abgesichert sind. Es sind Finanzinstrumente, mit denen offene Kredit-Forderungen verkauft werden können. Diese ausstehenden Forderungen werden in Paketen zusammengefasst und als „Asset Backed Securities“ auf den Finanzmarkt gebracht.

In 2007 – also etwa zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Finanzkrise – bestand das Volumen von derartigen ABS-Anleihen in Europa etwa 449 Milliarden US-Dollar. Bis zum vergangenen Jahr belief sich der Umsatz von ABS in Europa auf nur noch 102,5 Milliarden US-Dollar und weniger als 174 Milliarden US-Dollar an gesamten Emissionen in den USA. Dies geht aus Zahlen von JPMorgan Chase & Co hervor, wie Bloomberg berichtet.

Asset Backed Securities standen bisher in der Kritik, weil sie Risiken nicht nur streuten, sondern auch verschleierten. Draghi betont jedoch, die europäischen ABS-Verbriefungen würden in Zukunft weitaus transparenter konstruiert werden. Deshalb müssten sie auch weniger hart bei der Eigenkapitalregulierung behandelt werden.

Charlie McCreevy, ehemaliger Finanzdienstleister-Chef der EU, kritisierte im Jahr 2009 die schändlich laxen Standards einer hyper-aktiven Verbriefungsindustrie, die dem globalen Bankensystem so viel Schaden zugefügt hatten. Sein Nachfolger, Michel Barnier, sagte dagegen im letzten Monat, die Förderung von Verbriefungen mit guter Qualität könnte dabei helfen, Finanzierungen für Unternehmen sicherzustellen.

In einem gemeinsamen Papier der EZB und der Bank of England am vergangenen Freitag wurde von beiden Zentralbanken in typisch bürokratisch-kryptischer Formulierung betont, „dass die Regulierungsbehörden im Hinblick auf die Förderung der ABS-Papiere unterstützt werden müssten um sicherzustellen, dass die Vorschriften zum Schutz des Finanzsystems nicht unnötig bei deren Wertpapier-Verwendung beeinträchtigt werden“, wie Bloomberg meldet.

Dies bedeutet, dass die beiden wichtigsten Zentralbanken Europas eine Lockerung von „unangemessen strengen“ Regeln fordern, die den Kauf von ABS unattraktiv machen würden, denn die aktuellen Regelungen seien „übermäßig konservativ“, mehr dazu hier.

EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch sagte unlängst, nicht alle Verbriefungen in der EU verdienten das Stigma, das sie in den vergangenen Jahren bekommen hätten. Damit verstärkte er den Druck der EZB auf die Regulierungsbehörden, durch eine Regulierungsänderung den ABS-Markt in Europa zu aktivieren. Es müsse bald gehandelt werden, betonte Mersch.

Die neuen Pläne werden verfolgt, um Kreditvergaben an Unternehmen zu stimulieren. Da Draghis „dicke Bertha“ – die LTRO-Spritzen von rund einer Billion Euro an die Banken in 2011 und 2012 – nichts weniger bewirkt hat, als dass die Banken ihre jeweils heimischen Staatsanleihen aufkaufen, nicht jedoch den Unternehmen Kredite zur Verfügung stellten, wird nun also die Belebung des ABS-Markts ins Auge gefasst.

Zuletzt bestand eine der Begründung, den ABS-Markt erneut in Gang zu setzen darin, einer Deflation im Euroraum begegnen zu wollen. Tatsächlicher Hintergrund dürfte sein, dass die Banken ihre Bilanzen schrumpfen müssen, um die neuen regulatorischen Anforderungen zu erfüllen. Darunter werden sich auch „Kreditpakete“ befinden, darunter faule Kredite, derer sich die Banken im Vorfeld der Bankenunion gern entledigen würden.

Vor geraumer Zeit hatte die Banque de France den Weg dafür frei gemacht. Französische Banken haben 362 Milliarden Euro an bereits ausgereichten Krediten für kleine und mittelständische Betriebe in ihren Bilanzen. Wegen der bevorstehenden Bilanzprüfungen der EZB benötigen die Banken mehr Liquidität. Diese zum Teil nicht mehr bedienbaren Kredite können die Banken nun über ABS-Papiere loswerden (hier).

Italienische Banken sitzen auf Problemkrediten von geschätzten 250 Milliarden Euro. In Spanien erreichten die faulen Kredite trotz Bilanzbereinigungen und Verlagerungen in BadBanks ein Rekordhoch von rund 200 Milliarden Euro. Man darf also gespannt sein, wann auch hier beide Zentralbanken den Weg für ABS-Papiere freimachen.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte neulich angedeutet, dass auch die EZB bereit dazu ist, ABS-Papiere aufzukaufen. Draghi bevorzugt es offenbar, den Kauf von Kreditpaketen aus dem privaten Sektor – welcher vor allem Unternehmenskredite beinhalten dürfte – durch die EZB ins Auge zu fassen. Indessen befürworten auch europäische Politiker eine Ausweitung des ABS-Markts.

Die Erklärung dafür lautete vor kurzem noch, dies solle geschehen, falls sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechterten. Durch gezielte Ankäufe solcher „bank loans“ – also von Krediten, die die Banken in ihren Portfolios haben – könne die EZB „den Markt wieder in Gang bringen“, hieß es dazu bereits vor einigen Monaten, hier.

Es gibt jedoch noch einen anderen Aspekt: Banken nutzen die ABS-Papiere als Geld-Quelle. Sie verkaufen die gebündelten Papiere (also die Kreditforderungen der Banken an Unternehmen) an Investoren, um an liquide Mittel zu kommen. Zudem können Banken solcherart „Wertpapiere“ bei Refinanzierungsgeschäften mit der Notenbank als Sicherheiten verwenden, mehr dazu hier.

Diese Schuldpapiere (also ABS-„Wertpapiere“) sollen anschließend weiter veräußert werden. Unter den Käufern werden sich andere Banken finden, die die ABS-Papiere als Geld-Quelle benutzen. Diese wiederum verkaufen die gebündelten Papiere weiter an Investoren, um an liquide Mittel zu kommen. Zu diesen Investoren dürften wiederum Hedgefonds bzw. Investmentbanken gehören.

Ihre Schulden sind die Unternehmen in Europa dadurch jedoch nicht los. Die bleiben ihnen, durch die Einrichtung bzw. Vergrößerung des ABS-Markts, auf lange Sicht immer noch erhalten. Denn der Wert eines ABS-Papiers (durch „Vermögen gedeckte Sicherheit“ bedeutet ja ABS im eigentlichen Wortsinn) besteht darin, dass diese Forderungen (sprich: die ausgegebenen Kredite an Unternehmen) an die Firmen immer noch existieren.

Es geht also in erster Linie darum, die Bilanzen der Banken während der laufenden Bilanzprüfung der EZB und vor dem Stress-Test zu bereinigen und zweitens, dadurch Liquidität für die Banken zu schaffen. Ein Aspekt ist, durch die Ausgabe von ABS-Papieren, die auch die EZB den Banken abkaufen will, wiederum neuen Spiel- oder auch Freiraum gewinnen, um neue Kredite an Unternehmen auszureichen. Ob das klappt, bzw. diese „Maßnahmen“ wirken, um die Wirtschaft in den Krisenstaaten dadurch anzukurbeln, steht in den Sternen.

Attraktiv dürfte es dagegen für Investmentbanker und Hedgefonds sein, diese ABS-Papiere zu erwerben.

Doch die Frage bleibt: werden diese Kreditforderungen nicht doch wieder weiter gebündelt und neu verpackt auf den Markt gebracht? Wer kontrolliert das? Denn die Planspiele der EZB gehen noch weiter. Zusammen mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) hatte die EZB eine Art „Task Force“ veranlasst. Die EIB ist an Refinanzierungsgeschäften der EZB interessiert und kann Kredite, die von ihr selbst vergeben wurden, wiederum als Kredite „verbriefen“ und sie anschließend weiterverkaufen. Die Gefahr einer erneuten Kreditblase liegt daher auf der Hand.

Interessant wird sein, zu welchen Konditionen ABS-Papiere veräußert werden, sprich: zu welchem Zinssatz. Die EZB und die Bank of Englang bereiten aktuell einen ausführlichen Bericht vor, der im Mai veröffentlicht werden soll.



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