Zu hohe Auto-Preise: China straft Audi und Chrysler ab

Lesezeit: 2 min
07.08.2014 00:41
Audi und Chrysler verstoßen gegen das Kartellrecht in China und müssen Preise für Ersatzteile dramatisch senken. Die Autohersteller hätten ihre Vormachtstellung am Markt ausgenutzt und überhöhte Preise verlangt, lautet der Vorwurf. Mit der Maßnahme setzt Peking ein Zeichen, dass die Flitterwochen mit den westlichen Automobilfirmen vorüber sind.
Zu hohe Auto-Preise: China straft Audi und Chrysler ab

China weitet die Strafaktionen gegen ausländische Unternehmen aus: Die Volkswagen-Tochter Audi und der US-Autobauer Chrysler sollen für Verstöße gegen das Kartellrecht mit Geldstrafen büßen. Die Behörden haben auch Daimler, ein Dutzend Hersteller von Auto-Ersatzteilen aus Japan sowie die amerikanischen IT-Konzerne Microsoft und Qualcomm im Visier. Die Höhe der Strafen für Audi und Chrysler werde bald bekanntgegeben, sagte der Sprecher der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), Li Pumin, am Mittwoch in Peking. „Das Ziel ist, einen ordnungsgemäßen Wettbewerb am Automarkt aufrechtzuerhalten und die Verbraucher zu schützen.“

Den stark in China vertretenen ausländischen Auto-Herstellern wird vorgeworfen, zu hohe Preise für Ersatzteile, Wartungsdienste und zum Teil auch für die Autos insgesamt zu verlangen. „Monopolistische Praktiken sind in der Autoindustrie verbreitet", sagte Yale Zhang, Berater von Automotive Foresight in Shanghai. Bei importierten Luxuswagen sei das besonders der Fall, deshalb nehme sich die NDRC ausländische Anbieter vor. „Das ist ein Warnsignal an die Branche. Wenn Top-Marken wie Audi bestraft werden, wissen die anderen, was zu tun ist.“ Nach Zhangs Einschätzung sind die Importfahrzeuge in China zweieinhalb Mal so teuer wie in den USA. Die Konzerne argumentieren, das liege an Zöllen und anderen Abgaben.

Daimler und die zum indischen Tata-Konzern gehörende britische Nobelmarke Jaguar Land Rover senkten bereits vorsorglich die Preise. Daimler reduziert ab September für Mercedes-Pkw zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen die Preise von mehr als 10.000 Ersatzteilen um 15 Prozent nach zuvor 20 Prozent. Jaguar Land Rover verbilligte im August sogar drei seiner Modelle um durchschnittlich fast 25.000 Euro. Ob das reicht, um Geldstrafen zu vermeiden, ist offen.

Büros von Mercedes-Benz in Shanghai wurden einen Tag nach Bekanntgabe der Preissenkung von den Wettbewerbshütern durchsucht. Die Strafen können mit bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes hoch ausfallen. Audi ist von den Premium-Herstellern der Platzhirsch in China vor BMW und Daimler. Für die Schwaben ist der weltgrößte Automarkt entscheidend dafür, ob sie ihr Ziel erreichen, bis 2020 vor Audi und BMW zu stehen.

China geht auf Grundlage eines Gesetzes von 2008 nicht nur gegen die Auto-Produzenten, sondern auch gegen Unternehmen aus anderen Branchen schärfer vor. Der Vorwurf lautet oft, eine marktbeherrschende Stellung werde missbraucht. Insgesamt 80 Branchen sollen in dem kommunistischen Land auf monopolistische Praktiken hin durchleuchtet werden. Die Behörde SAIC durchsuchte am Mittwoch abermals Geschäftsräume von Microsoft in Peking und anderen Städten. Auch die Beratungsgesellschaft Accenture, an die der Softwarekonzern Finanzaufgaben ausgelagert hat, war betroffen.

In den vergangenen Jahren erzwangen die chinesischen Behörden bereits Preissenkungen von Medikamenten, Milchpulver oder Schmuck. Kartelluntersuchungen in der Nahrungsmittelindustrie zogen hohe Geldstrafen nach sich.

 

Mehr zum Thema

Chinas Auto-Lobby setzt ausländischen Autobauern die Pistole an die Brust

Scheitert China, scheitert die deutsche Auto-Industrie

Markt für vernetzte Autos wächst jährlich um 30 Prozent



DWN
Finanzen
Finanzen Anatomie einer Jahrhundert-Blase, Teil 3: Eine Dunkelziffer namens Inflation – das gesamte Finanzsystem basiert auf morschem Zahlenwerk

Die Entwicklung der Teuerung stellt einen der Ankerpunkte des gesamten weltweiten Finanzsystems dar. Schaut man sich ihre Berechnung an...

DWN
Politik
Politik Türkei: Neue Parteien sollen Sturz Erdogans herbeiführen

Ehemalige Weggefährten des türkischen Präsidenten Erdoğan gründen zwei neue Parteien. Sie wollen die Regierung und in der Folge...

DWN
Politik
Politik Europäische Umweltagentur will Ernährung, Energiekonsum und Mobilität der Menschen radikal ändern

Der Europäischen Umweltagentur zufolge wird Europa die Klimaschutzziele nicht erreichen, wenn keine “dringenden Maßnahmen” ergriffen...

DWN
Deutschland
Deutschland Münchner Gericht: Klickarbeit ist keine richtige Arbeit

Der Niedriglohnsektor in Deutschland wird immer größer. Dazu gehört die Klickarbeit, wo Mitarbeiter auf Internetplattformen Mikrojobs...

DWN
Finanzen
Finanzen Hälfte der Deutschen erwartet Altersarmut, hat aber kein Geld zur Vorsorge

Einer aktuellen Studie zufolge sorgt sich etwa jeder Zweite vor Armut im Alter – kann aber aufgrund von Geldmangel nicht privat vorsorgen.

DWN
Deutschland
Deutschland Neue Industriestrategie: Staat fordert mehr Kontrolle bei Firmenverkäufen

Die erneuerte Industriestrategie zielt neben einigen Updates insbesondere auf eine verstärkte Kontrolle der Bundesregierung bei...

DWN
Politik
Politik Marsch in Richtung „FREXIT“? Frankreich kann sein üppiges Sozialsystem nicht mehr finanzieren

Frankreich kommt nicht zur Ruhe. Aus Protest gegen geplanten Reformen im Rentensystem haben die Gewerkschaften mehrere Generalstreiks...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Wirtschaftswissenschaft versteht den modernen Finanzkapitalismus nicht mehr

Seit der Krise von 2008 haben sich die Spielregeln im Finanzsystem und in der Weltwirtschaft grundlegend verändert. Die...

DWN
Deutschland
Deutschland Seen als Wärmequelle: Energieverbände fordern Masterplan für die Geothermie

Deutschland läuft Gefahr, die Klimaziele zu verfehlen. Jetzt taucht plötzlich wieder eine Form der Energiegewinnung in der Diskussion...

DWN
Politik
Politik Ein neuer Kalter Krieg? Auf den Weltmeeren wird kräftig aufgerüstet

Sowohl die Nato-Staaten als auch Russland und weitere Mächte haben in den vergangenen Jahren eine deutliche Aufrüstung ihrer maritimen...

DWN
Politik
Politik Deutsche bunkern Bargeld: Tresor-Hersteller erleben Hochkonjunktur

Die Deutschen bunkern ihr Bargeld vermehrt in Tresoren und Safes. Ein führender Tresorhersteller nennt die Angst der Bürger vor Niedrig-...

DWN
Politik
Politik Das Schicksal der Welt in den Händen von 5 Staaten

Die UN dient faktisch als Instrument von fünf Staaten, die international ihre eigenen Interessen verfolgen. Im UN-Sicherheitsrat verfügen...

DWN
Finanzen
Finanzen Termingeschäfte eingeschränkt: Weltgrößter Pensionsfonds geht gegen Spekulanten vor

Mit einer Neuregelung zu seinem Aktienportfolio macht Japans staatlicher Pensionsfonds Leerverkäufern einen Strich durch die Rechnung....

DWN
Finanzen
Finanzen Russland: Ausländer investieren zunehmend in Rubel-Anleihen

Der Anteil der ausländischen Anleger an den Rubel-Staatsanleihen hat die 30-Prozent-Marke überschritten.

celtra_fin_Interscroller