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Handelsbanken: In der Euro-Zone sind Staatspleiten ein reales Risiko

Lesezeit: 2 min
10.09.2014 23:34
Knut Anton Mork, Chefökonom der norwegischen Handelsbanken, glaubt, dass die Euro-Zone falsch konstruiert ist: Weil die Staaten ihre nationalen Währungen nicht mehr kontrollieren und umfassend von der EZB gerettet werden, steigt das Risiko von Staats-Pleiten in Europa.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Würden Sie Steuersenkungen unterstützen?

Knut Anton Mork: Ich befürworte Steuersenkungen in der aktuellen Lage sowohl für die Euro-Staaten als auch für mein eigenes Land Norwegen. Die Euro-Staaten stehen vor ernsthaften Herausforderungen im Hinblick auf eine Deflation (oder eine Beinahe-Deflation) zusammen mit einer Stagnation oder Rezession.

Bei Zinssätzen nahe null gibt es sehr wenig, was die Geldpolitik tun kann, um die Nachfrage zu stimulieren. Doch die Fiskalpolitik kann helfen, und Steuersenkungen sind ein Schritt in diese Richtung.

Dadurch steigen die Haushaltsdefizite. Aber wenn dies zu neuen Sorgen auf den Märkten führt, würde ich empfehlen, dass die Staaten, die als solide wahrgenommen werden, jenen Staaten, die als riskanter wahrgenommen werden, freigiebiger helfen als während der Krise von 2011-2012.

Im Falle Norwegens glaube ich, dass die Steuern allgemein zu hoch sind und dass speziell der Übergang zu einer normaleren Wirtschaft nach dem Ende des Öl- und Gasbooms niedrigerer Steuern bedarf.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Warum ist die norwegische Vermögenssteuer gescheitert?

Knut Anton Mork: Die Vermögenssteuer ist aus zwei Gründen problematisch. Erstens besteuert sie Kapitaleinkommen selbst dann, wenn es null oder negativ ist. Die Eigentümer von Unternehmen sind manchmal dazu gezwungen, Kapital aus ihren Unternehmen herauszunehmen, um die Vermögenssteuer zu bezahlen.

Zweitens ist die Vermögenssteuer von Natur aus unfair im Hinblick auf liquides Vermögen. Humankapital zum Beispiel – der aktuelle Wert des erwarteten künftigen Einkommens einer Person – fällt nicht unter die Vermögenssteuer.

Doch wenn Humankapital verlorengeht, zum Beispiel durch einen verheerenden Unfall, und die Person eine faire Entschädigung erhält, dann wird diese Entschädigung besteuert, nicht nur einmal, sondern so lange wie sie andauert. Das ist krass unfair und für mich genug Grund, die Vermögenssteuer abzulehnen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie haben gesagt, dass die Eurozone auseinanderbrechen könnte. Wie kann sie gerettet werden? Quantitative Easing durch die EZB oder Investitionen durch die Staaten selbst?

Knut Anton Mork: Die Europäische Währungsunion gründet auf einer fehlerhaften Struktur, worin jedes Land Schulden hat, die in einer Währung ausgegeben werden, die es nicht kontrolliert. Dadurch wird die Staatspleite ein reales Risiko.

Weil außerdem alle Mitgliedstaaten Schulden in derselben Währung haben, nehmen die Investoren keine neuen Wechselkursrisiken auf sich, wenn sie ihre Anleihebestände von den Schulden eines Land zu denen eines anderen umschichten.

Wenn also Zweifel an der Solidität eines Landes auftreten, können die Marktreaktionen sehr dramatisch sein, etwa, indem die Investoren ihre Bestände massenhaft von weniger soliden zu solideren Staatsanleihen umschichten. Dieses Problem kann durch die Bildung einer vollständigen Fiskal-Union überwunden werden, wenn die Währungsunion erhalten werden soll.

Die EZB bietet eine Quasi-Lösung, indem sie subtil ihre Bereitschaft erklärt, alle Mitgliedstaaten zu retten. Dies hat als kurzfristige Lösung funktioniert. Doch es nimmt den Mitgliedstaaten den Anreiz, ihre individuellen Staatshaushalte im Gleichgewicht zu halten.



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