Trotz Milliarden-Krediten: Wirtschaft in Osteuropa bricht ein

 

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15.10.2014 00:27
Das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern ist derzeit mit rund 4 Prozent so niedrig wie seit der Finanzkrise nicht mehr und geht weiter zurück. Am schnellsten verschlechtert sich die Lage in Osteuropa, wo die Unternehmen den Auftragsrückgang aus Deutschland zu spüren bekommen. Weltweit zeigt sich eine Abhängigkeit der Wirtschaft vom billigen Geld der Zentralbanken. Auf die Steuerzahler in der EU kommen neuen Risiken zu.

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Das Wachstum in den Schwellenländern ist so schwach wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Die nachlassenden wirtschaftlichen Prognosen für China, Osteuropa und Lateinamerika bedrohen die Weltwirtschaft insgesamt. Denn auch die westlichen Staaten schwächeln, der Ölpreis nähert sich einem Vierjahrestief, und sogar in Deutschland, dem Zugpferd der Eurozone, geht das Wachstum zurück.

In 19 großen Schwellenländern sind sowohl die Industrieproduktion im August als auch die Konsumausgaben im zweiten Quartal auf die niedrigsten Stände seit 2009 gefallen, so Daten des Forschungsinstituts Capital Economics. Auch das Exportwachstum ist im August eingebrochen.

Diese Trends bestätigen, dass schwächeres Wachstum ein dauerhaftes Phänomen unter den Schwellenländern wird, den dynamischsten Wirtschaftsräumen der Welt. „Das ist der neue Normalzustand“, zitiert die Financial Times Neil Shearing, den Chefökonomen für Schwellenländer bei Capital Economics. „Für den Rest des Jahrzehnts ist dies alles. Besser wird es nicht mehr.“

Capital Economics bezifferte die Wachstumsrate für die Schwellenländer insgesamt im Juli mit 4,3 Prozent, nach 4,5 Prozent im Juni. Die vorläufigen August-Zahlen zeigen eine weitere Abkühlung. „Es sieht so aus, dass der August der schwächste Monate im Hinblick auf das BIP-Wachstum in den Schwellenländern seit Oktober 2009 sein wird“, sagte Shearing.

Auf dem Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in der vergangenen Woche sagte Olivier Blanchard, der Chefökonom des Fonds, dass es für die Schwellenländer mittelfristig einen „ziemlich großen Wechsel in der Landschaft“ gegeben hat. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte, es gebe „offensichtlich eine größere Abkühlung in Ländern wie Brasilien und Russland“.

Das Ende des massiven Gelddruckens (Quantitative Easing, QE) durch die Federal Reserve werde Schockwellen durch die Schwellenländer senden, so Lagarde. „Wir werden weiterhin viele Schwellenländer warnen […], dass sie sich auf ein bisschen mehr Volatilität vorbereiten müssen, als wir in den letzten paar Monaten beobachtet haben.“

George Magnus, ein einflussreicher Berater für UBS, sagte: „Jetzt ist klar, dass die außergewöhnliche Beschleunigung beim Wachstum in den Schwellenländern zwischen 2006 und 2012 vorbei ist.“ Seit Ende 2011 habe der IWF seine Wachstums-Prognosen für die Schwellenländer sechs Mal nach unten korrigiert.

Die offiziellen Statistiken für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werden erst in der kommenden Woche veröffentlicht. Doch die Erwartungen sind schwach. Chinas jährliches BIP-Wachstum im dritten Quartal liegt voraussichtlich bei nur 6,8 Prozent, nach 7,5 Prozent Wachstum im zweiten Quartal, so Jasper McMahon vom Londoner Wirtschaftsinstitut Now-Casting Economics.

Now-Casting erwartet zudem, dass Brasilien dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von nur 0,3 Prozent melden wird, deutlich weniger als die offiziellen 2,5 Prozent im vergangenen Jahr.

Am schnellsten verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage in Osteuropa. Die stagnierende deutschen Wirtschaft, deren Industrieproduktion im August einen Einbruch um 4 Prozent verzeichnete, hat die osteuropäischen Unternehmen hart getroffen, die Deutschland beliefern.

In Lateinamerika ist die Industrieproduktion im August zurückgegangen, teils wegen der rückläufigen chinesischen Nachfrage nach Rohstoffen und teils deshalb, weil die Verbrauchernachfrage in der Region aufgrund der hohen Inflation ebenfalls zurückgeht.

Die Schwellenländer Asiens stehen noch am besten da. Sie meldeten im August ein Wachstum der Industrieproduktion um 5 Prozent. In den Schwellenländern insgesamt wuchs die Industrieproduktion laut Capital Economics nur um 2 Prozent. Doch auch in Asien lässt das Wachstum wegen Chinas Abkühlung nach.

Verantwortlich für das nachlassende Wachstum in den Schwellenländern ist einerseits das angekündigte Ende des extremen Gelddruckens (QE) durch die Federal Reserve und andererseits Chinas nachlassende Nachfrage nach Rohstoffen, sagt Michael Power, Stratege bei Investec Asset Management.

Dennoch sieht Power die wirtschaftliche Abkühlung in den Schwellenländern als Teil eines Kreislaufs: Seiner Ansicht nach werden die Demographie, die Entwicklung der Infrastruktur und der Aufstieg der urbanen Mittelklasse die aktuellen wirtschaftlichen Probleme in den Schwellenländern schließlich überwinden. „Wir müssen vorsichtig sein, dass wir nicht alle Schwellenländer-Kinder mit dem abfließenden QE-Wasser ausschütten“.



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