Geldschwemme der Zentralbanken hält das Börsen-Kasino am Laufen

 

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29.10.2014 01:27
Die Zentralbanken müssen nach Citi-Berechnungen pro Quartal 200 Milliarden US-Dollar frisches Geld in den Markt pumpen, um einen Ausverkauf an den Aktienmärkten zu verhindern. Die Anleger spekulieren wegen der niedrigen Zinsen mit kurzfristigen hohen Renditen, obwohl sie wegen der teils schwachen Fundamentaldaten bei vielen Unternehmen eigentlich aussteigen müssten.

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Die Bank of England, die japanische Notenbank sowie die US-amerikanische Federal Reserve (Fed) drosselten zuletzt ihre Staatsanleihen-Kaufprogramme sowie den Ankauf von Hypothekenpapieren, genannt „Quantitative Easing“ (QE). In den USA wurde das Ankaufprogramm auf monatlich 15 Milliarden US-Dollar gesenkt (Tapering).Über einen langen Zeitraum waren es 85 Milliarden US-Dollar pro Monat.

Im Jahr 2012 betrug die Netto-Finanzspritze noch etwa eine Billion Dollar. Seit 2008 profitierten Aktienkurse und Finanzwirtschaft massiv von diesen Ankaufprogrammen (QE 1-3). Es ging um Gewinne, Boni und Anlagenkurse. Für die Investoren und Spekulanten ist dieses Gelddrucken „funny money“.

Eine Analyse des Teams von Matt King, Leiter der „Kreditstrategie weltweit“ bei der Citigroup, hat nun errechnet, wie hoch eine neuerliche Liquiditätszufuhr ausfallen muss, um ein Austrocknen der Aktienmärkte abzuwenden. Und kommt auf eine Summe von etwa 200 Milliarden US-Dollar frischem Geld, die die Zentralbanken dem Markt pro Quartal zur Verfügung stellen müssen.

Dabei geht King davon aus, dass die Fed das Tapering, also die Drosselung ihres Kaufprogramms fortsetzen und über kurz oder lang gar beenden wird, die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Bank of Japan dies jedoch mit neuen Konjunkturpakten wieder ausgleichen würde. Was auch den US-amerikanischen Finanzmarkt weiterhin bei Laune halten dürfte.

Diese Konjunkturpakete sind nichts anderes als – auf den Euroraum bezogen – die Ankündigungen Mario Draghis, vorab ein QE-light-Programm zu starten.

Bereits in der Woche vor den Ergebnissen des Banken-Stresstests hatte die EZB damit begonnen, kurzlaufende Covered Bonds (Pfandbriefe) aus dem Markt zu nehmen. Unter anderem wurden Titel aus Spanien und Frankreich von 25 Millionen Euro gekauft. Aktuell liegt das Kaufprogramm der EZB bei nunmehr etwa 105 Milliarden Euro. Es sieht ganz danach aus, als würde die EZB zunächst damit beginnen, relativ „sichere Wertpapiere“ zu kaufen, um anschließend Kreditverbriefungen (ABS) und Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) vom Markt zu nehmen, die zuteilen höhere Risiken beinhalten, um die Banken auf diese Weise mit Cash zu versorgen. Als Schlussstein könnte dann der Kauf von Staatsanleihen folgen.

Das Wertpapier-Kaufprogramm hat die EZB für mindestens zwei Jahre angekündigt. Dabei soll das gesamte Potential des „Pakets“ laut Draghi rund eine Billion Euro betragen.

Auch der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat ein Konjunkturprogramm angekündigt – und zwar für die ganze Europäische Union. Noch vor Weihnachten - also der entscheidenden Zeit für die Boni der Bank-Manager - will die EU-Kommission ein 300 Milliarden Euro schweres „Investitionspaket“ zur Belebung der Konjunktur vorstellen. Woher das Geld kommen soll, ist unklar. Vorsorglich hat Juncker keine Details genannt.

Die Analyse der Citigroup geht – was den US-amerikanischen Finanzmarkt betrifft – dennoch davon aus, dass die Fed nicht umhin könne, ihr QE-Programm beizubehalten oder sogar wieder aufzustocken.

Eine Studie der Bianco Research in Chicago geht davon aus, dass die Aktienkurse in den USA in Phasen der Geldschwemme der Fed um durchschnittlich 148 Prozent gestiegen, in den Zeiträumen ohne QE jedoch um 27 Prozent gefallen sind.

„Solange Notenbanken sich viel größere Sorgen um eine Rückkehr der Rezession als um Preisblasen machen, haben sie kaum eine andere Wahl, als wieder anzutreten”, analysiert der Finanzblog Zero Hedge. Eine negative Reaktion auf das Tapering an den Märkten sei eigentlich schon lange überfällig, so die Studie von Matt King.

Zero Hedge bezieht sich dabei auf einen Vergleich zwischen den Fed-Assets und dem S&P 500 Index (US-Leitindex).

Das Diagramm erkläre, so Zero Hedge, weshalb James Bullard, Chef der St. Louis Federal Reserve Bank, der Ansicht ist, dass der QE-Flow neu starten wird.

Ein Minus von knapp zehn Prozent des US-Leitindex S&P 500 reiche aus, um das gerade erst nahende Ende des Anleihekaufprogramms der US-Notenbank Fed bereits wieder in Frage zu stellen.

Anfang September hatten sich die Chefs der Fed noch darauf verständigt, im November 2014 zum letzten Mal für 15 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen und Kreditpapiere aufzukaufen. Daraufhin wies der S&P 500-Index jedoch den deutlichsten Einbruch seit 2011 auf.

Daraus folgt: Die Liquiditätsspritzen sind zu den wichtigsten Indikatoren für die Märkte geworden, nicht die Fundamentaldaten aus den Unternehmen oder der Wirtschaft.


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