Fußball: Warum müssen wir die korrupte Fifa mit GEZ-Geldern finanzieren?

Lesezeit: 3 min
29.05.2015 17:05
Das ZDF hat kein schlechtes Gewissen wegen der TV-Rechte an die Fifa: "Wir wollen das Ereignis haben". Also führe für die Fußball-WM an der Fifa kein Weg vorbei, sagt Intendant Bellut. Die Gebührenzahler werden so zu Komplizen eines korrupten Systems. Sie können sich mit legalen Mitteln nicht wehren, weil die Sender - wie die Fifa - niemandem Rechenschaft schulden, außer sich selbst.
Fußball: Warum müssen wir die korrupte Fifa mit GEZ-Geldern finanzieren?

ZDF-Intendant Thomas Bellut sagte am Freitag, durch den neuen FIFA-Skandal sei die Übertragung der Fußball-Weltmeisterschaften in Russland (2018) und Katar (2022) nicht gefährdet. Die Rechte an den Übertragungen seien bereits erworben, Vertragsverhandlungen stünden nicht an, sagte er nach einer Sitzung des ZDF-Fernsehrats in Berlin.

Obwohl es die schweren Korruptionsvorwürfe gegen die FIFA gibt, muss der Sender laut Bellut im Gespräch mit dem Weltverband bleiben. «Wir wollen das Ereignis haben», sagte Bellut laut dpa, das ZDF komme an der FIFA nicht vorbei. Eine Aufklärung der Vorwürfe sei dringend nötig. Das ZDF besitzt gemeinsam mit der ARD die WM-Rechte für Deutschland.

Mit seinem Statement macht das ZDF klar, dass die Leitung des Senders nicht an einer Diskussion über die Sinnhaftigkeit der WM-Rechte aus den Taschen der Gebührenzahler interessiert ist. Diese Diskussion ist allerdings dringend nötig.

Denn tatsächlich könnte mit den Unsummen, die für das kommerzielle Spektakel ausgegeben werden, eine ganze Armee von investigativen Journalisten beschäftigt werden. Diese Journalisten könnten jene Themen beackern, bei denen der Markt naturgemäß unwillig reagiert: Berichte über schlecht geführte Unternehmen, Recherche über die Verschwendung von Steuergeldern und den politischen Filz; aufwändige Recherchen in Brüssel über die Verquickung von Lobbyisten und EU-Gremien; Reportagen aus den Finanz-Zentren der Welt; Beschäftigung von Fach-Journalisten, die Bilanzen lesen und Trickserein erkennen können; Übersetzer, die die politische PR in verständliche Informationen übersetzen und damit die Demokratie sichern; intensive Berichterstattung über die Zerstörung von Natur, Umwelt und Menschenrechten - in Deutschland und auf der ganzen Welt.

Dafür wären die Deutschen bereit, einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu finanzieren. Das wäre die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Doch der Umgang des ZDF mit dem Fifa-Skandal zeigt, dass die Sender-Chefs längst in einer anderen Welt leben. Man muss sich den Satz auf der Zunge zergehen lassen: «Wir wollen das Ereignis haben», sagt der Intendant. Wer ist denn wir? Woher kommt das Geld? Warum werden Millionen Beitragszahler zu Komplizen einen offenkundig korrupten Vereins?

Und weiter: Um dieses Ziel zu erreichen, kommen wir an der Fifa nicht vorbei. Das heißt im Klartext: Die können machen, was sie wollen - mit unserem Geld, also dem der Gebührenzahler, kann der Blatter Sepp immer rechnen!

Die Korruption in der Fifa wird durch die Milliarden-Summe befeuert, die der Fußballverband zu einem wesentlichen Teil von den Gebührenzahlern bei den öffentlich-rechtlichen Sendern erhält. Doch die Gebührenzahler haben keine Mitbestimmung bei der Fifa. Sie bekommen die Spiele, weil die Sender das wollen. Transparenz gibt es weder beim ZDF noch bei der Fifa. Der gläserne öffentlich-rechtliche Rundfunk ist noch nicht erfunden.

Weltweit hat die Fifa im Jahr 2014 etwa 2,4 Milliarden US-Dollar an TV-Rechten erhalten, wie der eben veröffentlichte Finanzbericht zeigt.

Obwohl die Sender den Gebührenzahler keine Rechenschaft schulden und sich daher seit Jahren weigern, die exakten Summen bekanntzugeben, ist die Größenordnung bekannt, um die es geht: So berichtete der Spiegel Anfang des Jahres, dass ARD und ZDF für die Übertragung der WM in Russland im Jahr 2018 etwa 218 Millionen Euro bezahlen werden. Die Fernsehrechte für die Übertragungen aus dem Wüstenstaat Katar liegen demnach bei etwa 214 Millionen Euro.

Die Vorfälle in Katar sind skandalös - das ist seit langem bekannt. Moderner Sklavenhandel wird dort eingesetzt, um die Festspiele der Fifa möglich zu machen. Über Russland wissen wir nichts - außer, dass die Fifa angekündigt hat, in Russland 185 Millionen Euro in die Sportstätten zu investieren, wie die TASS stolz meldet.

Das ist also die moderne Medienwirklichkeit in Deutschland: Mit Zwangsbeiträgen, die noch dazu als «Demokratieabgabe» verbrämt werden, wird ein System finanziert, dessen Korruptions-Anfälligkeit notorisch ist. Nicht einmal der spektakuläre Auftritt der US-Strafverfolger in Zürich führt dazu, dass man bei ZDF und ARD innehält und sich fragt: Können wir es unseren Zuseher zumuten, ihr Geld in solche Kanäle zu leiten? Wollen wir wirklich Sklavenarbeit fördern? Ist es die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Sportstätten in Russland zu finanzieren - wo man doch gleichzeitig rund um die Uhr gegen Putins «Reich des Bösen»?

Statt solcher Fragen wird lapidar mitgeteilt: Wir wollen das Ereignis. Wir kommen an der Fifa nicht vorbei.

Die leidgeprüften Gebührenzahler sollten ihren Sendern sagen: Wir wollen dieses «Ereignis» nicht. Wischt unsere Einwände nicht leichtfertig beiseite. Denn auf lange Sicht kommt Ihr an denen, die Euch finanzieren, nicht vorbei.



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