Peinlich: China zweifelt an Amerikas Stärke

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
18.09.2015 12:48
Die Fed hat die Zinswende verschoben. Die Erholung der US-Wirtschaft sei nicht stabil, kommentiert China diese Entscheidung. Fakt ist: Die US-Wirtschaft hat unter den großen Wirtschaftsnationen die stärkste Verfehlung der Wachstumsprognosen zu verzeichnen, so Folker Hellmeyer, der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank.
Peinlich: China zweifelt an Amerikas Stärke

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, analysiert im Brief an seine Kunden:

Seit Mitte 2014 wird die Zinswende verschoben. Das Thema wurde zum Dauerbrenner der USD-Stärke gegenüber europäischen Währungen, aber auch gegenüber den Währungen der Schwellenländer. Nun geht das Thema in die x-te Verlängerung. Wir nehmen das zur Kenntnis.

Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve hat mit 9:1 Stimmen für eine Beibehaltung der Niedrigzinspolitik (Fed Funds Rate 0,00% - 0,25%) votiert.

Maßgeblicher Hintergrund der Entscheidung war der Verweis auf Unsicherheiten des globalen Umfelds mit potentiell negativen Folgen für die US-Wirtschaft.

Fraglos gibt es diese Unsicherheiten. Fakt ist, dass die US-Wirtschaft unter den großen Wirtschaftsnationen die stärkste Verfehlung der Wachstumsprognosen gegenüber dem Jahresanfang zu verzeichnen hat.

Chinas BIP-Prognose wurden von gut 7,0% auf circa 6,7% reduziert und die US-BIP-Prognose von mehr als 3% auf jetzt 2,1%. Liegt das Problem der Weltwirtschaft nun in China oder in den USA Frau Yellen?

Wir empfehlen den Worten des chinesischen Finanzministeriums zu lauschen. Heutiger O-Ton: Die Erholung der US-Wirtschaft sei nicht stabil.

Sehr geehrte Frau Yellen, Sie blenden auch aus, dass dieser gegenüber Jahresanfang verringerte US-Wachstumspfad mit öffentlichen Haushaltsdefiziten in der Größenordnung von circa 4,5% (Eurozone voraussichtlich bei circa 2% oder weniger)erarbeitet wird. Was sagt das über die Qualität der wirtschaftlichen Expansion aus?

Der Konjunkturausblick der Federal Reserve bleibt moderat positiv geprägt. Das schwache Inflationsbild wird als vorübergehend klassifiziert.

Kenntnisnahme erfolgt – der Trackrecord der Fed-Prognostik wird dabei von uns im Hintergrund nicht ignoriert.

Implizit wurde die Bedeutung der USD-Bewertung angesprochen, indem darauf verwiesen wurde, dass die Nettoexporte das Wachstum im 1.Halbjahr belasteten.

Damit macht die US-Zentralbank implizit deutlich, dass eine weitere Befestigung des USD nicht auf dem Wunschzettel der US-Zentralbank steht.

Auch die Turbulenzen an den Finanzmärkten wurden als Risiko für das Konjunkturbild der USA thematisiert.

Die USA haben eine „Asset-driven Economy“, eine Konjunktur, die von der Bewertung wesentlicher Aktiva (Aktien, Immobilien) abhängig ist und von hoher Konsumverschuldung geprägt ist. Ergo gibt es ein Interesse an stabilen hohen Bewertungen dieser Aktiva.

Weitere Verbesserungen am Arbeitsmarkt und in der Gesamtwirtschaft seien erforderlich, um die Zinswende einzuleiten, die angemessen und schrittweise umgesetzt würde.

Die Frage ist, ob der Offenmarktausschuss sich nur die Nonfarm-Payrolls und die Quote U-3 anschaut oder auch auf die eingebrochene Partizipationsrate (Tiefpunkt seit 70er Jahren), die Quote U-6 (10,3%), die Vergleichbarkeit mit dem Pendant der Eurozone erlaubt, oder das Maß der Unterbeschäftigung schaut.

Man könnte bei vollständiger Betrachtung der Datensätze auch zu einem nahezu vollständig anderen Bild kommen. Der Beginn der Zinswende wird von der Mehrheit der Ausschussmitglieder noch in diesem Jahr sein.

Wir sind skeptisch, wir schließen es aber nicht aus.

Die Entscheidung sei datenabhängig, der Oktobertermin sei denkbar. Die Unsicherheit bei der Konjunktureinschätzung sei jedoch erheblich.

Ein Teilnehmer setzte sich für die Implementierung von Negativzinsen ein.

Hinsichtlich der strukturellen Defizite in den USA ist es zunehmend unwahrscheinlich, dass die Konjunkturerwartungen des Offenmarktausschusses voll erfüllt werden. Vor diesem Hintergrund sind maximale und vor allen Dingen temporäre Zinserhöhungen bis zu 0,50% nach wie vor nicht vollständig auszuschließen. Damit bleibt die Sichtweise aus unserem Jahresausblick 2015 valide.

Die aktuelle Sitzung weist Merkmale auf, die mit dem Einstieg in den Ausstieg aus einer nachhaltigen Zinswende der Federal Reserve in Verbindung gebracht werden dürfen.

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Politik
Politik USA wütend: Vatikan will an Geheimabkommen mit China festhalten

Der Vatikan will an einem Geheimabkommen mit China festhalten. Doch die USA fordern vom Papst, dass dieser das Abkommen auslaufen lässt....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Gazprom sieht bis Ende 2021 eine vollständige Erholung der Öl-Nachfrage

Nach einer Prognose von Gazprom soll sich die Ölnachfrage bis Ende des Jahres erholen.

DWN
Deutschland
Deutschland „Photovoltaik-Sozialismus“: Ausbau der Erneuerbaren Energien geht am Verbraucher vorbei

Ein Änderungsantrag zum EEG-Gesetzt verspricht Großes für die Zukunft, macht die Eigenversorgung mit Solarstrom aber unattraktiv. Aus...

DWN
Politik
Politik Bundesregierung plant Pflicht zu CO2-freiem Kerosin im Flugverkehr

Die Bundesregierung treibt den Klimakampf schneller voran, als von der EU vorgegeben. Einem Gesetzentwurf zufolge sollen bis 2030...

DWN
Deutschland
Deutschland Heute Klima-Demos: Spielen Corona-Abstandsregeln keine Rolle mehr?

Heute finden deutschlandweit Klima-Demos der Initiative „Fridays for Future“ statt. Umweltministerin Schulze sagte, sie sei...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschlands Imker verzeichnen nur mittelmäßige Ernte

Deutschlands Imker haben dieses Jahr mit 34 Kilo Honig pro Volk nur eine mittelmäßige Honigernte einholen können.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Polen baut eigene Gasleitung, kappt die Verbindung mit Russland immer mehr

Was viele Länder schon seit langem versuchen, dürfte dem größten östlichen EU-Mitglied nun gelingen: Seine Abhängigkeit vom...

DWN
Politik
Politik Salafisten bewaffnen sich: Steuert die Türkei auf einen Bürgerkrieg zu?

Berichten zufolge sollen sich Salafisten-Gruppen in der Türkei für einen Bürgerkrieg bewaffnen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zuviel Bitcoin-Mining: Im Iran ist die Energie-Versorgung gefährdet

Die iranische Wirtschaft liegt am Boden – jetzt setzt sie auf Bitcoin. Doch das stellt ein großes Problem für die Energie-Versorgung...

DWN
Deutschland
Deutschland Gewerkschaft will Kontaktdaten von Restaurant-Besuchern digital erfassen

Die Kellner scheuen sich, die von ihren Gästen wegen Corona anzugebenden Kontaktdaten zu kontrollieren. Daher sollte nach Ansicht der...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Wahl: Goldman Sachs rechnet mit Dollar-Einbruch bei Sieg von Biden

Die US-Großbank Goldman Sachs meint, dass ein Wahlsieg Joe Bidens den Einbruch des US-Dollars beschleunigen würde.

DWN
Deutschland
Deutschland Verband: Wirtschaftliche Lage der Flughäfen spitzt sich zu

Die Flughäfen rechnen auch für die kommenden Jahre mit hohen Verlusten.

DWN
Politik
Politik Wenn im Mittelmeer ein Krieg ausbricht, ist Chinas Neue Seidenstraße tot - Teil 1

Chinas Neue Seidenstraße kann nur gelingen, wenn die Anrainer-Staaten im östlichen Mittelmeer sich vertragen. Doch im Moment stehen die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona: Millionen vom Hungertod bedroht, Armut nimmt dramatisch zu

Armut und Hunger werden aller Voraussicht nach durch Corona dramatisch zunehmen. Vor allem Kinder sind betroffen.

celtra_fin_Interscroller