Studie: Vom Westen unterstützte Opposition hat Maidan-Massaker verübt

 

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02.01.2016 15:32
Eine Studie der Universität von Ottawa kommt nach Auswertung von tausenden Belegen zum Ergebnis: Die Schüsse gegen die Demonstranten am Maidan kamen nicht von der Regierung, sondern aus den Reihen der vom Westen unterstützten Opposition. Seit 1. Januar ist die Ukraine mit der EU assoziiert – eine vergiftete, späte Frucht der Gewalt vom Maidan.
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Die Karte der Ereignisse vom 20. Februar 2014. (Grafik: Ivan Katchanovski)

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Eine Studie der Universität von Ottawa untersucht die Ursachen des Maidan-Massakers neu und kommt zu dem Fazit, dass das Massaker, das zum Sturz der Regierung Janukowitsch und damit zur Neuauflage des Kalten Kriegs der EU und der USA gegen Russland, nicht von Janukowitsch durchgeführt wurde. Die Studie findet eine erdrückende Beweislast, dass die Schüsse auf Demonstranten in den Veranwortungsbereich der vom Westen unterstützten Opposition fällt: Die Gruppe um Julia Tischoschenko und die Rechtsextremen erreichten mit der Gewalt tatsächlich ihr Ziel: Die Regierung stürzte - und der Weg wurde freu für einen straffen anti-russischen Kurs. Seit 1. Januar 2016 ist das Assoziierungsabkommen der EU mit der Ukraine in Kraft (Video am Anfang des Artikels) – eine späte, vergiftete Frucht der Schüsse auf Polizisten und Demonstranten aus dem Hinterhalt.

Das Fazit der Studie der Universität von Ottawa (Autor:  Ivan Katchanovski), die im Detail zu studieren sich wirklich lohnt:

Das Massaker an fast 50 Maidan-Demonstranten am 20. Februar 2014 war ein entscheidender Wendepunkt in der ukrainischen Politik und dem Konflikt zwischen Russland und den Westen.

Der Massenmord an den Demonstranten und der Massenschießerei der Polizei, welche ihm vorherging, führte zum Umsturz der pro-russischen Regierung Viktor Janukowitschs und war der Beginn eines Bürgerkriegs im Donbas, in der östlichen Ukraine, und einem russischen Kriegseinsatz auf der Krim und im Donbas. Die Schlussfolgerung, die sowohl von der Nachfolge-Regierung als auch von den Medien lanciert wurde, war, dass das Massaker von Regierungs-Scharfschützen und Spezialeinsatzkräften der Polizei auf Befehl von Janukowitsch ausgeführt wurde.

Diese Darstellung ist bislang quasi universell von westlichen Regierungen, Medien und vielen Gelehrten akzeptiert worden. Die Ermittlungen der ukrainischen Regierung identifizierte Mitglieder der Spezial-Einheit von Berkut als verantwortlich für den Vorfall, veröffentlichte jedoch keine Beweise zur Unterstützung dieser Behauptung, einmal abgesehen von Videos, die das Massaker festhalten.

Die Frage ist jedoch, welche Seite das Scharfschützen-Massaker organisiert hat. Die Studie hat sich mit eben dieser Frage befasst. Sie stellt das Verhalten der involvierten Parteien in Frage. Nicht nur die Janukowitsch-Regierung und die Polizei, sondern auch die Maidan-Opposition und speziell den rechten und oligarchischen Elementen darin.

Tausende Beweisstücke aus öffentlich zugänglichen Quellen, Videos und Fotos, Live-Aufzeichnungen aus dem Netz, den Nachrichten und den Sozialen Medien, sowie Funküberwachung der Scharfschützen, des Sicherheitsdiensts und der internen Truppen wurden gesammelt. Auch Material aus dem Maidan-Prozess, sowie Augenzeugenberichte aus Gesellschaft und Politik, ballistischen Untersuchungen wurden genutzt, um einen genauen zeitlichen Ablauf der Massentötung zu erstellen. Auch andere Gewaltausschreitungen während und nach dem "Euromaidan" wurden in die Analyse eingeschlossen.

Dabei kommen wir zu einer anderen Schlussfolgerung, als der, die bislang allgemein vom Westen anerkannt wurde. Die Beweise der Verwicklung einer Allianz aus der Rechten, unter anderem dem „Rechten Sektor“, „Swoboda“ und der „Allukrainischen Vereinigung Vaterland“, zahlreiche Zeugenaussagen und neu-ausgewertetes Material, legen nahe, dass es sich bei der Schießerei nicht um eine Regierungsaktion gegen die Opposition handelt. Stattdessen offenbart sich eine „False Flag“, die minutiös geplant und ausgeführt wurde - mit dem Ziel die Regierung zu stürzen und die Macht zu ergreifen.

Eines der Ergebnisse der Untersuchung ist, dass die Partei der Oligarchin und vormaligen Regierungschefin Julia Timoschenko - die „Allukrainische Vereinigung Vaterland“ - offenkundig eine führende Rolle beim Putsch gespielt hat. Seit dem Jahr 2008 ist diese Gruppierung eine Schwesternpartei der CDU. Beide gehören der Allianz der europäischen Volksparteien (EVP) an.

Mittlerweile ist auch bekannt, dass die Konrad-Adenauer-Stiftung mit deutschen Steuergeldern beim politischen Umbruch in der Ukraine kräftig mitgemischt hat. Die Konrad-Adenauer-Stiftung ist eigenen Angaben zufolge seit 1994 in der Ukraine aktiv und hat dort mehr als 500 Projekte begleitet. Sie baute auch Klitschkos Partei, die „Ukrainische Demokratische Allianz für Reformen“ (UDAR), durch gezielte „logistische Hilfe“ und Schulungen mit auf. Die pro-europäische Partei hat es sich zum Ziel gesetzt, die Ukraine schnellstmöglich in die EU zu integrieren.

Die Ukraine steht wegen Misswirtschaft, Korruption und dem Bürgerkrieg im Osten am Rande eines Staatsbankrotts. Die von der EU finanzierte Regierung in Kiew steht mittlerweile vor dem Zerfall. Die Partei von Timoschenko will offenbar die Forderungen der Rechtsextremen unterstützen, die den Sturz der Regierung betreiben. Es droht ein neuer Bürgerkrieg, doch diesmal in der West-Ukraine.

Auch Premier Jazenjuk ist unter Druck: Ihm wird Korruption vorgeworfen. Es ist daher naheliegend, dass die Regierung den Feind von außen benötigt, um selbst aus der Schusslinie zu kommen. Dazu ist sie, wie schon am Maidan, offenbar bereit, alle Möglichkeiten der Provokation auszureizen: Die Rechtsextremen haben mit einer Blockade der Krim begonnen und die Stromversorgung gekappt- ohne von der Regierung daran gehindert zu werden.

Eine offizielle Aufklärung der Vorfälle vom Maidan war dem ukrainischen Volk von Bundeskanzlerin Angela Merkel unmittelbar nach dem Putsch versprochen worden. Bis heute gibt es nicht einmal den Ansatz einer Anstrengung, die Ereignisse aufzuklären.

Moskau hat aus den Ereignissen seine Konsequenzen gezogen und zum Jahresbeginn bekanntgegeben, dass vom Ausland initiierte Farben-Revolutionen eine Bedrohung für die nationale Sicherheit Russlands darstellen.


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