Politik

Die Stimmung kippt: Buchmacher melden drastischen Anstieg der EU-Gegner

Lesezeit: 1 min
16.06.2016 01:13
Bei englischen Wettbüros zeichnet sich ein Umschwung ab: Die Unterstützung für einen Austritt Großbritanniens aus der EU ist in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Verstärkt könnte der Trend dadurch werden, dass viele Briten in der geheimen Abstimmung anders entscheiden als sie dies in Umfragen angeben.
Die Stimmung kippt: Buchmacher melden drastischen Anstieg der EU-Gegner

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Zehn Tage vor dem Referendum gewinnen die Befürworter eines Austritts Großbritanniens aus der EU deutlich an Rückenwind, wie Reuters am Dienstag meldete. In den Wettbüros wurden die Chancen eines Brexit am Montag so hoch eingeschätzt wie noch nie seit Ankündigung der Volksabstimmung vor vier Monaten. Nach Angaben des Online-Wettanbieters Betfair stieg die Wahrscheinlichkeit auf inzwischen 40 Prozent. Das bedeutet zwar, dass die Aussichten für einen Verbleib der Briten in der Europäischen Union mit 60 Prozent immer noch deutlich höher waren. Aber der Rückgang der Quote seit vergangenem Donnerstag fiel mit 18 Punkten beachtlich aus. Fast 50 Prozent aller Einnahmen des Wettbüros entfielen in den vergangenen 24 Stunden auf Wetten für oder gegen einen Brexit, wie Betfair schreibt.

Der Buchmacher William Hill bot Wettern, die auf einen Brexit setzen, daher nur noch die Hälfte des bisher in Aussicht gestellten Gewinns, wie ein Sprecher sagte. Falls die Wähler sich am Donnerstag kommender Woche (23. Juni) für einen Abschied aus der EU entscheiden, gibt es demnach bei einem Wetteinsatz von vier Pfund nur noch sieben Pfund zusätzlich oben drauf.

Investoren schauen mit großem Interesse auf die nahezu täglich veröffentlichten Quoten der Buchmacher. „Wetten sind der Versuch der Märkte, die Umfragen zusammenzufassen und von all deren Anfälligkeiten zu bereinigen“, sagt Fondsmanager Paul Lambert von Insight Investment. Aus Investorensicht haben die Buchmacher noch einen anderen Vorteil: Sie können ihre Quote praktisch in Echtzeit anpassen, nicht zuletzt auch dank der Online-Wettbörsen. Sie sind dadurch schneller als die Meinungsforscher, die für ihre Prognosen Tausende Wähler anrufen müssen.

Der Rückgang der Wettquote ist indes auch das Ergebnis einer neuen Meinungsumfrage des Instituts ORB für die Zeitung The Independent. Demzufolge liegen die Befürworter eines Brexit zehn Prozentpunkte vor den Gegnern. Bislang zeigen die zahlreichen Umfragen allerdings keinen einheitlichen Trend. Solche Erhebungen werden mit besonderem Argwohn betrachtet, nachdem der Wahlsieg von Premierminister David Cameron im vergangenen Jahr viel deutlicher ausfiel als erwartet. An den Finanzmärkten steigt seit Tagen die Angst vor einem Brexit. Viele Investoren befürchten einen wirtschaftlichen Rückschlag für ganz Europa, sollten die Briten sich aus der Union verabschieden.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Was sagt uns diese Schuldengrafik der USA?

Die US-Staatsschulden haben den höchsten Stand seit Beginn des Zweiten Weltkriegs erreicht. Welche politischen Konsequenzen diese...

DWN
Politik
Politik Verfehlte Strategie: Die Nato geht gegen Russland vor - während China sich anschickt, die Welt zu beherrschen

Die große Grundsatz-Analyse von DWN-Kolumnist Ronald Barazon: Die Nato positioniert sich gegen Russland, ganz so, als sei der Kalte Krieg...

DWN
Politik
Politik DWN-Spezial: China geht als großer Sieger aus den Wahlen im Iran hervor

Ebrahim Raeissi hat die Präsidentenwahl im Iran gewonnen. Raeissi ist ein vehementer Unterstützer einer iranisch-chinesischen Allianz und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Weltraum wird privat und eröffnet Anlegern neue Chancen

Privatunternehmen drängen in den Kosmos. Prominente Vorreiter wie SpaceX und Blue Origin bringen Satelliten ins All, versorgen die...

DWN
Politik
Politik In den letzten 500 Jahren ist die Weltbevölkerung stetig gewachsen

In den letzten 500 Jahren ist die Bevölkerung stetig gewachsen. Das bedeutet, dass es in der gesamten Geschichte des modernen...

DWN
Politik
Politik Gaddafi: Die Flüchtlinge nach Europa sind das Resultat von Kolonialismus und Diebstahl

Im Jahr 2009 hielt der damalige libysche Präsident Muammar al-Gaddafi eine Rede vor der UN. Er sagte, dass die Afrikaner nach Europa...

DWN
Technologie
Technologie Sächsische Wissenschaftler stellen aus Meeres-Schwamm Abwasserfilter her

Wissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg haben ein ganz besonderen Werkstoff hergestellt, der bisher kaum denkbar schien.

DWN
Politik
Politik Lafontaine gegen Biden: „Die USA und ihre westlichen Vasallen samt ihrer Propaganda-Medien sind nicht zum Frieden fähig“

Der Linkspolitiker Oskar Lafontaine teilt erneut über Twitter aus. „Schätzungsweise 20 Millionen Menschen wurden seit dem Zweiten...