Gefährlich für den Euro: EU kann nationalen Banken in Krise nicht helfen

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 1 min
18.06.2016 00:57
Die EU zögert bei der Einführung der gemeinsamen Haftung für Sparguthaben. Deutschland fordert ein Veto-Recht bei Banken-Rettungen. Die Strategie könnte sich als gefährlich erweisen: Aktuell ist die Euro-Zone für einen Banken-Crash nicht gerüstet.
Gefährlich für den Euro: EU kann nationalen Banken in Krise nicht helfen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++Werbung+++

Die EU-Staaten lassen sich bei der Einführung einer europaweiten Einlagensicherung für Bankguthaben Zeit. Die Finanzminister der Mitgliedsländer vereinbarten am Freitag in Luxemburg, dass Beratungen erst dann aufgenommen werden sollen, wenn es "bedeutsame Fortschritte" bei der Risiko-Reduzierung im Bankensektor gegeben hat. Ein Datum wurde in den Schlussfolgerungen des EU-Rates nicht genannt. Die Einigung entspricht der Position von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der sich wie die deutschen Banken gegen die baldige Einführung einer EU-Einlagensicherung sträubt.

Im Gegensatz zur Bundesregierung wollten Länder wie Italien und die EU-Kommission das Einlagensicherungssystem (Edis) rasch vorantreiben, um so die Bankenunion in der EU zu vervollständigen. Dagegen hatte Schäuble schon vor den Beratungen klar gemacht: "Wir werden bei der Stärkung der Bankenunion nicht mit der Einlagensicherung beginnen." Schäuble beharrte darauf, dass die neuen Regeln zur Beteiligung von Anteilseignern und Gläubigern bei Bankenrettungen (BRRD) zunächst in allen EU-Ländern vollständig umgesetzt sein müssten. Zudem soll die EU-Kommission bis Jahresende zunächst weitere Vorschläge zu Detailfragen der Richtlinie vorlegen.

Schäuble will zudem durchsetzen, dass die rechtliche Grundlage des Einlagensicherungsfonds zwischenstaatlich geregelt wird. Damit hätte Deutschland ein Veto-Recht. Nach Ansicht Schäubles ist eine solche zwischenstaatliche Vereinbarung rechtlich notwendig. "Deswegen werden wir darauf bestehen", kündigte er an. Die EU-Kommission will dagegen per Mehrheitsbeschluss den Fonds schrittweise einrichten, der bei Bankenschieflagen europaweit Einlagen bis zu 100.000 Euro absichert.

Die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Sparkassen fürchten, dass sie dabei am Ende für Pleiten von Geldhäusern in Griechenland und anderen kriselnden Euro-Staaten geradestehen müssten. "Vergemeinschaftung von Einlagensicherungen ist und bleibt ein Holzweg", kritisierte der Präsident des Sparkassenverbandes, Georg Fahrenschon. Der Verband der Volksbanken und Raiffeisen forderte zunächst eine Studie über die Auswirkungen von Edis, bevor das Projekt weiter verfolgt wird.

Für die Euro-Zone ist diese Entwicklung ausgesprochen gefährlich: Viele Banken, vor allem in Italien, haben viel zu hohe Bestände an faulen Krediten. Eine neue Finanz-Krise träfe den europäischen Banken-Sektor mit unzureichenden Sicherungsmaßnahmen. Die möglichen Verwerfungen könnten die Euro-Zone in den Zerfall treiben. Einzelne Staaten sind nicht in der Lage, ihre Banken ohne schwere Verluste für die Sparer zu retten. Damit würden sich im Crash-Fall die Anti-Euro-Tendenzen verstärken. Spekulanten könnten das Vakuum nutzen, um den Euro zu attackieren.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Wegen Abgas-Manipulation: Bundesweite Razzia beim Autobauer Mitsubishi

Nun steht auch Mitsubishi wegen des Verdachts der Abgasmanipulation im Visier deutscher Ermittler. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat am...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Deutschen trauen dem Kapitalismus nicht mehr

Immer mehr Deutsche trauen dem Kapitalismus nicht mehr. Weltweit nimmt das Vertrauen in die ungezügelte Macht des Marktes ab.

DWN
Politik
Politik Libyen-Konflikt: Wird der Funke auf Algerien und Ägypten überspringen?

Der Libyen-Konflikt birgt das Potenzial in sich, auf Algerien und Ägypten überzuspringen. Es droht ein Flächenbrand im gesamten...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft IfW: US-Handelsabkommen mit China belastet besonders deutschen Fahrzeugbau

Das Teilabkommen der USA und China hatte bei vielen die Hoffnung geweckt, der Handelskrieg könne sich nun entschärfen. Doch jetzt hat das...

DWN
Politik
Politik Frontex: Unerlaubte Grenzübertritte steigen um 46 Prozent

Der EU-Grenzschutzagentur Frontex zufolge sind die unerlaubten Grenzübertritte über das östliche Mittelmeer um 46 Prozent gestiegen.

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Elektroindustrie wird von massiven Umsatzrückgängen gebeutelt

Der deutschen Elektroindustrie geht es überhaupt nicht gut. Aufträge und Umsätze sinken in bedenklichem Umfang.

DWN
Politik
Politik Um sie anschließend im Iran einzusetzen? USA ziehen Tausende Soldaten von Nato-Übung in den Irak ab

Am diesjährigen Nato-Manöver in Norwegen werden nur 7.500 US-Soldaten teilnehmen. 3.000 Soldaten wurden abgezogen, um sie im Irak...

DWN
Finanzen
Finanzen Investoren sind besorgt: EZB-Chefin Lagarde hat sich mit einem völlig unerfahrenen Team umgeben

Nicht nur die neue Präsidentin Christine Lagarde, sondern mehr als die Hälfte der Mitglieder im mächtigen EZB-Direktorium sind noch...

DWN
Deutschland
Deutschland Dienstleistungen schieben Gesamtwirtschaft nach vorn

Das Dienstleistungewerbe ist ein wichtiger Wachstumsfaktor für die Gesamtwirtschaft. Zusätzlich hat sich die Stimmung unter den Managern...

DWN
Politik
Politik Syrien: Söldner greifen Regierungstruppen in Idlib an

In der syrischen Provinz sollen Söldner mehrere Angriffe auf Regierungssoldaten ausgeführt haben. Zehn syrische Soldaten wurden getötet.

DWN
Deutschland
Deutschland Hessen: Steuerfahnder müssen künftig kugelsichere Westen tragen

In Hessen nimmt die Gewalt gegen Steuerfahnder zu. Deshalb müssen die Beamten künftig im Rahmen ihrer Einsätze kugelsichere Westen...

DWN
Finanzen
Finanzen Italiener haben mehr Vermögen als Deutsche

Die Italiener sind reicher als die Deutschen: Ihr Nettogeldvermögen ist grösser als das der Bundesbürger.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die zehn großen Risiken für die Weltwirtschaft im Jahr 2020

Die Weltwirtschaft wird 2020 weiter wachsen, sagt Anatole Kaletsky voraus. Aber: Das globale Wachstum sei auch Risiken ausgesetzt, warnt...

DWN
Politik
Politik Trumps Drohnen-Angriff auf Soleimani: Die ganze Wahrheit

DWN-Analyst Michael Bernegger zeigt die wahren Gründe auf, warum Präsident Donald Trump den iranischen General Qassem Soleimani töten...

celtra_fin_Interscroller