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Wirtschaftsweise sagen Rente mit 71 Jahren voraus

Lesezeit: 2 min
03.11.2016 03:02
Die Wirtschaftsweisen der Bundesregierung gehen davon aus, dass die Kinder von heute bis zum 71. Lebensjahr werden arbeiten müssen.
Wirtschaftsweise sagen Rente mit 71 Jahren voraus

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Mit der Forderung nach einer Rente mit 71 haben die «Wirtschaftsweisen» die Debatte um die geplante Rentenreform angeheizt. In ihrem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Jahresgutachten plädieren sie für eine Koppelung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung. «Dies würde bis zum Jahr 2080 bei einer Lebenserwartung von 88 Jahren für Männer und 91 Jahren für Frauen zu einem gesetzlichen Renteneintrittsalter von 71 Jahren führen.» Bei Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) stießen sie auf Widerspruch. Scharfe Kritik kam von Verdi-Chef Frank Bsirske.

«Damit in der langen Frist ab dem Jahr 2030 der Beitragssatz weniger nach oben und das Sicherungsniveau weniger nach unten angepasst werden müssen, ist eine weitere Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters notwendig», so der Wirtschafts-Sachverständigenrat. Die Dauer des Rentenbezugs müsste dann nicht immer weiter ansteigen. Für 2060 diskutiert er ein Rentenalter von 69 Jahren.

Mit der Rente mit 71 Jahren ergäben sich laut den Gutachtern im Jahr 2080 ein Sicherungsniveau von 42,1 Prozent und ein Beitragssatz von 23,9 Prozent. Eine höhere Untergrenze für das Sicherungsniveau, etwa 45 Prozent, würde höhere Beitrage erfordern, warnen die Gutachter.

Tatsächlich sind die aktuellen Rentensysteme so angelegt, dass viele Deutsche sich auf eine Form der Altersarmut einstellen müssen. 

Nahles wandte sich gegen ein höheres Rentenalter. «Dazu sind die Lebensumstände, Gesundheitszustände und die persönlichen Planungen zu unterschiedlich», sagte ein Sprecher ihres Ministeriums. Nach geltender Rechtslage steigt das Rentenalter auf 67 bis 2029. Um dies auch in der Realität besser zu ermöglichen, seien noch Hausaufgaben zu machen, auch in den Unternehmen, sagte der Sprecher.

Nahles gehe es eher um eine Flexibilisierung des Renteneintritts. Wer länger arbeiten könne und wolle, solle das dürfen. Wer nicht bis zum normalen Rentenalter arbeiten könne, solle früher aufhören können. Das im Oktober im Bundestag verabschiedete Flexi-Renten-Gesetz sei ein Schritt in diese Richtung. Teilzeitarbeit und Teilrentenbezug können mit den Gesetz künftig besser kombiniert werden.

Verdi-Chef Bsirske warf den «Wirtschaftsweisen» krude, wirtschaftlich schädliche und sozial ungerechte Vorschläge vor. «Niemand braucht eine Politikberatung, die wirtschaftstheoretisch und wirtschaftspolitisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Nahles hatte bereits zum Abschluss ihres Rentendialogs mit Verbänden und Sozialpartnern am Montag nach Teilnehmerangaben ihren Widerstand gegen ein höheres Rentenalter deutlich gemacht. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte dagegen im April für eine Kopplung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung plädiert.

Mitte November will Nahles ein Rentenkonzept vorlegen, mit der Nennung eines Mindest-Rentenniveaus und eines Höchst-Beitragssatzes 2045. Dieses Verhältnis der Rente zum Durchschnittslohn fällt ohne Reform laut Regierung von heute 47,8 Prozent bis 2045 auf voraussichtlich 41,6 Prozent, der Beitragssatz steigt von 18,7 auf 23,4 Prozent.

Die «Wirtschaftsweisen» warnen, ungünstig auf die Rentenfinanzen würde sich eine Einbeziehung von Selbstständigen in die Rente auswirken. Nahles will Selbstständige besser absichern.

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