Südkorea: Massen-Proteste gegen Präsidentin wegen Korruption

Die Korruptionsaffäre um längjährige Vertraute belastet Südkoreas Staatschefin Park Geun Hye. Zehntausende forderten ihren Rücktritt.

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Die Korruptionsaffäre um ihre langjährige Vertraute Choi Soon Sil macht Südkoreas Staatschefin Park Geun Hye immer mehr zu schaffen. In der Hauptstadt Seoul forderten am Samstag zehntausende Demonstranten Parks Rücktritt. Ihre Zustimmungswerte sanken auf ein neues Rekordtief. Am Sonntag wurden zwei frühere enge Mitarbeiter der Präsidentin festgenommen, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

Die Demonstration gegen Park war einer der größten Kundgebungen in der südkoreanischen Hauptstadt seit Jahren. An dem Protestmarsch im Zentrum von Seoul nahmen nach Angaben der Polizei etwa 50.000 Menschen teil, die Organisatoren sprachen von beinahe 200.000 Teilnehmern. Die Kundgebung wurde von 20.000 Polizisten überwacht.

„Treten Sie zurück“, forderten die Demonstranten die Staatschefin in Sprechchören auf. Auch durch die öffentliche Entschuldigung von Park am Vortag ließen sich die Demonstranten nicht besänftigen.

„Ihre Rede hat mich nur noch wütender gemacht“, sagte Park Mee Hee mit Blick auf die emotionale Fernsehansprache, in der die Staatschefin Fehler eingeräumt hatte. Der 20-jährige Politikstudent Kim Do Huyan schimpfte, Parks langjährige Freundin Choi habe „wie eine Regentin von Park gehandelt und ihre Entscheidungen kontrolliert“.

Choi soll ihre Beziehungen zu Park dazu genutzt haben, von südkoreanischen Unternehmen wie Samsung Spenden für ihre angeblich wohltätigen Stiftungen einzutreiben, aus denen sie sich dann persönlich bereichert haben soll. Darüber hinaus wird Choi vorgeworfen, Einfluss auf die Regierungsarbeit Parks genommen zu haben.

Choi war am Donnerstag wegen des Verdachts auf Betrug und Machtmissbrauch festgenommen worden. Sie ist die Tochter des Sektengründers Choi Tae Min, der bis zu seinem Tod im Jahr 1994 Parks Mentor war.

Park war durch den Skandal zunehmend in Bedrängnis geraten, zumal sie sich selbst dem Vorwurf, einem religiösen Kult verfallen zu sein, gegenübersah. Bei einer Fernsehansprache am Freitag hatte sie sich gegen die Vorwürfe gewehrt, sich aber gleichzeitig entschuldigt. Da sie als Staatschefin ein „einsames Leben“ führe, habe sie Chois Nähe gesucht. In einem Versuch, das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen, bildete Park ihr Kabinett um und tauschte Berater aus.

Die Umfragewerte der Präsidentin rutschen diese Woche auf fünf Prozent ab. Das ist der niedrigste Wert, den ein Staatsoberhaupt in Südkorea je erzielte. Beobachter gehen dennoch davon aus, dass Park bis zum Ende ihrer regulären Amtszeit in gut einem Jahr Präsidentin bleiben wird.

Die Korruptionsaffäre zieht allerdings weitere Kreise. Parks früherer ranghoher Berater Ahn Jong Beom sei am Sonntag wegen Machtmissbrauchs und versuchter Nötigung festgenommen worden, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Er soll Choi geholfen haben, Millionenspenden für ihre Stiftungen einzusammeln.

Ahn war bereits am Mittwoch in Gewahrsam genommen worden, nun erfolgte seine offizielle Festnahme. Vergangenen Monat war er zurückgetreten und übernahm damit laut Yonhap „die Verantwortung dafür, der Präsidentin schlecht beigestanden zu haben“.

Festgenommen wurde außerdem Parks früherer Mitarbeiter Jeong Ho Seong, der Park seit 1998 zur Seite gestanden hatte. Der 47-Jährige soll Reden der Präsidentin und offizielle Dokumente an Choi weitergeleitet haben.

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