Fake News Plugin warnt vor deutscher Satire-Website „Postillon“

Die deutsche Satire-Website „Der Postillon“ ist auf eine Fake News-Liste geraten, auf der US-Leser vor Russen, Iranern, Rassisten und Alternativmedien gewarnt werden.

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Der Postillon auf einer US-Liste für Fake News. (Screenshot: B.S.Detector)

Der Postillon auf einer US-Liste für Fake News. (Screenshot: B.S.Detector)

In den USA gibt es seit einigen Tagen ein Plugin, mit welchem die Leser vor sogenannten „Fake News“ gewarnt werden sollen. Das Plugin namens „B.S. Detector“, das laut Motherboard „von dem Aktivisten und unabhängigen Journalisten Daniel Sieradski entwickelt wurde“, beruht nach Angaben des Entwicklers auf einer „Liste der nicht vertrauenswürdigen Nachrichtenseiten“, die „aus verschiedenen Online-Quellen erstellt“ wurde. Aktuell enthält die Liste 560 verdächtige Sites. Wenn sie bei Facebook geteilt werden, wird automatisch eine Warnung erstellt: „Diese Website ist keine vertrauenswürdige Nachrichtenquelle.“

Der Gründer sagte Motherboard: „Es beunruhigt mich, dass Fehlinformationen eine viel zu große Rolle in unseren politischen Debatten spielen. Du kannst keine fundierten Entscheidungen treffen, wenn dein Wissen auf falschen Informationen beruht.“

Die gefährlichen Websites werden nach verschiedenen Kategorien klassifiziert: „Fake News, Satire, Extrem parteiisch, Verschwörungstheorien, Gerüchteküchen, Staatsmedien, Unsinn, Hass-Gruppen, Clickbait, Mit Vorsicht zu genießen.“

Die Liste enthält jenseitige Websites wie die von Alex Jones (InfoWars), rassistische wie die Seite von David Duke, den russischen Staatssender RT oder den iranischen Staatssender PressTV. In Teilen ist die Liste deckungsgleich mit jener der Washington Post, die in den USA für große Empörung sorgt, weil auch zahlreiche Websites diffamiert werden, die zu den klassischen Alternativ-Medien gehören wie der Finanzblog Zerohedge, der Drudge Report, das von vielen Medien gerne zitierte Wikileaks oder die kritischen Websites von David Stockman und des früheren Präsidentschaftsbewerbers Ron Paul. Die Liste der Post wurde von einer anonymen Gruppe von „Wissenschaftlern, früheren Regierungsmitarbeitern und Sicherheitsexperten“ erstellt. Glenn Greenwald bezeichnet die Liste auf The Intercept als eine üble Schmierenkampagne, der New Yorker schreibt, dass die obskure PropOrNot-Gruppe mit üblen Methoden „legitime abweichende Meinung als Fake News bezeichnet“.

B.S.Detector bietet allerdings für deutsche Leser eine Überraschung: So wird neben den gefährlichen Putin-Verstehern und den Mullahs aus Teheran auch vor dem Besuch der Satire-Website „Der Postillon“ gewarnt. Dieser hat sich offenkundig in der Kategorie „Satire“ qualifiziert.

Die vielleicht geistreichste Website Deutschlands arbeitet mit dem Prinzip der vollkommenen Ironie und bringt dann Schlagzeilen wie: „Damit diesmal nichts schiefgeht: Stimmabgabe bei Österreichwahl soll mündlich erfolgen“ oder „,Damit er nicht hinfällt‘: Alte Frau hilft Timo Werner über die Straße“. Den Postillon gibt es auch auf Englisch. Dort finden sich Geschichten wie: „Boy last seen online on WhatsApp three hours ago: 17-year-old reported missing“. Das Geheimnis des Erfolgs des Postillons besteht darin, dass er die Leser für intelligent genug hält, dass sie zwischen echter Information und Satire/Fälschung unterscheiden können.

Der Gründer von B.S.Detector muss allerdings nicht mit Problemen wegen des Listings des Postillons rechnen: Der Postillon schreibt in seinem Impressum ausdrücklich: „Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte können wir jedoch keine Gewähr übernehmen.“

Sollten sich die Satiriker jedoch dennoch nur in Maßen über die Gesellschaft freuen, in die sie geraten sind, können sie vermutlich auf dem kurzen Dienstweg die Löschung erreichen: Der Postillon wird vom US-Konzern Vice vermarktet, zu dem auch Motherboard gehört, das das interessante Interview mit dem B.S.Detector geführt hat.

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