Finanzen

VW-Konzern muss in USA erneut Milliarden-Strafe zahlen

Lesezeit: 2 min
01.02.2017 12:31
Die VW-Tochter Audi muss private Kläger in den USA mit einer Milliardenstrafe entschädigen. Der Audi-Zulieferer Bosch muss zusätzlich hunderte Millionen Euro abführen.
VW-Konzern muss in USA erneut Milliarden-Strafe zahlen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
USA  
Bosch  
Justiz  
Autobauer  

Mit einer neuerlichen Milliardenzahlung in den USA will Volkswagen eine weitere Hürde im Dieselskandal überwinden. Der Autobauer stimmte zu, mindestens 1,26 Milliarden Dollar (rund 1,17 Milliarden Euro) an rund 80.000 Besitzer von großen Dieselfahrzeugen mit umweltbelastenden 3-Liter-Motoren zu zahlen, um deren Klagen beizulegen, berichtet Reuters. Wie aus den am Mittwoch veröffentlichten US-Gerichtsunterlagen weiter hervorgeht, könnte es VW bis zu vier Milliarden Dollar kosten, wenn die Behörden keine Freigabe für die Reparatur eines Großteils der betroffenen Wagen erteilen. Dann müsste der Konzern alle Autos, darunter Geländewagen von Audi, VW und Porsche, zurückkaufen. Die VW-Tochter Audi, die die 3-Liter-Motoren entwickelt hat, prüft weitere Rückstellungen.

Die Wolfsburger hatten sich nach monatelangem zähen Ringen im Dezember mit den Behörden in den USA und anschließend mit den Privatklägern auf einen grundsätzlichen Kompromiss geeinigt: Etwa 20.000 betroffene ältere Wagen der Baujahre 2009 bis 2012 mit 3-Liter-Motoren, die nicht so umgerüstet werden können, dass sie den Abgasvorschriften entsprechen, sollen zurückgekauft werden. Weitere rund 60.000 Fahrzeuge der Baujahre 2013 bis 2016 sollen repariert werden, sobald die Behörden die Freigabe für die technische Lösung erteilen. Bezirksrichter Charles Breyer in San Francisco hatte VW und den Sammelklägern eine Frist bis 31. Januar für eine detaillierte Einigung gesetzt, die er bei einer weiteren Anhörung am 14. Februar absegnen will.

Aus den jetzt veröffentlichten Gerichtsunterlagen geht hervor, dass die Besitzer, deren Fahrzeuge zurückgekauft werden, zusätzlich rund 7.500 Dollar von VW erhalten. Kunden, deren Wagen repariert werden, sollen eine Entschädigung von rund 7.000 und 16.000 Dollar bekommen. Beeinträchtigt die Reparatur die Leistung des Autos, gibt es demnach weitere 500 Dollar oben drauf. VW-Amerikachef Hinrich Woebcken sagte, mit der Vereinbarung gebe es eine Lösung für alle Besitzer von umweltbelastenden Dieselfahrzeugen. Anwältin Elizabeth Cabraser, führende Vertreterin der Autobesitzer, sprach von „erheblichen Vorteilen“ für die Verbraucher und für die Umwelt. Volkswagens Vereinbarung mit dem US-Justizministerium zu den 3-Liter-Motoren sieht vor, dass der Autobauer 225 Millionen Dollar in einen Fonds zur Wiedergutmachung für überhöhte Emissionen zahlt.

Die jetzt vereinbarte Milliardenzahlung muss Audi schultern, weil die 3-Liter-Motoren von der Konzerntochter entwickelt wurden. Die Ingolstädter, die für die Beilegung der Abgasaffäre bis dato 980 Millionen Euro zur Seite gelegt haben, prüfen weitere Rückstellungen. „Wir bewerten anhand der Gerichtsunterlagen, was wir mit dem Jahresabschluss noch zurückstellen müssen“, sagte ein Audi-Sprecher. Details nannte er nicht. Insidern zufolge könnten sich die Kosten rund um die 3-Liter-Motoren auf rund zwei Milliarden Euro belaufen.

Im gesamten VW-Konzern belaufen sich die Kosten des Dieselskandals bislang auf rund 20 Milliarden Euro. VW hatte Mitte 2016 in den USA einen Kompromiss für rund 475.000 Dieselautos mit 2-Liter-Motor mit illegaler Abschalteinrichtung erzielt, der umgerechnet bis zu rund 15 Milliarden Euro kostet. Die Niedersachsen haben 18,2 Milliarden Euro für die Aufarbeitung des Abgasskandals zur Seite gelegt und bereits weitere Rückstellungen angekündigt.

Als Teil des zivilrechtlichen Vergleichs wegen des VW-Dieselskandals zahlt zudem der Autozulieferer Bosch einen dreistelligen Millionenbetrag. Den Gerichtsunterlagen zufolge erhalten 554.000 betroffene Autobesitzer 327,5 Millionen Dollar (rund 304 Millionen Euro). Bosch hatte bereits im Dezember mitgeteilt, man habe zur Beilegung von Forderungen gegen das Unternehmen einen Kompromiss gefunden. Reuters hatte damals berichtet, die Stuttgarter seien zur Zahlung von mehr als 300 Millionen Dollar an Kläger bereit, die dem Zulieferer aktive Mithilfe bei der Manipulation vorwerfen. Bosch hatte jegliche Verantwortung für den Einsatz der Software von sich gewiesen. Diese sorgt bei Dieselautos von Volkswagen dafür, dass die Motoren Abgasgrenzwerte nur auf dem Prüfstand einhalten.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Marktbericht
Marktbericht Mit digitalem Gold auf Erfolgskurs

Die Vervielfachung der Geldmenge hat enorme Auswirkungen. Die Inflation ist nicht mehr aufzuhalten. Auf der anderen Seite zeichnet sich...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Ausverkauf geht weiter: Nächster deutscher Hightech-Konzern wird vom Ausland übernommen

Trotz ständigen Bekundungen der Bundesregierung, strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen, geht der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zwischen Russland und Saudi-Arabien bahnt sich ein neuer Ölpreis-Krieg an

Im März findet das nächste Treffen der OPEC + statt. Während Saudi-Arabien die Öl-Produktion weiter drosseln will, plädiert Russland...

DWN
Politik
Politik Jetzt bahnt sich auch ein digitaler EU-Impfpass an

Am 25. und 26. Februar werden die Mitglieder des Europäischen Rates zusammenkommen, um über die Einführung von digitalen Impfpässen zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Plötzlich üben die Medien Kritik an Spahn, doch es ist zu spät

Die Medienlandschaft hat sich dazu durchgerungen, Jens Spahn zu kritisieren. Doch es ist zu spät, obwohl die Deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank warnt vor überhöhten Immobilienpreisen

Im vergangenen Jahr haben die „markanten Preisübertreibungen“ auf dem Wohnungsmarkt zugenommen, so die Bundesbank. Teilweise liegen...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitale Zentralbankwährungen für den Großhandel und Einzelhandel bahnen sich an

In einem aktuellen Bericht plädiert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich für die Einführung von digitalen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld-Nutzung in den USA ist während der Pandemie gestiegen

In den USA ist nach Angaben eines Unternehmens für Sicherheitsdienste und Werttransporte die Bargeldnutzung gestiegen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schwab hatte es „vermutet“: Großunternehmen werden größer, während Kleinunternehmen ganz verschwinden

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab schreibt in seinem Buch „Covid-19: Der Grosse Umbruch“, das im Juli 2020 erschienen...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundeskabinett beschließt Einführung des digitalen Impfpasses

Das Bundeskabinett hat am Montag die Einführung eines digitalen Impfpasses beschlossen, damit Geimpfte Restaurants und Konzerte besuchen...

DWN
Politik
Politik Blackwater-Gründer Prince spielte zentrale Rolle im Libyen-Krieg

Einem UN-Bericht zufolge spielte der Blackwater-Gründer Erik Prince eine wichtige Rolle im Libyen-Konflikt. Dass die UN erst jetzt auf...

DWN
Finanzen
Finanzen BÖRSE AKTUELL: Heftige Korrektur bei Bitcoin - jetzt wird der Einstieg vollends zum Vabanque-Spiel

Gestern vermeldeten wir den rapiden Kursverfall der Kryptowährung "Bitcoin". Heute liefert unser Börsen-Experte Andreas Kubin, wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax: Anleger hoffen nach Powells Rede weiter auf Riesen-Konjunkturpaket aus den USA

Die Börsen entwickeln sich langsam weiter. Heute Nachmittag warten die Anleger auf wichtige Konjunkturdaten.

DWN
Politik
Politik E-Patientenakte: Merkel und Spahn haben den Datenschutz ausgehebelt, doch keiner hat es bemerkt

Die Bundesregierung hat durch ein neues Patientenakten-Gesetz den Datenschutz ausgehebelt. In der Akte sollen alle relevanten...

DWN
Deutschland
Deutschland Geduld des Handels ist am Ende: Klagewelle gegen Lockdown rollt

Obi, Media Markt, Breuninger und Co. wollen nicht länger auf Zugeständnisse der Politik warten. Immer mehr Händler versuchen, vor...