Politik

Wirtschaft läuft in Europa besser als in den USA

Lesezeit: 2 min
04.05.2017 02:39
Wirtschaft läuft in Europa besser als in den USA. (Dieser Artikel ist nur für Abonnenten zugänglich)
Wirtschaft läuft in Europa besser als in den USA

Mehr zum Thema:  
Europa > USA >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Europa  
USA  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die Stimmung bei kleinen und mittleren Unternehmen ist einer Umfrage zufolge derzeit so gut wie seit mindestens 26 Jahren nicht mehr. Das von der KfW-Bank und dem Ifo-Institut berechnete Mittelstandsbarometer kletterte im April um 4,4 auf 24,9 Punkte. Dies ist nach Angaben vom Mittwoch der höchste Wert seit Beginn der Datenerhebung 1991. Die Betriebe bewerteten sowohl ihre Lage als auch ihre Aussichten zuversichtlicher. Auch bei den Großunternehmen verbessert sich das Geschäftsklima insgesamt - allerdings nur wegen der besseren Lage. Diese Firmen blickten etwas weniger optimistisch nach vorne als zuletzt.

Vor allem im Einzelhandel ging es bergauf. "Politische Risiken treten offenbar zunehmend in den Hintergrund, während die besonders für den Mittelstand wichtige Binnenkonjunktur weiter rund läuft", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Die Daten signalisierten "ein dynamisches und breit gestütztes Wirtschaftswachstum auch im zweiten Quartal". Für die Zeit danach hellten sich die Aussichten ebenfalls auf. Bereits Anfang des Jahres dürfte die Wirtschaft kräftig gewachsen sein. Zahlen zum ersten Quartal werden am 12. Mai veröffentlicht.

Die KfW sieht zwar weiter "Unwägbarkeiten" wegen der Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump und dem EU-Austritt Großbritanniens. Dennoch zeigte sich Zeuner optimistisch. "Mit schwindenden Risiken dürfte sich der Investitionsstau in den Unternehmen zu lösen beginnen und für einen zusätzlichen Konjunkturimpuls sorgen."

Einer der Hauptgründe der positiven Stimmung dürfte die gute Lage der Wirtschaft in der Euro-Zone sein. Die Euro-Zone hat die weltgrößte Volkswirtschaft USA zu Jahresbeginn beim Wachstum abgehängt. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Januar bis März um 0,5 Prozent zum Vorquartal zu - mehr als doppelt so stark wie in den USA. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten ersten Schätzung des Statistikamts Eurostat hervor. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit diesem Ergebnis gerechnet, nachdem es im Schlussquartal 2016 ebenfalls ein Plus von revidiert 0,5 (bisher: 0,4) Prozent gegeben hatte.

"Es ist doch erstaunlich, wie stark sich die Euro-Zone zeigt", sagte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. "Lange Zeit galt die Währungsunion als kranker Mann, doch davon kann derzeit keine Rede sein." Der niedrige Euro-Kurs kurbelt die Exporte an, die zudem von der besseren Weltkonjunktur profitieren. Auch der private Konsum dürfte das Wachstum stützen, obwohl die Kaufkraft unter der höheren Inflation leidet. Dafür ist die Arbeitslosigkeit in den vergangenen Monaten merklich gesunken.

Zu den am schnellsten wachsenden Euro-Ländern gehört Spanien. Hier nahm das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,8 Prozent zu. Dagegen schaffte die französische Wirtschaft nur ein Plus von 0,3 Prozent. "Kommt es am Sonntag zu einem Wahlsieg von Emmanuel Macron, wachsen die Chancen auf Reformen", so Gitzel. "Gezielte Liberalisierungsschritte am Arbeitsmarkt könnten am Ende große Wirkung zeigen und für neue Dynamik der zuletzt lahmen französischen Volkswirtschaft sorgen." Eine erste Schätzung für Deutschland wird erst kommende Woche veröffentlicht. Ökonomen sagen hier ein Wachstum von etwa 0,5 Prozent voraus.

Nach dem guten Jahresauftakt könnte die Europäische Zentralbank (EZB) nach Einschätzung einiger Volkswirte ihre Wachstumsprognose von derzeit 1,8 Prozent für die Euro-Zone im Gesamtjahr 2017 nach oben korrigieren. "Doch dies bedeutet nicht, dass die EZB bald aus ihrer ultra-expansiven Geldpolitik aussteigt", sagte Commerzbank-Experte Christoph Weil. "Zum einen gehen wir davon aus, dass das höhere Wirtschaftswachstum nicht nachhaltig ist, denn in der zweiten Jahreshälfte dürften insbesondere die Impulse von der Weltwirtschaft wieder etwas nachlassen." Zum anderen sei die Kerninflation - also die Verbraucherpreise ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel - nach wie vor schwach.

Die EZB hält ihren Leitzins seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent. Damit sowie dem Kauf von Wertpapieren will sie die Konjunktur und die Inflation anschieben.


Mehr zum Thema:  
Europa > USA >

DWN
Politik
Politik Frankreichs Staatspräsident Macron beginnt Staatsbesuch in Deutschland
26.05.2024

Das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland wird oft und gerne gelobt. Erstaunlich ist da schon, dass der letzte richtige...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutschlands Kapitalmarkt: Hemmnis für die Finanzierung der Zukunft
26.05.2024

Die heimischen Kapitalmärkte spielen als Finanzierungsquelle deutscher Unternehmen eine untergeordnete Rolle – Bankkredite dominieren...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Europas Herausforderung für die geo-ökonomische Wettbewerbsfähigkeit
26.05.2024

Ökonomen neigen dazu, sich nicht allzu viele Gedanken über die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Landes zu machen....

DWN
Finanzen
Finanzen Service: So vermeiden Sie teure Fehler beim Berliner Testament
26.05.2024

Die Zukunft stets im Blick behalten und optimal vorsorgen. Wenn Sie Ihren Nachlass planen, kann das sogenannte Berliner Testament eine...

DWN
Panorama
Panorama Jubiläum eines Kultkastens: Die rote Telefonzelle wird 100 Jahre alt
26.05.2024

In Deutschland sind sie rar geworden, in England auch. Immerhin gibt es noch hie und da einen der nostalgischen Häuschen. Ein Foto in der...

DWN
Politik
Politik Präsidentschafts-Wahlen in Amerika: Wie Robert F. Kennedy das Rennen aufwirbelt
26.05.2024

Es gibt bei der Präsidentschaftswahl in den USA am 5. November nicht nur Blau gegen Rot, Esel oder Elefanten, Demokaten gegen...

DWN
Politik
Politik Zweiter Teil des DWN-Interviews: Deutsche Offiziere haben Warnungen ignoriert
26.05.2024

In dieser Fortsetzung des Gesprächs mit dem norwegischen Militärexperten Tor Ivar Strømmen (von gestern) erfahren Sie, warum deutsche...

DWN
Technologie
Technologie Künstliche Intelligenz auf Obstplantagen: Schädlinge besser erkennen
26.05.2024

Die Künstliche Intelligenz (KI) erobert immer mehr Bereiche der Wirtschaft. Selbst in der Landwirtschaft könnten Anwendungen in Zukunft...